![]() ![]() ![]() Karte gross Brasilien, schön und schockierend! |
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Seit Ende Juli sind wir jetzt hier in Santos, Brasilien, mit der Überholung unserer Assy beschäftigt. Immer mehr stellt sich heraus, dass unsere Entscheidung, die Firma Boat Service, Gordon Kunze, mit der Überwachung der Arbeiten zu beauftragen, eine wirklich gute Entscheidung war. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten, wir mussten zum Beispiel die Lackierertruppe auswechseln, weil ihnen nicht klar zu machen war, was wir wollten (Gordon hat das schnell und ohne Streit gemanagt), läuft jetzt alles wie geschmiert. Natürlich mit der hier üblichen Geschwindigkeit. Land und Leute Wir nutzen unsere wenige freie Zeit, um Land und Leute näher kennenzulernen. Dabei stellen wir immer mehr fest, Brasilien ist ein Land der Gegensätze. Wunderbare Natur auf der einen Seite und die Zerstörung derselben auf der anderen. Liebenwerte Menschen auf der einen und extreme Kriminalität auf der anderen. Erst vor wenigen Tagen ist einer unserer Arbeiter überfallen worden. ![]() Man mauert sich einEr konnte durch heftige Gegenwehr den Angreifer unschädlich machen und der Polizei übergeben. Ebenfalls vor wenigen Tagen wurde eine französischen 80ft. Yacht, die vor der Einfahrt zum Yacht Club Santos lag, von einem mit Pistole bewaffneten Gangster in der Nacht geentert und die Besatzung ausgeraubt. Die Yacht hat am nächsten Tag Brasilien verlassen.Jeder, aber auch ausschliesslich jeder, warnt uns, teure Uhren oder Schmuck zu tragen und niemals viel Geld mitzunehmen. Allerdings immer etwas, damit die Räuber etwas erbeuten können. Andernfalls bestünde die Gefahr, das sie einen aus Wut umbringen. Eine andere Warnung erhalten wir in unserer Supmar Marina. Sie liegt zwar recht schön im Gründen, aber dadurch auch ein wenig abseits. Also haben wir beschlossen, uns ein Motorrad zuzulegen. ![]() Wir 4 auf dem MotorradAuf dringendes Anraten haben wir uns eine elektronische Alarmanlage einbauen lassen. Ein Sender, der dafür sorgt, dass das Motorrad stehen bleibt und der Alarm losgeht, wenn sich das Motorrad weiter als 100m vom Sender entfernt. Als wir den Sender am Zündschlüssel anbringen wollen, schaut man uns verständnislos an und bedeutete uns, denn Sender unbedingt getrennt vom Zündschlüssel aufzubewahren. Man weisst uns darauf hin, dass diese Alarmanlage vor allem den Sinn habe, Räuber zu stoppen, die uns, während wir noch auf dem Motorrad sitzen, das Moorrad entreisen wollen. Ihre Fahrt würde dann nach ca. 100m durch Ausgehen des Motors und dem Angehen der Alarmanlage gestoppt. Für uns, die wir aus Patagonien und Feuerland kommen, wo Häuser immer offen und wir aufgefordert wurden, ruhig hereinzugehen und zu warten, wenn niemand da ist, eine schockierende Vorstellung.Obwohl wir in den 5 Monaten, die wir jetzt in Brasilien sind, Gott sei Dank nicht das geringste in dieser Richtung persönlich erlebt haben, gehen diese ständigen Warnungen nicht spurlos an uns vorüber. Auch wir beginnen, uns häufiger umzudrehen und das Geschehen in unserer Umgebung genauer zu beobachten. Dabei fällt uns, zumindest am Tage, die ungeheure Zahl von Polizisten und privaten Security Guards auf. Manchmal haben wir den Eindruck, die eine Hälfte der Bevölkerung Brasiliens besteht aus Räubern und Dieben und die andere Hälfte versucht, die erste Hälfte daran zu hindern bzw. zu fangen. Reise zu den Iguacu Wasserfällen Kommen wir zu den erfreulicheren Seiten Brasiliens. Da unser Deckshaus zur Zeit lackiert wird und ein Aus und Ein ins Schiff, nur durch die Lucken möglich ist, haben wir beschlossen, die Iguacu Wasserfälle zu besuchen. Wir entscheiden uns für das Flugzeug und nicht für den eigentlich viel spannenderen Bus (Reisedauer ca. 15h), da wir die Arbeiten und vor allem unsere Shila und unseren Sunny nicht zu lange alleine lassen wollen. Von Sao Paulo fliegen wir 1:30h nach Foz do Iguacu. 1881 kamen die ersten Siedler in diese Gegend, damals mitten im tropischen Regenwald. 1914 wurde, nach Vertreibung der Guarani-Indianer, die Gemeinde Foz do Iguasu gegründet. Mittlerweile ist es eine Stadt mit über 250000 Einwohnen und vom ehemals tropischen Regenwald sind nur noch marginale Reste übrig. Zum Glück für diese Urwaldreste lebt die Gegend ausschliesslich vom Tourismus und so hat man sie zum National Park erklärt. Der Name Iguacu stammt von den ursprünglich dort lebenden Guarani-Indianer. "I" bedeutet Wasser und "guacu" gross. Übersetzt heist Foz do Iguacu also: "Mündung des grossen Wassers". Es mündet hier der Rio Iguacu in den durch das bislang grösste Wasserkraftwerk der Welt ITAIPU gestauten Rio Parana. ![]() Die Iquacu Wasserfälle.Die berühmten Iguacu Wasserfälle befinden sich ca. 20Km vor der Mündung des Rio Iguacu. Laut Reiseführer sollen es die schönsten Wasserfälle der Welt sein und wirklich, sie sind beeindruckend. Kurz vor unserem Besuch hatte es an dem durch Argentinien fliesenden Rio Iguacu sehr viel und am durch Paraguay führenden Rio Parana seit langem sehr wenig geregnet. Es liefen deshalb über die Wasserfälle 10x soviel Wasser wie normal, während das ITAIPU Kraftwerk unter Wassermangel litt. Neben der in Brasilien überall anzutreffenden Misswirtschaft einer der Gründe, warum hier zur Zeit Energienotstand herrscht.Von Foz do Iguacu aus führt die Freundschaftsbrücke über den Rio Parana nach Paraguay. Auf Grund der Zollunterschiede zwischen Brasilien und Paraguay wäre der Name Schmuggelbrücke zutreffender. Weshalb auch in letzter Zeit die Freundschaftsbrücke von den brasilianischen Behörden, Freundschaft hin oder her, bereits mehrmals für einige Zeit gesperrt wurde. ![]() In der Nähe des TeufelsrachensAber zurück zu dem eigentlichen Grund unseres Besuches, den Iguacu Wasserfällen. Nach einer Länge von über 1300Km teilt sich der Rio Iguacu in tausend verspielte kleine Seitenarme, die dann in über 275 Wasserfällen wieder zu einem Fluss zusammenfliesen.
Wasserfälle auf der Argetinischen SeiteGigantischste von ihnen ist der Teufelsrachen. Von der Argentinischen Seite kann man ganz dicht heran. Wir leider nicht, wegen der Wassermenge war der Zugang geschlossen. Auch mit den Schlauchbooten von der Brasilianischen Seite aus war es leider nicht möglich. Trotzdem war es ein Erlebnis, den angelegten Wegen über und unter den verschiedenen Wasserfällen zu folgen.![]() Beate unterhalb zweier kleiner WasserfälleDie Pfade sind so angelegt, dass sie ein hautnahes Erleben der verschiedenen Wasserfälle ermöglichen. Wir waren uns nicht einig, ob die argentinische oder die brasilianische Seite schöner ist. Wahrscheinlich sind beide gleich schön.![]() Ein LeguanNeben den wirklich beeindruckenden Wassermassen hat uns die Tierwelt, die Tucanos, die Leguane, die Coaties und die phantastischen Schmetterlinge in allen Farben sehr fasziniert. Sie haben teilweise Durchmesser von über 10cm.![]() Ein CoatieWas uns, noch immer an antarktische Temperaturen gewöhnt, allerdings zu schaffen macht, ist die Hitze. Über 35 Grad und 98% Luftfeuchte. Da bleibt nichts trocken. Wir sind froh, dass wir uns ein gutes Hotel mit Swimmingpool gegönnt haben, so können wir an den späten Nachmittagen, am Pool relaxen.Im Nationalpark auf der Brasilianischen Seite, sehr nahe an den Wasserfällen, befindet sich das Iguacu Hotel. Es ist im englischen Kolonialstiel des letzten Jahrhunderts gebaut. Würden wir noch einmal zu den Iguacu Fällen fahren, würden wir gerne dort wohnen. Es soll allerdings nicht gerade billig sein. Das Lettische Fernsehen auf Weltumseglung ![]() Ein Abend an Bord der Milda. Beate, Maris und ichZurück in Santos, wo es durch die Meernähe ein wenig kühler ist, treffen wir in der Supmar Marina die S.Y. "Milda" aus Lettland an. Sie befindet sich für das Lettische Fernsehen auf einem 2 jährigen Torn um die Welt. Leiter der Reise ist der ehemalige Aussen- und Premierminister Maris Gailis. Die Crew der Milda kurz vor dem AuslaufenAuf Grund von Wellengeräuschen wurden sie unsere Nachbarn an Land. Die Geräusche kommen von der eingelaufenen Welle, die ausgetauscht werden muss. Auch sie bekommen die in Südamerika übliche, etwas andere Zeitrechnung zu spüren. Aus der zugesagten einen Woche für die Behebung des Schadens werden fast vier.Letzte Arbeiten Jetzt, Anfang Dezember sind auch unsere Arbeiten so gut wie abgeschlossen und unsere Assy erstrahlt, technisch und optisch, in neuem Glanz. Spätestens Mitte Dezember wollen wir zur Ilha Grande aufbrechen, wo wir Weihnachten und Neujahr verbringen wollen. Anfang Januar kehren wir nach Santos zurück, da wir am 09. Januar für 3 Wochen nach Deutschland und in die Schweiz fliegen. Hier in Santos kennen wir sehr liebe Leute, die sich während dieser Zeit um unseren Sunny und unsere Shila kümmern werden. Eine schockierende Meldung: Heute erfahren wir, dass die S.Y. "Seamaster" von Sir Peter Blake im Amazonasdelta liegt. Vorgestern Nacht erschienen 6 maskierte und bewaffnete Gangster an Bord. Im Verlaufe der Auseinandersetzungen wurde Peter Blake erschossen und 2 weitere Crewmitglieder schwer verletzt. Sie liegen im Krankenhaus. Die restlichen 3 blieben unverletzt. Die Gangster erbeuteten $ 2000,--, 2 Kameras und ein Dingi mit Aussenborder. Noch vor wenigen Monaten waren wir Nachbarn in Ushuaia und mehrmals haben wir uns gegenseitig an Bord besucht. Es ist fuer uns nicht zu fassen. Wir sind mehr als geschockt. Heinz-Jürgen Scheld & Beate Roters S.Y. "Spirit of Assy" |