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Unterwegs im TO: Spontane Begegnungen und Verbundenheit auf Langfahrt


 

Unterwegs im TO: Spontane Begegnungen und Verbundenheit auf Langfahrt

11. Februar 2026
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Gegen Abend wird es ruhiger in der Bucht von Le Marin. Die Sonne steht tief, das Licht wird weich, im Ankerfeld kehrt dieser Moment ein, in dem man nichts mehr vorhat. Torsten liegt hier vor Anker. Er segelt einhand und lebt seit Anfang 2024 dauerhaft auf seinem Boot. Er arbeitet von hier aus, sein Büro ist das Cockpit, sein Alltag richtet sich nach Wind und Wetter. Zuletzt lag er lange vor den Kanaren, jetzt ist er in der Karibik unterwegs.

An diesem Abend kommen Beiboote längsseits an die Neo. Menschen steigen an Bord, setzen sich dazu, kommen ins Gespräch. Es ist bereits das zweite Mal, dass Torsten in dieser Bucht andere Segler auf sein Boot einlädt. Manche kennen sich aus den Chatgruppen, andere sehen sich an diesem Tag zum ersten Mal. Eine Vorstellung braucht es nicht. Gespräche entstehen von selbst – über das Boot, über Dinge, die gerade anstehen, über Entscheidungen, die man unterwegs trifft.

„Als Einhandsegler bin ich zwar allein unterwegs, ich fühle mich aber nicht einsam“, sagt Torsten. „Ich habe gerne Kontakt zu anderen Menschen. Mich interessieren ihre Geschichten – und als Segler haben wir immer gemeinsame Themen.“ Der Anlass für das erste Treffen auf der NEO vor rund zwei Wochen war unspektakulär. In einer der TO-WhatsApp-Gruppen kam die Frage nach einem Zusammensitzen auf. Mehrere Boote lagen in Martinique, ein konkreter Treffpunkt fand sich nicht. Also bot Torsten kurzerhand sein Boot an. Denn Platz ist auf seinem Katamaran reichlich vorhanden.

Am heutigen Abend sind es drei Crews, die vorbeischauen. Beim ersten Mal waren es sogar dreizehn Gäste. Keinen davon hatte Torsten zuvor persönlich getroffen. Dass das funktioniert, überrascht ihn aber nicht. Für ihn gehört diese Form der Geselligkeit ganz selbstverständlich zum Unterwegssein auf See dazu.

 


Der Katamaran Neo (linkes Foto) von Torsten  bietet im Cockpit viel Platz für Treffen mit anderen Seglern. Der Einladung von Torsten (rechtes Foto, Mitte vorne) zu einem zweiten Treffen folgten sechs Segler: Tobi, Martin, Sarah, Nadine, Thomas und Petra (v.l.n.re.).

 

„Durch den TO entsteht ein zusätzlicher Zusammenhalt. Man hilft sich gegenseitig und redet gerne miteinander. Die Chatgruppen machen zudem vieles einfacher, die Schwarmintelligenz ist sehr hilfreich“, erklärt er. Denn das, was am Abend besprochen wird, setzt sich fort. Man trifft sich wieder – in den nächsten Tagen oder in der nächsten Ankerbucht. Zum Kaffee oder zum gemeinsamen Abtauchen des Unterwasserschiffs, weil man am Vorabend über Antifouling gesprochen hat.

Auch Petra und Martin liegen mit ihrer Segelyacht Dalimito in Martinique vor Anker. Sie nehmen die Einladung über via Chat spontan an. „Die WhatsApp-Gruppen sind sehr wertvoll für uns. So entstehen schnell Kontakte. Der Austausch und die Hilfsbereitschaft sind unterwegs enorm hilfreich“, betonen die beiden. Unterwegs gewinne diese Form der Gemeinschaft an Bedeutung.

Die Segelgemeinschaft ersetzt Familie und Freunde, die zu Hause sind. Auf Langfahrt begegnet man sich im Ankerfeld, fährt sich mit Beiboot besuchen, bleibt dank Chatgruppen in Kontakt. Oft auch über Wochen hinweg, wenn mehrere Boote ähnliche Routen segeln. Geselligkeit entsteht dabei nicht geplant, sondern durch die Verbundenheit auf See.

Der erste Abend auf der Neo verging schnell. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Also lud Torsten erneut ein – wieder in derselben Bucht. Beim zweiten Treffen sind nun manche Gesichter vertraut, andere neu. Nadine und Thomas von der Stella Rossa sind bei beiden Treffen dabei. „Es war mutig von Torsten, ein Treffen auf seinem Boot anzubieten, ohne zu wissen, wie viele kommen“, sagen sie. „Aber genau das hat es ausgemacht.“

Auch Gast Ralf beschreibt den Abend später knapp: unkompliziert, spontan, typisch TO.

Für Torsten ist klar, dass es nicht das letzte Zusammensitzen auf der Neo gewesen ist. „Hier sind viele Boote unterwegs. Die Chance, andere TO-Segler zu treffen, ist groß. Und wenn man Platz hat – warum nicht?“ Verbundenheit und Geselligkeit auf Langfahrt entstehen nicht durch große Gesten. Sie wachsen, wenn jemand sein Cockpit öffnet. Wenn Beiboote längsseits kommen. Wenn man sich dazusetzt, zuhört – und sich wiedertrifft. 

Viele dieser Begegnungen entstehen unterwegs ganz selbstverständlich – über den Austausch und die Vernetzung von Seglerinnen und Seglern im Trans-Ocean. Wer sich auf See verbunden fühlen möchte, findet hier eine Gemeinschaft, die trägt. Aber auch an Land finden regelmäßig Treffen Form der TO-Treffpunkte statt, bei denen die Mitglieder zum ganz realen, regionalen Erfahrungsaustausch zusammenkommen. Alle Informationen zur Mitgliedschaft im TO sind hier zu finden.

Jules Tolomello


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