Wie klar ist eigentlich klar, wenn es ums Einklarieren in den karibischen U.S.-Territorien geht? Wer sich im Vorfeld einer Reise nach Puerto Rico oder in die U.S. Virgin Islands informiert, stößt schnell auf widersprüchliche Aussagen. Darf man mit ESTA einreisen? Reicht die App? Muss man persönlich erscheinen? Und was gilt beim Revierwechsel zwischen den Inseln?
Die Trans-Ocean-Mitglieder Anke und Martin Birkhoff wollten es genau wissen. Statt sich auf Gerüchte zu verlassen, haben sie bei der U.S. Customs and Border Protection (CBP) recherchiert, persönliche Gespräche geführt und ihre eigenen Erfahrungen systematisch dokumentiert. Herausgekommen ist ein ausführliches Handout.
Besonders deutlich werden sie beim Thema ESTA. In ihrem Handout heißt es unmissverständlich: „Bitte nicht darauf verlassen, dass man mit einem normalen ESTA-Touristenvisum, wie man es für die Einreise mit dem Flugzeug oder der Fähre benutzen kann, auf einer Yacht in die USA einreisen kann.“ Theoretisch könne man es versuchen, schreiben sie weiter – praktisch führe es „in der Regel zu einigem Ärger und einem happigen Bußgeld“. Als konkretes Beispiel nennen sie den Fall eines britischen Seglers, der in Ponce (Puerto Rico) mit ESTA einklarieren wollte. Das Ergebnis: 650 USD Strafgebühr pro Person an Bord und eine deutlich eingeschränkte Aufenthaltsgenehmigung.
Ihre klare Empfehlung lautet daher: „In jedem Fall erst B1/B2 Visa beschaffen und dann einreisen.“ Das B1/B2-Visum kostet derzeit 185 USD (Stand 31.01.2026), ist zehn Jahre gültig und erlaubt Aufenthalte von bis zu 180 Tagen pro Jahr. Die Beantragung kann zwar zeitaufwendig sein – doch aus Sicht der Birkhoffs ist sie alternativlos, wenn man mit dem eigenen Boot einreisen möchte.
Auch bei der digitalen Einklarierung geben sie konkrete, praxisnahe Hinweise. Zwei Apps sind erforderlich: Authy zur Authentifizierung und die CBP ROAM App (Android & iOS) für die eigentliche Meldung. Besonders wichtig sei der richtige Zeitpunkt: „Die digitale Einklarierung mittels CBP-Roam-App erst vornehmen, wenn man im Einklarierungshafen angekommen ist und fest vor Anker oder an der Pier liegt.“
Der Hintergrund: Die Behörden reagieren unter Umständen sehr schnell. In Ponce kann es innerhalb weniger Minuten zu einem Video-Call kommen. Reisepässe und Visa sollten dann griffbereit sein. In den U.S. Virgin Islands ist derzeit zusätzlich ein persönliches Erscheinen im Customs-/Immigration-Office erforderlich.
Ein weiteres Detail aus ihrem Handout zeigt, wie sehr sich Gerüchte von der Praxis unterscheiden können: „Nicht irritieren lassen, wenn man eine Info erhält, eine deutsche (die angegebene Telefonnummer) könnten die US-Behörden nicht kontaktieren. Das trifft nicht zu. Sie können es! Und sie machen es auch!“
Neben der eigentlichen Einreise empfehlen die beiden ausdrücklich, direkt eine Cruising License zu beantragen. Wird sie im Zuge der Einklarierung ausgestellt, ist sie kostenfrei – später werden 25 USD erhoben. Sie gilt in der Regel ein Jahr und für alle U.S.-Territorie. Das ist ein großer Vorteil bei Revierwechseln.
Auch hier zeigen ihre Recherchen, dass nicht alles überall gleich gehandhabt wird. In ihrem Dokument heißt es: „Die einzelnen U.S.-Territorien handhaben die Prozesse nicht unbedingt gleich, und oft weiß die Behörde in A nicht, wie es die Behörde in B handhabt.“ Genau deshalb haben sie ihre Erfahrungen strukturiert zusammengefasst – von den Ports of Entry in Puerto Rico über Meldepflichten beim Bezirkswechsel bis hin zur Ausreise in die British Virgin Islands.
Ihr Fazit ist klar: Wer sich ausschließlich auf Hörensagen verlässt, riskiert Ärger. Wer dagegen mit gültigem B1/B2-Visum einreist, die Apps im Vorfeld installiert hat und die Meldepflichten kennt, kann die Formalitäten ruhig und strukturiert abwickeln – und sich danach ganz auf das Segeln zwischen Puerto Rico und den U.S. Virgin Islands konzentrieren.
Jules Tolomello