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Im Mai 91 sind wir in Travemünde abgesegelt, durch den Oere-Sund und die westschwedischen Schären nach Skagen, von dort nach Farsund und dann über die Nordsee nach Invernes, durch den Caledonian Canal zu den Hebriden. Über die Azoren, Madeira dann nach hier, den Canaren. Hier hatten wir alle Inseln teilweise mehrfach besucht, bevor wir Anfang Januar erst zu den Kapverden und dann nach Senegal und Gambia gesegelt sind. Von dort ging es dann über den Atlantik nach Fernando de Norhonia , dann nach Natal, die brasilianische Küste hoch, zu den Lensois Inseln (Geheimtip), dann nach Belem und "innen" um die Insel Marajo rum und aus dem Amazonas wieder in den Atlantik, dann weiter über Franz. Guayana, Surinam, Trinidad, Tobago, Venezuela in die Karibik ,usw...Ich habe gerade die alten Logbücher herausgekramt und schwelge etwas wehmütig in Erinnerungen! Bei jedem Besuch einer Insel kam dann unweigerlich die Frage zwischen Marlies und mir auf: "könnte man hier wohnen?" Auf dieser Reise waren es drei Inseln, die uns ganz besonders gefallen hatten: Colonsay, Hebriden, El Hierro und Tobago. Hierro hat, wie Du siehst, dann doch gewonnen, gegen Colonsoy des Wetters wegen und gegen Tobago wegen der Entfernung und dem kulturellen Unterschied. Zurück in Deutschland hatte ich dann mit meinem Bauleitungsbüro einige größere Bauprojekte mit der Uniklinik Frankfurt abgewickelt. 1995, als der deutsche Winter uns besonders aufs Gemüt ging, erinnerten wir uns an El Hierro und besuchten die Insel, diesmal mit dem Flieger, zum 2. Mal. Kurzentschlossen erwarben wir anlässlich dieses Besuches unsere Finca hier im Bergland. Es gab viel zu renovieren, wie Du Dir ja denken kannst, und dies geschah dann immer in den Weihnachtsferien, da kann ein Bauleiter schon mal Urlaub machen. Als die Bauaufgaben mit der Uniklinik dem Ende zu gingen beschlossen wir ganz hierher umzusiedeln. Unser Haus in D. wurde vermietet und Ende Oktober 01 unser Pick-up beladen und ab ging es. Die ersten Monate waren voller Arbeit am Haus, im Garten, der 10 Jahre brach gelegen hatte, war ein Haufen zu tun. Du kannst Dir vorstellen das bei 3000 m² da einiges anfiel. Jetzt, seid einigen Monaten, sind wir auch mit dem Kopf hier angekommen und fühlen uns sehr wohl. Unsere drei Kinder sind erwachsen und aus dem Gröbsten raus, ein Ortswechsel war für uns jetzt leichter als damals, als wir mit der Ketch-up lossegelten. Unsere Finca liegt in der Nähe von San Andres (Brötchen holen dauert 15 min.), an einer kleinen Baranco gelegen, mit freiem Blick auf die abfallende Hochebene und Richtung SE auf den Atlantik, der ca. 1000 m unter uns liegt. Die Inseln Gomera und Tenerifa (den Teide) sehen wir bei guter Sicht recht klar. Was macht man also hier auf so einer kleinen Insel? Marlies ist für den Ziergartenteil unseres Grundstückes zuständig und sammelt unentwegt Pflanzen zum Einbuddeln, der Nutzgarten untersteht mir, mit allen Erfolgen aber auch Misserfolgen: die Kartoffeln haben wir schon im Keller, der Kohl ist leider geschossen aber Salat, Tomaten, Bohnen, Erbsen usw. bringen einen guten Ertrag. Über das Internet arbeite ich noch mit einem Architektenbüro in D. zusammen und erstelle für sie Ausschreibungen und berate noch ein wenig auf meinem Spezialgebiet, dem Krankenhausbau. Dann gibt es immer was am Haus zu tun, leider! Das hört wohl nie auf. Wir entdecken gerade Teile Hierros neu, denn abseits von den üblichen Wanderwegen und den Strassen gibt es noch die alten Pfade und Karrenwege die benutzt wurden, als es noch keine Autos hier gab und die Leute andere Orte zu Fuß oder mit ihren Zugtieren erreichen mussten, lang ist das nicht her. Tolle Wege gibt es da und es ist spannend sie wiederzufinden. Also, wie Du siehst, wir haben reichlich zu tun und Langeweile, die auf so einer Insel bei etlichen Leuten schon im Suff geendet ist kommt gar nicht erst auf. Wir haben uns aber auch nie gesagt dass Hierro das Endziel sein sollte. Wir sind jetzt mal für eine Zeitlang hier und wenn uns der Sinn nach anderem steht, dann geht's vielleicht weiter. Segler sind eben ein unruhiges Völkchen. |
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| Unsere Finca | Das Wahrzeichen El Hierros: die "Sabine", ein uralter Wacholder - windgepeitscht. |
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Nun etwas zur Insel: Hier leben ca. 8000 Menschen, das sind 39 je m², davon etwa 300 Nichthierrenios. Valverde ist die Hauptstadt und beherbergt vielleicht 1500. Ein Höhenrücken zieht sich über den Großteil der Insel mit viel Wald Canarische Kiefer, Baumheide und einem lorbeerähnlichem Baum. Der Höchste Berg ist der Malpaso mit 1500 m. Im Nordwesten befindet sich das Gebiet das El Golfo genannt wird, hier ist ein riesiger Kraterteil vor Urzeiten ins Meer gestürzt, jetzt ist der Golfo die Gegend mit Obst und Gemüsebau und dem wärmsten Klima, daher haben sich die meisten Ausländer hier niedergelassen. Im Westen ist es recht trocken und ohne Besiedlung, hier steht der berühmte Leuchtturm Punta Orchilla, durch den vor Greenwich der 0° Meridian ging, als westlichster Teil der damals bekannten Welt. Im Süden ist es sehr warm, auf einer von El Pinar bis La Restinga abfallenden Lavalandschaft wachsen nur Kakteen und Wüstenpflanzen. In La Restinga wurde der 2. Hafen der Insel gebaut. Er dient vor allem der kleinen Fischereiflotte und den wenigen Seglern, die in Hierro vorbeischauen. Haupterwerbszweig ist der Anbau von Bananen, Ananas und Tomaten. Der Weinbau ist auch verbreitet, der Vino Frontera, ob blanco oder tinto ist gut trinkbar. Fischfang, vor allem Tunfisch, Doraden etc. wird in Küstennähe betrieben, wir haben keine Hochseefischereiflotte hier, alles eher kleiner, wie die ganze Insel. Touristen verschlägt es auch mal hierher, ich schätze es sind übers Jahr keine 8000 und die verlaufen sich total. Die Häuser sind, mit kleinen Ausnahmen, in der Regel 1- oder 2-geschossig. Besucher mieten sich meistens in Pensionen und kleinen Ferienbungalowanlagen ein, ein Hotel, der Parador, ist zur gemäßigten Luxusklasse zu zählen. Zweimal am Tag werden wir von der Fähre aus Tenerifa abgelaufen. Über diese Fährverbindung wird die Insel mit allem versorgt, lediglich der Treibstoff für Autos und das Kraftwerk kommt mit einem Tankschiff. Dreimal am Tage landet der Zweimotorige Propeller- Flieger aus Tenerifa hier und zweimal die Woche auch einer aus Gran Canaria und La Palma. Supermärkte z.B. zum Proviantieren gibt es in genügender Zahl, leider etwas teurer als in Tenerifa. Sonst ist aber alles erhältlich, auch jede Menge Kartenautomaten um Deine Frage zu beantworten, und vier verschiedene Banken mit etlichen Zweigstellen. Obwohl Hierro eine kleine Insel ist, nur ca. 37 km lang, ist ein Auto unerlässlich. Die Wege sind selten horizontal und die Busverbindungen sehr planlos und rar. Beste Grüße Uli |