Zum Neuen Stützpunkt La Paz (MX)

Stützpunktleiter Eberhard Wolff berichtet:

2003 war für La Paz ein aufregendes Jahr. Positives gab es, neben zwei verheerenden Hurrikanen, auch, denn die Strandpromenade wurde fertiggestellt. Sie ist heute auf der gesamten Länge (etwa 2 km) begehbar, es ist ein Genuss, dort zu flanieren um u.a. auch einen Sonnenuntergang zu geniessen.

In diesen Genuss kamen bis jetzt die TO-Jachten "WINDEKIND" mit Clara und Alfons, sowie die SJ "AZIMUT" mit Ursula und Eckart, nicht zu vergessen Bordkatze Mini. Letztere sind vor wenigen Tagen in Richtung Süden, gen französisch Polynesien, abgereist.

Clara und Alfons werden anscheinend wieder in Guaymas "übersommern", anschließend hoffe ich Sie hier noch einmal begrüssen zu dürfen.

Euch allen zur Information, ich habe einen "Stützpunktwechsel" vorgenommen. Da das Schild in der "Marina de La Paz" nicht mehr so zur Geltung kam und es auch beim letzten Hurrikan fast völlig zerstört wurde, hängt das Schild jetzt an der Eingangstür zum Büro der "Marina Santa Cruz" .

Das Management dieser Marina hat letztes Jahr endlich gewechselt, nachdem der vorherige Manager, ein Venezuelaner, es sich mit nahezu allen Kunden verdorben hatte. Die Marina hat leider keine Stege, das wird wohl auch noch ein paar Jahre so bleiben. Dafür ist ankern mit 3 Dollar pro Tag aber relativ billig, ist man doch nahe am "Dinghy-Dock". Duschen und WC sowie das an Bord bringen der Trinkwasserflaschen ist im Preis enthalten. Ausserdem macht Gustavo täglich seine Runde und prüft nach, ob alles in Ordnung ist.

Auch mein Boot liegt seit Ende letzten Jahres dort vor Anker, es ist ein bequemer Platz und ausserdem im Zentrum gelegen.

Im Büro der Marina lege ich immer die neuesten "TO-Hefte" aus, zudem händigt Elsa jedem Neuankömmling, der sich als "TO-Mitglied" identifiziert und mit mir noch keinen Kontakt gehabt haben sollte, ein Informationsblatt aus, auf dem ich das Wissenswerteste für Neuankömmlinge und meine Telefonnummmer angegeben habe.

Marina Santa Cruz ist auf Kanal 16 zu erreichen.

Die zwei Hurrikane im Herbst letzten Jahres haben hier grossen Schaden angerichtet, wieder mal sind beide mit dem "Auge" über mein Haus hinweggezogen. Beim ersten war das noch in gewisser Weise interessant, da er mit Spitzenböen von etwa 150 km/h keine grösseren Schäden anrichtete. Auch hatte der Zivilschutz die halbe Stadt in Herbergen einquartiert, ich blieb mit Familie im Haus, das wieder mal problemlos standhielt, obwohl es auf seinen Stelzen dem Wind sehr ausgesetzt ist. Der krönende Abschluss des Naturschauspiels war dann zu sehen, wie er sich in zwei Hurrikane aufspaltete. So was hat es anscheinend vorher noch nie gegeben. Das "Auge" des kleineren der beiden war von meinem Haus aus deutlich auszumachen, es blieb danach noch etwa eine Stunde stationär in einer Entfernung von etwa 30 km von unserem Haus. Der Wind war inzwischen auf unter 100 km/h zurückgegangen.

Beim 2. Hurrikan, ein paar Wochen später, ging dann alles schief. Erstens wurde keine Warnung herausgegeben, weil er angeblich unterhalb von Cabo San Lucas stationär war. Dann aber fing der Hurrican an sich langsam nach Nordwesten zu bewegen, es wurde aber vorausgesagt, dass er an der Pazifikküste unserer Halbinsel nach Norden ziehe und so gegen 7 Uhr morgens in La Paz seine Ausläufer zu spüren sein werden. So der letzte Wetterbericht gegen 22 Uhr nachts. Es wurden keinerlei Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung getroffen, weil man ja, wie immer, den amerikanischen Satellitenbildern und Vorhersagen mehr glaubt als einem lokalen "Wetterfrosch", der zudem vorhersagte, dass gleichzeitig vom Festland eine starke Tiefdruckzone zu uns herüberkommen sollte.

Und so kam es dann auch. Diese Tiefdruckzone zog den Hurrikan auf die Seite des Golfes von Californien und beschleunigte ihn dazu noch, so dass er um 4 Uhr morgens mit seiner ganzen Gewalt von über 200 km/h über uns hereinbrach. Nachdem das "Auge" über uns hinweg gezogen war, somit die Windrichtung um 180 Grad drehte, flogen die Fetzen. Ich hatte zum ersten Mal Bauchweh, ob mein Haus auch standhalten werde.

Nun, bei uns gab es, agbesehen von einigen ausgerissenen Bäumen, keine grösseren Schäden. In La Paz jedoch sah es schlimm aus. 8 Menschen, überwiegend Autofahrer die von den Fluten mitgerissen wurden, kamen ums Leben. Es wurden Hallen abgedeckt, hunderte einfacher Häuser und Hütten zerstört, grosse Schilder, wie z.B. jenes, das quer über der Autobahn angebracht war, einfach abgeknickt oder ausgerissen.

Aber am schlimmsten traf es die Marina de La Paz: 35 Motor- und Segeljachten gesunken oder an den Felsen zerschellt. Überall sah man Masten aus dem Wasser ragen, innerhalb und ausserhalb der Marina.

Wie konnte das passieren? In der benachbarten Marina Don Jose rissen sich Schiffe los und trieben in die Stege der "Marina de La Paz". Diese rissen Pfosten der Stege los und die treibenden Schiffe versenkten sich gegenseitig, zumal auch die Windrichtung ungünstig war und sich hohe Wellen aufbauen konnten.

Das Ganze hört sich natürlich so an, als ob davon abzuraten sei, nach La Paz zu reisen. Das möchte ich natürlich damit nicht gesagt haben. La Paz hat nach wie vor seine Reize und Schönheiten, die einen Aufenthalt jederzeit rechtfertigen. Aber man sollte auf jeden Fall in seine Planungen einbeziehen, dass - nach den jüngsten Erfahrungen - von Juli bis fast November mit Hurrikanen in dieser Region zu rechnen ist.

Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass eine globale Klimaänderung in vollem Gange ist. Experten haben jüngst prophezeit, dass extreme Wetterlagen, die vorher den "El-Niño-Jahren" in die Schuhe geschoben wurden, jetzt alle zwei Jahre zu erwarten sind. Ich bin da noch etwas vorsichtiger geworden und richte mich schon in diesem Sommer auf neue Überraschungen ein. Seit mehr als einem halben Jahr haben wir mindestens doppelt so viel Bewölkung wie in den Jahren zuvor; kaum vergehen mal zwei Tage in der nicht die jetzt typische Streifenbewölkung auftritt. Die relative Luftfeuchtigkeit ist stark angestiegen und damit auch der spezifische Energiegehalt der Atmosphäre.

Als Fazit kann allen "TO-Seglern" empfohlen werden, die einen Aufenthalt in den Sommermonaten planen, sie sollten sich beizeiten einen Platz in der Marina Palmira reservieren. Dort war nichts passiert, sie ist mit der vorgelagerten Mauer und ihrer Lage am Fuß eines Hügels wesentlich geschützter und sicher. Oder aber raus mit dem Boot ins Trockendock bei Bercovich, das ist das am besten geschützte Trockendock. Auch der Preis ist niedrig und mit meiner Vermittlung können auch noch Sonderpreise ausgehandelt werden. Nachteil: Das Dock ist leider weit abgelegen.

Gleich neben Bercovich ist eine neue riesige Marina im Bau, Costa Baja heisst sie. Diese scheint aber mehr für Millionärsjachten gedacht zu sein, nicht unbedingt für "TO-Selbst-ist-der-Mann-Segler". Die Fertigstellung dieser Marina wird wohl noch ein bis zwei Jahre dauern.