So hätte Herr Kramer, alias Remarque, die Situation wohl beschrieben. Es tut sich was in unserem Hafen von Agadir Wer noch den T-Schlengel in Erinnerung hat, der den Hamburger sofort an die halsbrecherischen Schlengel im Steendiekkanal denken lässt, muss heute feststellen, dass dieser Zustand nun auch hier endgültig der Vergangenheit angehört. Insgesamt drei neue Schlengel mit den dazugehörigen Brücken sind im Fischereihafen am Yachtclub entstanden.Gäste können sich an freie Plätze legen, sofern derer habhaft zu werden ist, ansonsten bietet sich die Möglichkeit, bei einem Clubmitglied längsseits zu gehen. Selbst die Charteryachten finden nicht täglich zum Geld und folglich auch nicht den Weg aufs offene Wasser, so dass man sich auch bedenkenlos von Bord bewegen kann. Es geht dort sehr betulich zu, und Schiffsbewegungen finden nicht täglich statt bei den Yachten, jedenfalls unter der Woche. In dieser Ausbaustufe ist endlich genug Platz für die Clubmitglieder, und Gäste mussten auch unter den abenteuerlichen Bedingung vorher nicht vor dem Hafen ankern. Wahrscheinlich haben deren Heckanker den nicht durch Pfähle stabilisierten, sondern nur durch Leinen gehaltenen, Schlengel gesichert. Man stelle sich vor, da schwojte die ganze Anlage, ein Erlebnis für die gesamte Crew.
Was das Platzangebot angeht, stehen schon in naher Zukunft Veränderungen ins Haus. Der neue Yachthafen wurde mit einem schier endlos scheinenden, blauen, Bauzaun umgeben und innerhalb des eingefriedeten Areals durchstreift ein Hausmeister sein Revier. Wochentags kommt verhalten etwas Leben in die dort parkenden Bagger und Laster. Der Rand der noch unbebauten Freifläche dient als Stellplatz für die Tetrapoden. In der Hafeneinfahrt lag vor kurzem ein Bagger, der signalisieren sollte, dass irgendwann die Solltiefe erreicht wird, um auch mit etwas Tiefgang einlaufen zu können - Inchallah.Bei einem Rundgang durch den Fischereihafen findet das geübte Auge schnell noch andere Teile, die zu einer Hafenanlage gehören könnten. Es stehen am Ufer eine Ansammlung grosser, schwarzer Pfähle Spalier, die wohl nur auf den Marschbefehl zu warten scheinen. Sie sehen aus wie überdimensionierte Sonnenschirmständer, da die Erbauer den Stahlröhren Betonfüsse verpasst haben. Ob diese Art der Pfähle windstabiler ist als unsere gerammtem Ungetüme, wird sich in der Praxis zu erweisen haben. Der neue Yachthafen sieht ein Anlegen auf "römisch - katholisch" vor. Die Landanlagen können erst entstehen, wenn die gelben Baumaschinen ihr Aufmarschgebiet freigegeben und die Tetrapoden ihre endgültige Position eingenommen haben. Wasserbau kommt vor Hochbau, macht auch Sinn, wenn sich nicht gegenseitig behindert werden soll. Das grosse Schild am Bauzaun lässt Jan Maat voller Vorfreude ins Träumen kommen, der sich jetzt vorzustellen beginnt, kurz vor Sonnenuntergang in die Marina einzulaufen, um anschliessend in einem der zahlreichen Restaurants die angenehme Luft der dauernd bewässerten Grünanlagen zu atmen, fangfrischen Fisch serviert zu bekommen und über die zurückgelegten Meilen zu sinnieren. Leise durchdringt der Ruf des Muezzins den gedämpften Lärm der Grosstadt. Im Hintergrund, auf den Ausläufern des Atlas, thront die Ruine der alten Kasbah in gut zweihundert Meter Höhe über der Stadt, scheinbar, um den Yachten mit der weithin sichtbaren Leuchtschrift ein Zeichen zu geben. ![]() Erinnerung an alte ZeitenWieder in die Realität zurückgekehrt, stellt der staunende Schipper fest, dass der Mund voller Sand ist, wenn er den herunterhängenden Unterkiefer wieder hochklappt. Nur, irgendwie mögen die Bilder nicht wieder verschwinden, im Gegensatz zu einer Luftspiegelung bei Annäherung. Mit jedem Tag rückt der Zeitpunkt näher, wo der Traum in die Realität übergeht. Mit Argusaugen wird die Metamorphose von der Wüste zur begrünten Marina verfolgt, und herbeigesehnt die feierliche Eröffnung durch den König, damit es wieder heisst : Im Westen was Neues. Schnell noch die Koordinaten fürs GPS : 30º 25´N - 9º 38´W, und Leinen los.Aktuelle Bilder (Juni 2003) der Baustelle. ![]()
Wolfgang Mehl |