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Bericht aus dem Stützpunkt Juan Fernández: Juli 2004

Jost Otto Schnyder Meyer
Stützpunktleiter Juan Fernández




Mit berechtigtem Stolz zeige ich den T-O Stander am Fenster meines einfachen Häuschens, und wenn die Yachtmannschaften sich in der kleinen Stube zum Tee oder Kaffee einfinden, so fühle ich mich so richtig verbunden mit den Werten der “Alten Welt”. Ich funktioniere in erster Linie als Auskunfts- und Beratungsstelle, mache auf Wunsch Fotokopien von unserer Zeitschrift, welche natürlich den Yachtbesitzern wegen ihrer Lebensweise Monate oder erst gar Jahre verspätet zukommt, habe stets einige Liter Diesel, Benzin, Maschinenöl und Lagerfett am Lager, um wenn nötig aus der Patsche zu helfen, nehme Brief- und auch Paketpost entgegen und informiere meinen Kollegen Hermann Fritsch von der Osterinsel über das Ablegen der Yachten in Juan Fernández, wenn diese als nächstes Ziel Rapa Nui angegeben haben. Über die Marine-Basisstation CBV 709 “Trans-Ocean”, von der chilenischen Marine genehmigt, verständige ich mich mit den Yachten auf den zugeordneten VHF-Kanälen und hoffe, während der Saison 2004-2005 eine HF Station anfügen zu können, um unsere navigierenden Mitglieder auf weite Distanz zu erfassen, ihnen die gewünschten Informationen abzugeben und nach unserer Insel “verführen” zu können.

Mein Unfall vom 31. Dezember 2003, als ich mein rechtes Beein brach, hatte mich zwar just während unserer Sommermonate an den Lehnstuhl und das Bett gefesselt, doch durfte ich die angenehme Erfahrung machen, dass mir nicht wenige Kapitäne und Kapitäninnen in meiner etwas frustrierenden Situation mehr geholfen haben als ich ihnen. Ich fühle mich tatsächlich sehr zu Hause in der Welt der Blauwassersegler, ohne selber etwas von der Kunst der Fahrt auf Hoher See zu verstehen.

Immer wieder stelle ich beim Lesen unserer Vereinsorganes fest, dass Sie die Seefahrer auf die Freiwilligkeit unseres Dienstes an der Sache aufmerksam machen und publizieren Beiträge, wo sich Mitglieder lobend über die Betreuung eines Stützpunktleiters äussert. Zweifelsohne wirkt dies als Aufmunterung für unsere Arbeit, welche ja stets direkte oder indirekte Kosten verursacht, wofür wir nie etwas verlangen. Diese Eigenschaft macht wohl die Stärke überhaupt unserer Stützpunkte aus.

Für den kommenden Südsommer möchte ich den Yachtbesatzungen, welche uns besuchen wollen, die folgenden Hinweise abgeben:
  • Sollten Sie zur auserlesenen Gruppe der Philatelisten gehören, dann darf ich Ihnen versichern, dass Posttempel aus Juan Fernández sehr gesucht sind. Sie können – beispielsweise von Deutschland kommend – Briefumschläge mit deutschen Wertzeichen verklebt mitbringen. Ich werden den “Paquetpost”- Stempel unserer Insel darauf abschlagen und die chilenische Post wird diesen Brief weiterbefördern, ohne dass das Verkleben von chilenischen Wertzeichen notwendig ist. Deutsche Marken mit dem chilenischen Poststempel abgeschlagen: Das ist eine Seltenheit und deshalb wertvoll. Wenn Sie mir Ihre Umschläge übergeben, erledige ich den Rest. Ohne Kosten für Sie, selbstverständlich. Philatelisten lieben Stempel. Wenn Sie es noch nicht gemacht haben, stellen Sie einen her, welche Ihre Yacht stilistisch darstellt und die wichtigsten Angaben enthält. So zum Beispiel Name der Yacht, Name des Kapitäns, Heimathafen der Yacht, T-O Zugehörigkeit. In einem zweiten Stempel sollten Sie die exakten Angaben des Absenders zeigen. Diese Daten werden normalerweise auf der Rückseite des Umschlages abgeschlagen. Wenn man bedenkt, dass Sie auf Ihrer Reise rund um die Welt vielleicht 50 Länder anlaufen und darunter 30 oder mehr Inseln, dann lohnt es sich schon, etwas über einen philitalistischen “Nebenlauf” nachzudenken. Die Briefmarken sind imstande, Eindrücke zu vermitteln, welche weder mit Worten noch Fotografien oder Video-Filmen erreicht werden. Wir Philatelisten kreieren mit den Briefmarken und Stempeln wahre “Gesichter” unserer unerhört reichhaltigen Welt, Gesichter, welche im Laufe der Zeit ganz beachtliche Werte erreichen können, besonders wenn die Sammlung komplett ist, das heisst, Ihre ganze Reise auch philatelistisch belegt wird. Glauben Sie, es wäre ein Versuch wert? Ich helfe Ihnen dabei, wenn Sie es wünschen. Die Kosten sind verschwindend klein: Nur Briefmarken und Briefumschläge.
  • Normalerweise nehmen die Stützpunktleiter keine Paketpost entgegen, weil dies mit Umständen und Kosten verbunden sein kann. Die chilenische Postbehörde ist sehr effizient und Verluste von Sendungen habe ich noch nie beklagen müssen. Sollte Ihre Paketpost keine Zollformalitäten erfordern, nur als “Brief” oder “Petit Paquet” deklariert sein (beispielweise für ein wichtiges Ersatzteil) ohne wesentliche Wertangabe (die Engländer sagen dem “Understatement” und sind damit ganz gut zurecht gekommen…), dann bewirken diese Sendungen für mich keine Probleme. Ich würde dabei empfehlen, das ganze “Eingeschrieben” zu senden.
  • In Juan Fernández gibt es keine Tankstelle. Jedermann hier hat irgendwo seine Fässer Diesel, Benzin, Öl und Schmiermittel vor oder hinter dem Hause gelagert. Aber es kommt auch vor, dass auf der ganzen Insel kein Benzin für Ihren Dinghi-Aussenborder aufzutreiben ist. Für diesen Fall hat Ihr T-O Stützpunktleiter stets einige wenige Liter am Lager. Sie sollten sich jedoch zur Gewohnheit machen, möglichst “vollgetankt” mit dem Ziel Juan Fernández in die See zu stechen.
  • Einige Kleinunternehmer werden Ihnen nach dem Ankerwerfen in der Cumberland-Bucht Dienstleistungen und Meeresprodukte anbieten. Vor allem unsere Languste Jasus frontalis ist ja weltberühmt. Um nur die besten Eindrücke über unsere Insel mitzunehmen, würde ich empfehlen, dass Sie mich über die gängigen Preise für die angebotene Ware anfragen, bevor Sie sich zu einem bedeutenden Kaufe verpflichten. Wenn ich Ihnen durch Beratung Geld sparen helfen kann, ist ja bereits ein Teil meiner Funktiom erfüllt. Überhaupt: Haben Sie irgendwelche Zweifel, rufen Sie mich einfach auf Kanal 16 an. Es ist ja so einfach.
  • Einige der Yachtkapitäne sind hervorragende Fotografen und auch Autoren. Ich verfüge über eine gute Handblibliothek betreffend der ozeanischen Inseln Chiles, denn auch ich bin Autor von Büchern und Artikeln in spanischer und deutscher Sprache. Gerne bediene ich Sie mit meinen Unterlagen und Texten für Ihre eigenen Berichterstattungen. In diesem Falle müsste ich einen Unkostenbeitrag für Papier und Tinte erheben und Sie würden meinen Namen in Ihren Texten korrekterweise als Quellenhinweis angeben.
  • Auf Juan Fernández gibt es eine öffentliche Internet-Station, wo jedermann Anrecht auf 1 – 2 Stunden wöchentlich hat. Diese Dienstleistung ist gratis. Grosse “Pakete” von Daten können jedoch nicht in den Äther gesandt werden, weil das System nur langsam – “Inselgeschwindigkeit” – arbeitet.
Und nun hoffe ich, dass Sie durch diese Angaben angespornt, Ihren Törn über die Weltmeere so planen, dass Juan Fernández als Fixpunkt auf Ihrer Seekarte eingetragen wird. Die Besatzungen der rund 10 TO-Yachten, welche ich in den vergangenen Monaten bedienen konnte, haben jedenfalls ihren Entscheid nicht bereut.

Darf ich auch Sie bald auf unserer von der Geschichte, der Natur und scheinbar verborgenen Schätzen gesegneten Insel erwarten? Ich und meine Familie würden sich freuen.

Last change / letzte Änderung: Donnerstag, 16. Juni 2005
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