Print pageprinter.gif 15x15
home.gif 65x17
Piraten Überfall bei Islas Los Testigos (VEN)
redcliffe.jpg 300x218
lupe.gif 25x26Zoom


von Karl Meth, SY. "Oyster"
E-Mail: kjmeth@googlemail.com


Der erster Abschnitt meiner Caribikreise begann am Samstag, den 04-12-2010 um 1130 h in Puerto Cabello, Venezuela, mit Jürgen als Mitsegler und sollte in Granada enden. Es kam jedoch anders.

Wind, Welle und Strömung hatten wir von Anfang an gegen uns, daher sind wir unter Motor mit Stützsegel gefahren. Gegen Abend und in der Nacht hatten wir reichlich Regen mit Gewitter. In der Nacht, in Höhe von Puerto Azul, riss uns eine Naht vom Segel auf. Wir steuerten daraufhin Puerto Azul an und liefen am Sonntag um 0730 h in den Hafen ein. Ein Segelmacher stand nicht zur Verfügung. Wir nahmen daher die Reparatur selbst in die Hand. Am Montag Abend war es dann geschafft. Um 2300h legten wir wieder ab und setzten die Reise fort.

Ursprünglich war als nächster Zielhafen Puerto La Cruz vorgesehen. Auf Grund der Segelreparatur wollten wir jedoch die Restreisezeit kürzen und peilten direkt Isla De Margarita an um von da aus dann direkt nach Grenada zu starten. So fiel der Anker am Mittwoch, den 08-12-2010 um 2300 h in Isla De Margarita. Dort bunkerten wir Proviant und Diesel.

Am Sonntag, den 12-12-2010, holten wir den Anker wieder auf und starteten von Isla De Margarita aus Richtung Grenada. Um 1330 h ca 20 sm West von Los Testigos kreuzte ein unscheinbar aussehendes Fischerboot unseren Weg und kam plötzlich mit hoher Geschwindigkeit direkt auf uns zu.
Wir wußten sofort, das war keine freundliche Besuchsabsicht. Und so war es auch. Ca 30 m vor uns stoppte das mit ca 6 Mann besetzte Boot und zeigte uns längsseits zu kommen. Wir gaben daraufhin Vollgas und fuhren auf sie zu. Als das Boot längsseits von uns war, eröffnete die Besatzung das Feuer aus Pistolen und einer Kalaschnikof. Wir hatten natürlich keine Waffen an Bord. Ich rannte nach unten um einen Feuerlöscher als Waffe zu holen. Jürgen erwiederte das Feuer mit einer Leuchtrakete aus der Hand. Plötzlich sind die Piraten wieder davon ghefahren. Wir wissen jedoch nicht warum, ob einer getroffen wurde? Wir wissen es nicht. Wir blieben Gott sei Dank unverletzt. Unser Schiff wurde am Überwasserrumpf getroffen. Dort ist nur die Farbe ab, mehr nicht. Im Segel sind 4 Durchschüsse und im Bimini sind zwei Durchschüsse zu sehen. Da wir nur zwei Leuchtraketen an Bord hatten, quälte uns die Frage: Was machen wir, wenn die zurück kommen? Gott sei Dank, kamen sie nicht. Wir riefen über Funk nach Hilfe. Nach einer halben Stunde meldete sich ein Fischer aus Los Testigos und versprach uns, die Costguards zu benachrichtigen. Diese kamen uns dann auch entgegen und begleiteten uns bis nach Los Testigos. Der Überfall hätte auch leicht anders enden können.

Auf den Islas Los Testigos 011° 22.882 N 063° 07.070 W begann dann der Papierkram. Das Boot wurde durchsucht, die Papiere gecheckt, Protokolle geschrieben und wir mussten eine genaue Schilderung geben.

Am nächsten Morgen durften wir zunächst weiterfahren. Als wir eine halbe h auf See waren, wurden wir per Funk von den Costguards zurück gerufen. Also drehten wir wieder um. Dann um 1500 h kam der Comander und sagte uns, dass wir nach Isla De Margarita zurück fahren müssen. Der dortige Comander wolle uns sehen. Er gab uns zu unserem Schutz zwei bewaffnete Soldaten mit. Im nachhinein betrachtet, war das kein Begleitschutz sondern sie sollten sicherstellen, dass wir auch wirklich zurückfahren nach Isla De Margarita.

Hier angekommen, wurden wir ausführlich über den Vorfall befragt. Ich musste bei einem vereidigten Dolmetscher eine Aussage zum übersetzen niederschreiben. Zur Führung eines in Venezuela angemeldeten Schiffes, benötigt man eine venezulanische Lizenz. Es stellte sich heraus, dass meine Lizenz, die ich von dem Commodore der Marina in Puerto Cabello erhalten hatte, eine Fälschung ist, angeblich ist die Port Clearance (Sarpe auf spanisch) ebenfalls gefälscht und die Besitzverhältnisse des Bootes sind lt. Behörde unklar, obwohl ich einen notariellen Kaufvertrag vorlegen kann. So sitze ich hier ohne gültige Papiere, ohne kompetente Hilfe, ohne Sprachkenntnisse, ohne Internetanschluß und darf das Boot nicht bewegen. Bis das alles geklärt ist, können nun Wochen oder Monate vergehen. Die Behörden arbeiten hier sehr langsam.

Bitte keine Anhänge mit den emails senden. Die Anhänge machen mir extreme Schwierigkeiten und blockieren den kompletten Datenaustausch. Ich habe keinen eigenen Internetanschluß.

Last change / letzte Änderung: Sonntag, 23. Januar 2011
© Webmaster / NetDesign Rheinland

right.gif 40x15Back