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letzter Beitrag 16.06.20 um 08:33 von  wijosef
Motortausch auf Najad 360
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schoenleiter
Leichtmatrose
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Posts:2


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14.06.20 um 09:27

    Hallo zusammen,

    wir wären sehr dankbar für Entscheidungsunterstützung im unten geschilderten Fall in Sachen Motortausch.

    Wir rüsten derzeit unsere Najad 360 (Gewicht 9t) für eine 2-jährige Atlantikrunde (Kapverden, Brasilien, Karibik und zurück) aus. Da steht leider auch ein Tausch des Motors (derzeit Volvo Penta 2003 TB, 43 PS mit Wendegetriebe) aufgrund der sich derzeitig häufenden Probleme auf der Agenda.

    Der aktuell empfohlene Austauschmotor ist der VP D2-50. Dieser Motor ist mindestens 50 Kilo schwerer und auch in den Abmaßen größer als der bisherige. Deswegen stehe ich dem Einbau dieses Motors angesichts der jetzt schon sehr beengten Platzverhältnisse im Motorraum kritisch gegenüber. Der vorher von VP empfohlene und leider nur bis 2016 gebaute Motor D2-40 wäre eine Alternative gewesen. Genauso wie ein Dreizylinder 3JH5-E (39 PS) von Yanmar. Weitere Möglichkeiten, obwohl wegen der Ersatzteilverfügbarkeit unklar, wären nach erster Analyse noch ein Vetus M4.45 (45 PS). Nanni oder Solé scheiden wegen der Ersatzteilverfügbarkeit offenbar auch aus.

    Was müssen wir aus Ihrer Sicht unbedingt bei der Entscheidung berücksichtigen, um einen guten Kompromiss aus Minimierung von Umbauten, Leistung, Laufeigenschaften, Gewicht sowie Ersatzteilversorgung zu realisieren ?

    Herzliche Grüße aus Berlin und danke im voraus

    Frank Schönleiter

    wijosef
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    14.06.20 um 14:43
    Servus Frank.
    Das mit Deiner Motorennamenauflistung ist ja ganz nett, aber das sind alles nur schöne Namen.
    Kein Dieselmotor wird für Boote entwickelt oder gar gebaut.
    Volvo Marine hat lange mit Mitsubishi zusammen gearbeitet.
    Yanmar hat eigene Diesel aus der Kleintraktorenfertigung.
    Die anderen Anbieter arbeiten mit wechselnden Motorenherstellern zusammen. Diese Motoren werden dann mehr oder weniger gut marinisiert.
    Das mit der Ersatzteilversorgung wird eher überbewertet.
    Ich weiß über was ich schreibe.Für meinen BMW- Motor gibt es nur noch einen Händler weltweit. Er hat alle Altbestände aufgekauft, nachdem BMW die Produktion eingestellt hat.
    Du solltest nur wissen, welchen Hersteller der marinisierte Rumpfmotor hat. Dann bekommst du diese Teile im jeweiligen Autohaus.
    Bei den Teilen, die der Marinisierer aber zugekauft, oder gar anfertigen ließ, wie Wärmetauscher, wird es etwas schwieriger. Diese Teile halten jedoch viele Jahre. Denn die Marinisierer haben eine große Erfahrung, was hält und was nicht.
    Impellerpumpen und Impeller sind Standart und fast überall erhältlich.
    Alle Geber für die jeweiligen Anzeigegeräte (Öltemperatur Öldruck usw.) haben mit den Motor nichts zu tun und sind bei den Herstellern der jeweiligen Anzeigegeräte erhältlich.
    Nun zum Thema, der Motor:
    Es sollte ein Direkteinspritzer sein, Vorkammermotoren (soweit ich weiß bauen die nur noch die Chinesen) sind zwar wegen der geringeren Kompression sehr haltbar aber die Technik ist von gestern.
    Die Einspritzung muß mechanisch geregelt sein, also keine Steuergeräte.
    Nur so läuft die Maschine weiter, auch ohne Batterie.
    Es muß die Möglichkeit vorhanden sein, eine zweite Lichtmaschine zu montieren.
    Die zweite Lichtmaschine kann auch ein 230 Volt-Generator sein, denn beide passen in die gleiche Halterung oder diese kann mit wenig Aufwand angepasst werden.
    Kein Abgasturbolader, denn so ein glühendes Teil hat in enen geschlossenen Motorraum nichts verloren und über die Folgeprobleme könnte man Bücher schreiben.
    Man kann jeden Dieselmotor kaufen der diese Kriterien erfüllt, denn diese einfache Technik wurde millionenfach gebaut und ausgereift.
    Von amerikanischen und chinesischen Dieselmotoren sollte man jedoch absehen, wenn man auch auf andere Anbieter zurückgreifen kann (persönliche Erfahrung).

    Liebe Grüsse Josef
    Ps. Was kostet es eigentlich Deinen alten Motor bei einen Motorinstandsetzer auf Neuzustand bringen zu lassen, wie man das bei Flugzeugmotoren macht?
    Vorteil: alles passt.




    ArAl
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    14.06.20 um 23:20
    veröffentlicht von wijosef am 14.06.20 um 14:43
    Was kostet es eigentlich Deinen alten Motor bei einen Motorinstandsetzer auf Neuzustand bringen zu lassen, ...?
    Dafür gibt es leider keine eindeutige Meinung.

    Das ist wie bei der Gas- oder Ölheizung zuhause:
    Fragt man die Werkstatt, die nicht viel in Stand setzt, ist der Austausch des Motors sinnvoller.
    Fragt man den Experten für Motoreninstandsetzung, ist die Reparatur des Motors sinnvoll.

    Es kommt eben darauf an, wen man am Boot hat, oder ob man den Motor selbst ausbaut und zum Motorexperten bringen kann.
    schoenleiter
    Leichtmatrose
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    15.06.20 um 21:31

    Guten Abend Josef, guten Abend Skipper,

    erstmal herzlichen Dank für eure Zuschriften.

    Ich muss zugeben, ich hatte die Motorüberholung als Option verdrängt hatte. Erschwerend kommt dabei bei mir natürlich noch dazu, dass ich wohl den Abgasturbolader auch noch ersetzen müßte. Ich werde dazu in dieser Woche einmal zu diesem Thema mit Baguhn in HH vorsprechen, was die bzgl. des Kostenrahmens für eine Überholung angeben.

    Herzliche Grüße aus Berlin

    Frank

    wijosef
    Skipper
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    15.06.20 um 23:38
    Lieber Frank.
    Wenn Du den Lader ersetzen musst, vergiss die Sache mit der Motorinstandsetzung.
    Zwar wird der Ölkreislauf gespült. Aber wenn sich der Lader gefressen hat, besteht immer das Risiko, dass nicht alle Späne ausgespült werden.
    Beim 1,6 Fiat Diesel sagt man, der zweite Lader geht nach 25000 km und der dritte nach 10000 km. Um nur ein Beispiel anzuführen.
    Um es klar zu stellen, ich bin kein Gegner des Turbos.
    Und ich würde mir nie einen PKW ohne Lader kaufen. Doch auf Booten ist das Leistungsgewicht kein Argument.
    Der Lader ist für offene Motorräume konzipiert und nicht für geschlossene, wie auf Segelbooten. Dort geht das immer schief.
    Such Dir einen neuen Motor ohne Lader oder besser einen alten, erfahrenen Meister, der den Motor und das Getriebe aufgrund seiner Erfahrung aussucht.
    Einbauen kann das Ding auch ein lokaler Mechaniker.
    Um das Laderproblem auf Booten mal anschaulich zu machen:
    In so einen Lader sind zwei Lufträder starr durch eine Welle verbunden.
    So ein Luftrad sieht so ähnlich aus, wie diese Kinderwindräder auf dem Jahrmarkt.
    Auf das eine Windrad wird ab einer bestimmten Drehzahl das Abgas geblasen, weil das Motorsteuergerät eine Klappe öffnet.
    Bei unzureichender Kühlung bringt das heiße Abgas das abgassseitige Graugußgehäuse mit dem Windrad zum Glühen.
    Das zweite Windrad komprimieirt die Ansaugluft.
    Das Problem ist die Welle, mit der beide Windräder miteinander verbunden sind.
    Diese Welle läuft in einem Gleitlager mit Öldruckschmierung.
    Wird das Öl zu heiß, dann verkokelt es und durch die dadurch entstehenden Ablagerungen verschließt sich über die Zeit der Ölkanal.
    Der Schmierfilm bricht zusammen und der Lader frisst sich.
    Aus diesem Grund lässt man auch den Motor beim PKW oder auch beim Flugzeug noch ein bisschen im Stand laufen, so dass sich der Lader abkühlen kann und keine Rückstände entstehen.
    Liebe Grüße Josef



    wijosef
    Skipper
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    16.06.20 um 08:33
    Sorry der Diesel ist nicht von Fiat, sondern von Peugeot.


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