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Unser Mann in Agadir

Stützpunktleiter Wolfgang Mehl
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Elbabwärts, weit über Helgoland hinaus, da liegt Afrika, und ziemlich am Anfang von Afrika liegt Agadir. Den einen oder anderen Salzbuckel soll es schon dorthin verschlagen haben.

Vollgetankt mit seinem persönlich Erlebten, zur Arabeske hochstilisiert, kann er zwar in der Heimat jeden Bordabend köstlich erheitern, doch will er damit nur vertuschen, wie blind und töricht er sich in der morgenländischen Fremde verhalten hat. Abgezockt hat man ihn, für fast alles hat er zuviel bezahlt. In Unkenntnis von Landessitten und Lohn/Preisniveus schlichen sich eben die Fehler ein, die das Leben teurer machten. Oder er lief mit seinem Vorhaben gegen Wände; alle setzten den Kamelblick auf und verstanden plötzlich nichts mehr. Wer spricht schon gut Französich oder gar Arabisch, was man nicht einmal lesen kann?

Die Sonne Afrika's gefiel unserem Vereinskameraden Wolfgang Mehl so gut, dass er beschloss, dort in Zukunft sesshaft zu werden. Er gründete die Firma: "LOBOMARINE s.a.r.l". Um den Brückenkopf auszubauen und die gewonnenen Erfahrungen weitergeben zu können, eröffnete er am 11.02.2001, dem 80. Geburtstag von Trans-Ocean Kommodore, Helmut Bellmer, den 130. Trans-Ocean-Stützpunkt weltweit. In nur fünf Tagen organisierte die Crew von Lobomarine, in Zusammenarbeit mit dem Yachtclub d'Agadir, das "Heisst Stander" im würdigen Rahmen bei Musi und Kraut. Die Küche des "Restaurant du Port" hatte bezaubernde Gaumenfreuden aus dem Atlantik aufgetischt, die Band spielte "Country Roads" und "I am sailing". Muslimische Marine auch trinken Whisky, der Zoll zieht mal eine Probe; alles im allem ein gelungenes Intro bei sonntäglichem Kaiserwetter. Das Verhältnis zur Capitainerie ist gut, was nicht unbedingt falsch sein muss. Der Hafenmeister ist Angestellter der staatlichen Lagerhausgesellschaft: ODEP, trinkt keinen Alkohol, schaut etwas länger und genauer, und , ist hilfsbereit und korrekt.

Mitte Mai dieses Jahres war der König in Agadir zum ersten Spatenstich für den neuen Yachthafen. Das Hafenbecken existiert ja schon ein Dutzend Jahre; die Pläne für Landanlagen und Schlengel auch, doch jetzt geht es wirklich weiter. Allahs Bagger buddeln langsam, Investor klamm - oder pleite? Mit einem bunten Festakt wurde die Baumaschinerie angeblasen. Wenn einmal angefangen wurde, dann entsteht auch etwas. In Agadir stehen möglicherweise mehr Baukräne als in Berlin oder Dresden, und Arbeitskräftemangel gibt es dort nicht. Am Schnittpunkt zweier Kontinentalplatten wird gebaut, was das Zeug hält. Wenn die Marina fertig ist, wird "Lobomarine" dort Yachtservice und Dienstleistungen anbieten, die über die kostenlose Erstversorung durch Trans-Ocean hinausgehen. Auf allen Ebenen kann dem Blauwassersegler geholfen werden bei der Befriedigung seiner Bedürfnisse nach langem Atlantiktörn. Beim Besuch des Souks ist fachkundige Begleitung besonders dann empfohlen, wenn man vorhat, etwas zu kaufen. Ausserdem ist es schon verwirrend zwischen endlos Gemüse, Gewürzen und Gerümpel. Auf dem anderen Ende Fischbratküchen, doch, wo bin ich? Den Gang entlang, wo mir die Turnschuhe gegen den Kopf hauen, dann rechts durch die Tücher und Taschen, oder war es genau andersherum?

Der Trans-Ocean Stützpunkt liegt in einem Vorort Agadirs, 5km nördlich auf 200m über dem Meeresspiegel. Von See her wird der Trans-Ocean Stander weithin sichtbar sein. Auf dem Landweg ist es dem Uneingeweihten fast unmöglich dorthin zu finden, obwohl es ganz einfach ist. Vom Hafen aus ein Platz im Sammeltaxi nach Anza zum Preis von 3 Dirham, knapp ein Drittel Euro. Vom Marche' Anza aus mit der Automafia für weitere 3 Dirham den Berg hinauf nach Taddarte und bis zur Rue 7, dann 300m abwärts und vor der Schule rechts, so einfach geht das, und es ist nicht einmal teuer.

Dem Yachtie soll gezeigt werden, wie Fortbewegung ohne eigenes Auto geht. Einmal begriffen, wie man sich ruckzuck von einem Ende der Stadt zum anderen bewegen kann, für den Preis einer Dose Wahrsteiner oder zwei; darüber kommt Jan Maat richtig ins Schwärmen, wenn er wieder in der Heimat ist. An allen Bus- und Taxiplätzen gibt es alles zwischen Kuchen und Kefta zu kaufen, nur Mülltonnen und öffentliche Toiletten sucht man oft vergeblich. Also GPS zur Hand und gleich speichern : 30º 25' N - 009º38' W . Wir sehen uns dann zum Tee in Taddarte, das heisst so, weil, das liegt auf dem Ausläufer des Küsten- gebirges, zu beiden Seiten Täler, na ja, es ist nicht immer Flaute und nicht immer Sommer - in Taddarte. Wer dort die Fährte des Wolfes aufnehmen will, muss nach "Lobo" fragen, logo? Nicht loco, heisst ja auch "Lobomarine", obwohl die Marokkaner liebend gern "Labo Marine" schreiben, selbst in der Handelsregisterveröffentlichung; aber darüber regt sich keiner auf, das wird mit einem Lächeln kommentiert. Kleine Pannen sind dort eben an der Tagesordnung.

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Einfach mal den Kamelblick aufsetzen und die Dinge etwas gelassener sehen. Das täte auch manch gestresstem Europäer gut. Leinen Los, bis bald in Agadir - Inchallah




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Webmasteremail Last Change: Montag, 30. Juni 2003

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