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SY Kira von Celle – unsere Besuche bei TO-Stützpunkten
von Beate und Detlev Schmandt, E-Mail: b.schmandt@online.de
Anmerkungen zum Brief des Vorsitzenden (Passt zu diesem Bericht)
Ausgelöst durch das Weihnachtsschreiben unseres Vorsitzenden erinnern wir uns an unseren seit Jahren schwelenden Eindruck, dass wir, die Segler, die TO-Stützpunktleiter und der Vorstand unseres Vereins möglicherweise nicht genug voneinander wissen.

Es gibt 190 Stützpunkte, schrieb der Vorsitzende, wir kennen nur einen Bruchteil davon und über diese Begegnungen wollen wir berichten. Zunächst ist ein TO-Stützpunkt eine Adresse im TO-Heft. Wer und was sich dahinter verbirgt wird erst deutlich, liest man Reiseberichte im TO-Heft. Unterwegs erhält man Informationen von anderen Seglern am Steg, am Funk, per mail. Besucht man dann TO-Stützpunkte wird einem bewusst, das sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Da der Stützpunkt Porto Santo bedauerlicherweise nicht besetzt war, lernten wir auf Lanzarote als ersten TO-Stützpunktleiter Erhard Granicky kennen. Seine Einladung in der Vorweihnachtszeit 2004 zum Bratapfel mit Glühwein in lustiger Seglerrunde werden wir nicht vergessen. Wegen einer schweren Krankheit von Beate blieben wir 11 Monate in der Marina Rubicon. Wir haben uns öfter am Steg zum Klönen getroffen. Sein Mitgefühl und das seiner Frau haben mir sehr geholfen, da Beate in Deutschland im Krankenhaus lag. Erhard hat für sein Engagement beim TO keinen geschäftlichen Hintergrund, er ist TO-Stützpunktleiter und Segelkamerad von Herzen. Eine Dienstleistung haben wir meiner Erinnerung nach von ihm nicht erbeten, Marina und Serviceumfeld waren gut ausgeprägt.

Auf Gomera blieben wir ohne Kontakt zum TO-Stützpunkt. Danach trafen wir Karl Heinz Lange (KapVerden - Sal) . Wir wollten nicht auf die Kapverden, nicht nach Sal. Es waren Segelfreunde vom TO, die uns per Funk baten unbedingt zu kommen und eine größere Menge Zahnkitt aus Gomera mitzubringen. Karl Heinz hatte darum gebeten, der Zahnarzt der Insel brauchte das für Bedürftige, die kein Geld hatten dafür zu bezahlen, und Karl-Heinz brauchte es dringend, hatte er doch seine Bestände längst verteilt. Es war eine gute Entscheidung das Zahnkitt nach Sal zu bringen. Wir lernten einen völlig uneigennützig handelnden TO-Stützpunktleiter kennen der, selber nicht mit Reichtümern gesegnet, gab, was er hatte und in der Dorfgemeinschaft wegen seines sozialen Engagements hoch angesehen ist. Er ist mit uns jeden Weg durch das Dorf gegangen, zum Einklarieren, zum Einkaufen, zum Wasserholen. Sind wir mal an einem Laden vorbei gekommen, hielt er auch gerne an um mit uns einen Rumpunsch zu trinken. Wir haben Kleidung gespendet und über den TO und Intermar die Segler aufgerufen Medikamente und vieles Andere zum Klaus nach Sal zu schaffen. Sein Haus war stets offen, klingeln und eintreten, und es war nie verkehrt eine Flasche Roten dabei zu haben. Ein Ort für Seelen.

Henny Kusters ist Stützpunktleiter des TO auf Sao Nicolau. Auch er ist sozial engagiert. In seinem „Restaurant“ was auch sein Wohnzimmer ist, wird unter einem Kronleuchter groß aufgetischt. Henny bildet junge Männer zu Köchen, Kellnern und Reiseleitern aus. Wir haben mit ihm einen Tag verbracht, die Insel kennen gelernt, gut zu Mittag gegessen und am Abend ein fünf gängiges Menü genossen. Es war hervorragend zubereitet und stilvoll serviert. Henny ist für uns ein Original, einer, den es nicht zweimal gibt. Er war bestens bekannt bei den Indios im Hochland, kannte vor allem die Flora perfekt, und wo uns in den Sandalen die Füße weh taten, lief Henny barfuß herum. Er hat auch die Besten Kontakte zu den Behörden und ist bemüht den Hafen sauber zu halten von den Kinder-Gangs. Es war ein teurer Tag, aber wir wussten, dass er das Geld in sein Projekt steckt. Zum Ausklang saßen wir auf seiner Terrasse direkt am Meer, einen guten Rum im Glas und hörten den Erzählungen aus seinem Leben zu. Über den TO wurde nicht gesprochen.

In der Karibik haben wir die Stützpunkte auf Martinique, St. Lucia, Union Islands, Grenada und Bequia nicht aufgesucht. Wir waren schnell unterwegs und kannten die Inseln von etlichen Chartertörns. Leider sahen wir damals keine Möglichkeit als TO-Mitglieder den TO-Stander auf einem Charterschiff zu setzen, schade.

Sint Maarten war neu für uns und wir brauchten technische Hilfe, ein Hol out, die Schraube musste verstellt werden, zu schwer waren wir inzwischen für den alten Steigungswinkel. Michäl Glatz hat den Kontakt zu einem Techniker hergestellt und zur Werft. Wir haben uns bei ihm wohlgefühlt, waren fast jeden Abend zur„Happy-hour“ und zum Dinner in seinem Lokal, haben unsere Wäsche in seinem Salon waschen lassen, und ein Auto von Ihm zum Sondertarif gemietet. Wir sind Ihm und er uns nichts schuldig geblieben.

Den Sommer des Jahres 2006 haben wir auf Trinidad in Chaguarama verbracht. Trinidad zeigt dem Segler viele höchst unterschiedliche Gesichter. Ist man erst mal einklariert, wird man mit Informationen überhäuft. Das „Boaters Directory“ Ist ein umfangreicher Führer zu allem, was den Skipper in Chaguaramas interessieren könnte. Natürlich gibt es jeden morgen ein VHF-Netz und zahlreiche Happy-hours am Abend, gespickt mit Informationen. Erst als wir nach einigen Tagen uns etwas auskannten, besuchten wir den TO-Stützpunktleiter Andreas Kretzmar in seinem Geschäft für Electronic. Wir hatten einen Auftrag, den nur er erledigen konnte. Wir haben danach mehrmals bei einem Drink nach Feierabend zusammengesessen und viel erfahren über Trinidad und Tobago. Er ist ein exzellenter Kenner der lokalen Probleme. Wir vertraten unterschiedliche Auffassungen zur Kriminalitätslage. Für Andreas war vieles längst Normalität, was auf uns Segler wie ein Schock wirkte. Durch diese Gespräche wurde aber unser Verständnis für das Land und seine Probleme gestärkt. Einige Statements der vergangenen Jahre, die Andreas im TO veröffentlicht hat, kennen wir und sie sollten ernst genommen werden. Wir haben in seinem Stammlokal bei der Tropical Marina einmal einen Abend organisiert, an dem ca. 18 TO-Segler zusammenkamen, da war auch er ein wenig stolz darauf. Wir sind ihm und er uns nichts schuldig geblieben.

Cartagena darf man auf der Reise nach Westen nicht auslassen und Manfred Alwardt war da, bevor wir überhaupt angekommen waren. Via sailmail haben wir ihm unsere Schiffs-und Personendaten übermittelt und die Einklarierung war vorbereitet. Manfred nimmt dafür Geld, er ist ein Agent. Seine Dienste stehen jedem Segler zur Verfügung, egal in welchem Verein und von welcher Nationalität er ist. Wer seine Dienste nicht in Anspruch nehmen will und einen Tag mit Behördengängen verleben will, den berät er trotzdem und kostenlos. Wir haben seine Dienste auch anderweitig in Anspruch genommen. Er hat uns durch die Stadt gefahren auf der Suche nach Ersatzteilen. Wir waren mit Ihm beim Segelmacher, beim Schlosser und wohl auch an der Bar. Wenn wir mit Ihm im Yachtclub verabredet waren, dann war Pünktlichkeit nicht das oberste Ziel. Wir sind in einem fremden Land und Manfred ist dort zu Hause. Sein Rhythmus ist kolumbianisch und wir sind die Gäste. Wir haben uns fair behandelt und sind als gute Bekannte auseinandergegangen.

Es sollte fast 1 1/2 Jahre dauern bis zum nächsten Kontakt, zum TO-Stützpunkt Panama. Wir haben Herrn Beume nie kennengelernt. Sein Lokal mit fränkischer Küche wird von einem Geschäftsführer geleitet, er soll nur noch selten anzutreffen sein. Wir haben uns einmal einen nicht ganz billigen Abend mit Bratkartoffeln, fränkischer Wurst und deutschen Bieren geleistet, es war für uns etwas Besonderes. Erst, als wir längst auf dem Weg zu den Gambier Islands waren, hat uns Herr Beume einen großen Gefallen getan. Es gab ein Missverständnis bezüglich der Kaution für die Kanalpassage. Herr Beume hat dies Dank seiner guten Verbindungen und seiner der Mentalität des Landes angepassten Hartnäckigkeit klären können.

Der bekannteste TO-Stützpunktleiter im Jahr 2008 im Pazifik war Herr Johnny Romero (Galapagos). Kein Tag verging, an dem sein Name nicht auf dem Netz von Günter/Contadora fiel. Er ist auch ein Hafenagent, nur fair-play war nicht seine Sache. Wir haben ihn nie getroffen und er ist nicht mehr TO-Stützpunktleiter, beides ist gut.

Was wir jetzt über Fritz Didier Schmack schreiben, den TO-Stützpunktleiter in Rikitea-Gambier, dafür haben wir sein Einverständnis. Fritz Didier Schmack ist das, was wir kauzig nennen, und er ist alkoholkrank und er ist sich darüber voll bewusst. Beate hat über drei Tage mit ihm zusammengesessen und seine Lebensschilderung aufgeschrieben und darf darüber schreiben. Fritz hat das sehr gerne getan, es war für Ihn eine Möglichkeit über sein Leben zu sprechen, wir haben ihn ernst genommen, er hat das gespürt. In den Nachkriegswirren begann seine Odyssee durch Deutschland und Frankreich, auf der Suche nach Familie und Halt. Beides hat er nicht gekannt und erst sehr spät und nur für kurze Zeit gefunden, als er in Rikitea eine Einheimische heiratete und mit ihr sechs Kinder zeugte. Fünf leben noch, aber seine Frau ist gestorben und darüber ist er bis heute nicht hinweggekommen.

Sein Leben wurde bestimmt von der französischen Fremdenlegion und die Zeiten waren rau. Es war die Legion, die die Infrastruktur für die Atombombenatolle Frankreichs im Pazifik zu errichten hatte. Fritz ist dabei gewesen und hängen geblieben. Heute lebt er von einer kleinen Pension, die er vor allem für seine Krankheit ausgibt. Er wohnt in einem einfachen Holzhaus direkt am Meer. Er freut sich über Besuch, vor allem am Vormittag, später geht das oft nicht mehr. Segler waschen ihre Wäsche in seiner Waschmaschine, ein kleines, sehr kleines Geschäft. Fritz ist in Rikitea sozial isoliert, er ist nicht beliebt. Nur ein paar Freunde aus alten Zeiten, seit ca. 17 Jahren ist Fritz in Rikitea, besuchen ihn noch. Und dann sind da ein paar Segler die sich Zeit für Ihn nehmen, die anderen wollen nur mal schnell die Wäsche waschen und ein paar Pampelmusen und Zitronen aus seinem wilden Garten nehmen. Der Umgang mit ihm ist nicht leicht und er weiß das. Sieht man ihn vor dem Hintergrund seiner Herkunft und seines Schicksals, ist da der Mensch Fritz, einer wie DU und ich. Wir freün uns, dass er beim TO ist, es macht ihn stolz. Wer dort hinsegelt, sollte ihm unbedingt eine CD mit alter deutscher Volksmusik (Schunkellieder) mitbringen.

Ohne weitere Kontakte zu TO-Stützpunkten im Pazifik ging es nach Opua, Bay of Islands, Neuseeland. Hier haben wir Klaus und Erika Wesche kennengelernt. Klaus backt Holzofenbrot, zweimal in der Woche kann man es zu üblichen Preisen kaufen, nur das es viel besser ist als alles andere was hier Brot genannt wird. Er hält gerne Kontakt zu den Seglern, die sich hier oft sechs Monate im Sommer aufhalten. Seine Schweinebratenessen sind schon legendär und so einige Partys werden auf seinem Grundstück gefeiert und Erika und Klaus feiern gerne mit.

Wieder einmal brauchen wir einen TO -Stützpunktleiter als Informanten eher selten. Alle verfügbaren Informationen sind vorhanden. Das übliche VHF Netz, Segler, die seit Jahren im Südwestpazifik unterwegs sind, das Internet. Rund um die Marina gibt es Händler für Bootszubehör und alle Gewerke die mit dem Sportboot zu tun haben, wir sind in Neuseeland. Aber ohne Erika und Klaus würde uns etwas fehlen und natürlich kann jedes TO- Mitglied (oder doch nicht jedes?) Post und Pakete nach Absprache an Klaus schicken. Es kommt nur nicht mehr so oft vor. Es gab aber noch einen Kontakt zu einem TO-Stützpunkt. Wir erwähnen den erst an dieser Stelle, weil er eigentlich ganz am Anfang gestanden hätte und seine Schatten auf unseren Bericht geworfen hätte. Es war der erste Kontakt unserer Reise und es war der TO-Stützpunkt Cuxhaven.

Am 03.08.2004 haben wir im Sekretariat unseren Standerschein abgeholt und uns für die lange Reise verabschiedet, wir waren dort ca. 45 Minuten. Es hat geheißen, das sich noch jemand am Steg bei uns meldet um uns gute Fahrt zu wünschen. Dies geschah nicht. Im nächsten TO-Heft wurde ein kurzer Artikel über unsere Reise veröffentlicht, mit dem Hinweis das man seitens des TO enttäuscht ist, das wir uns nicht auf der Geschäftsstelle gemeldet hätten und man di e Information über unsere Abfahrt aus den Cuxhavener Nachrichten hätte entnehmen müssen. Man schrieb, das es uns nicht Wert gewesen sei, den TO-Stützpunkt Cuxhaven zu besuchen. Das kam für uns einer öffentlichen Hinrichtung gleich. Wir haben unverzüglich protestiert und um eine Gegendarstellung gebeten. Der nun eher kleinlaute Redakteur hat sich bei uns entschuldigt und uns gebeten auf eine öffentliche Richtigstellung zu verzichten, da das dem Ansehen des TO abträglich sei. Wir haben eingewilligt, glaubten wir doch zu der Zeit noch, unterm Teppich sei nichts los.

Wir möchten hier noch einmal die Anregung des Vorsitzenden an die TO-Stützpunktleiter betrachten, auf das Vorhandensein einer Mitgliedschaft, insbesondere eines Standerschein, zu achten. Wir bekommen das in unsere Begegnungen nicht so recht eingebracht. Die Adressen der TO-Stützpunkte stehen im Internet, sind allgemein zugänglich. Die Stützpunktleiter werden sich die Entscheidung darüber, wie sie mit Seglern umgehen nicht aus der Hand nehmen lassen, wo doch auch etliche wirtschaftlichen Nutzen aus den Begegnungen ziehen. So nehmen wir an, dass der besagte Hinweis eher kontraproduktiv war und die Stimmung belastet. Es gehört nach wie vor zum guten Ton, Mitglied im TO zu sein. Fast alle Pazifiksegler auf dem Weg von Panama nach Westen zeigten im vergangenen Jahr den TO-Stander. Das ist gut und damit kann man die Sache auf sich beruhen lassen. Für zusätzliche Kontrollen fehlen schlicht die Voraussetzungen.

Der Vorsitzende Herr Bernd Lütgebrune betont in seinem Schreiben an die TO-Stützpunktleiter, das es ihm um deren Schutz und deren Interesse geht, wenn es Nichtmitgliedern erschwert wird ihre TO-Zeit zu besetzen. Dann geht es also nicht um die Sicherstellung von Einnahmen. Das ist erfreulich. Natürlich können wir nicht wissen, ob es z.B. im Mittelmeer oder anderen Revieren Probleme zwischen Seglern, TO-Stützpunktleitern und dem Verein gibt.
Würde das dann auch im TO-Heft stehen?
Wir würden uns über weitere Berichte freün und hoffen nicht unfair gewesen zu sein.

Beate und Detlev Schmandt, SY Kira von Celle

Last change / letzte Änderung: Sonntag, 15. Februar 2009
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