Ein hervorragender vierter Platz und strahlende Gesichter beim Team Wilson Around the World. Die Österreicherin Lisa Berger und der Waliser Jade Edwards-Learney haben die herausfordernde vierte Etappe der Globe40 mit der Durchquerung des Pazifiks von West nach Ost in 27 Tagen, 11 Stunden überragend gemeistert. Nach 6.922,5 gesegelten Seemeilen erreichten sie nur drei Stunden nach dem Drittplatzierten Team Barco Brasil das Ziel in Valparaíso (Chile) und setzten sich gegen die Verfolger Jangada Racing (Großbritannien) und Whiskey Jack (Kanada) durch.
Für die beiden TO-Mitglieder war es eine anstrengende, aber auch sehr erfolgreiche Etappe. Nach dem Start am 01. Januar 2026 in Sydney (Australien) setzten sie als einziges Boot auf eine Offshore-Route, während das Feld zunächst der australischen Küste folgte. Dadurch führten sie das Ranking in den ersten 24 Stunden an, ehe das Feld wieder zusammenrückte und die favorisierten Teams Belgium Ocean Racing und Crédit Mutuel die Führung übernahmen.

Auch auf der vierten Etappe darf der TO-Stander bei Team Wilson Around the World nicht fehlen. © Lisa Berger Sailing
Auf der Route ging es von Sydney südlich um Neuseeland und dann entlang des 50. Breitengrades, fernab bewohnter Inseln. Die Teams passierten dabei auch den wohl abgelegensten Ort der Welt: Point Nemo. Die Insel ist unbewohnt und wird von Wissenschaftlern auch als „maritimer Pol der Unzugänglichkeit“ bezeichnet. Im Umkreis von 2.600 Seemeilen gibt es kein Land und keine Menschen, dafür Stürme, hohe Wellen und unwirkliche Bedingungen. Für die Segler:innen birgt das auch eine psychologische Herausforderung, denn was ist, wenn hier etwas passiert?
In der Nacht zum 11. Januar erlebte das Team von Wilson Around the World einen jener Momente, die Offshore-Segler niemals vergessen. Ein neues, beunruhigendes Geräusch riss die Crew aus der Routine. Ein Blick zum Mast brachte die Erkenntnis: Eine der Wanten, die den Mast im oberen Bereich auf der Leeseite stabilisieren, schlug unkontrolliert frei im Wind. Ein Bruch war zunächst die schlimmste Befürchtung von Lisa und Jade und hätte das das sofortige Ende für das Team Wilson bedeutet.
Sofort passten sie ihren Kurs an und wechselten in den Sicherheitsmodus mit dem Ziel bei leichteren Winden den Schaden zu beheben. Doch schnell kristallisierte sich heraus, dass Warten keine Option war und der Schaden zügig behoben werden musste, um größere Auswirkungen zu verhindern. Nach einer kurzen Risikoanalyse legten sie Wilson vor den Wind und Jade stieg mitten in der Nacht unter extremen Bedingungen hoch in den Mast. Mit viel Kraft, Konzentration und bestimmt auch einigen blauen Fleckengelang es ihm tatsächlich das Problem zu beheben und das Vorstag wieder ordnungsgemäß zu befestigen.
„Das war natürlich auch für uns beide ein Adrenalinkick. Er war etwa 10 Minuten lang oben und hat das Vorstag erfolgreich wieder festgeschraubt “, kommentierte Lisa diese Phase. Jade ergänzte: „Ich bin mir sehr bewusst, dass sich solche Szenarien auf See sehr schnell verschlimmern und zu anderen Problemen führen können, wenn sie nicht in Echtzeit angegangen werden. Im besten Fall lässt sich das Problem natürlich vorhersagen und lösen, bevor es auftritt.”
Die Erleichterung an Bord der Wilson war danach riesig. Kein Bruch, kein Abbruch – die Reise auf der ältesten Class40 im Feld konnte weitergehen. Trotz auftretender Stürme, hoher Wellen und eines Knockdowns ging es danach bis ins Ziel ohne weitere große Zwischenfälle. Im Endspurt und bei wenig Wind wurde ihr Durchhaltevermögen mit unvergesslichen Begegnungen mit Walen und Seelöwen belohnt. Die Küste war nicht mehr weit, die Strapazen überstanden.

Auf Wilson vorbei am Point Nemo. © Lisa Berger Sailing
Die Leistung der beiden kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Sie segeln nicht nur das älteste Boot im Feld, sondern sie machen alles selbst. So bedeuten die Stopps in den Etappenhäfen auch immer viel Arbeit mit Reparaturen und Bootchecks und nur wenig Zeit für die Erholung. Als perfekt abgestimmte Crew segeln sie komplett die Regatta durch, während zum Beispiel die beiden führenden Teams in Sydney ihre Crews nochmal mindestens zur Hälfte durchgetauscht haben.
Auch auf der vierten Etappe haben die Teams Belgium Ocean Racing und Credit Mutuel ihre Favoritenstellung behauptet und sich gegenseitig nichts geschenkt. Der Zieleinlauf beider Teams war so knapp, dass die Entscheidung erst nach einer Analyse aller Daten getroffen werden konnte. Beide Teams wurden punktgleich als Gewinner dieser schwierigen Etappe eingestuft. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 19,16 Knoten und einer Distanz von 459,78 Seemeilen innerhalb von 24 Stunden sicherte sich aber die Crew aus Belgien mit dem französischen Skipper Benoit Hantzsperg und Djermila Tassin einen neuen 24-Stunden-Distanzrekord.
Die nächste Etappe mit der Umrundung von Kap Hoorn startet am 18. Februar 2026 in Valparaíso und geht über rund 4.800 Seemeilen nach Recife (Brasilien). Hier werden auch Melwin Fink und Lennart Burke wieder erwartet. Nach dem Mastschaden wird ihre Class 40 derzeit auf La Réunion repariert und dann über Kapstadt nach Recife überführt. Zum Start der sechsten Etappe wollen sie wieder dabei sein, und zeigen, dass auch weiterhin mit ihnen zu rechnen ist.
Kirsten Kurze