Nach zwei Weltumsegelungen, eineinhalb davon nonstop, hat Susanne Huber-Curphey auf ihrer Nehaj wieder in Europa – auf den Azoren – festgemacht. Die Ausnahmeseglerin war im Juli 2024 von den Azoren zur La Longue Route auf den Spuren Bernard Moitessier gestartet und erreichte am 18. April 2025 nach 33.532 Seemeilen und 270 Tagen Neuseeland.
Nach einem Abstecher nach Tonga kehrte sie nach Neuseeland zurück, wurde in ihrer Zeit in Whangarei mit dem Trans-Ocean Preis ausgezeichnet und bereitete Nehaj in der Marsden Cove Boatyard mit einem neuen Antifouling auf den Rückweg nach Europa vor. Am 19. Dezember 2025 klarierte sie aus mit Richtung Kap Hoorn.

Susanne Huber-Curphey bei der Ankunft auf den Azoren, Foto: Thorsten Behring
Susanne gehört zu den sturmerprobtesten Seglerinnen der Welt, aber nicht, weil sie den Nervenkitzel sucht, sondern weil sie den Stürmen auf ihren langen Touren nicht ausweichen kann. Der angekündigte Sturm vor Kap Hoorn, mit in der Spitze 65 Knoten Wind, sorgte deshalb für eine Kursänderung. Susanne entschied sich spontan für einen einwöchigen Zwischenstopp in Puerto Williams (Chile), ehe sie den Weg durch den Beagle Kanal und in Richtung Norden antrat. Viel Wind von vorne, Stürme und Squalls sorgten immer wieder für Kursanpassungen, aber für Susanne ist das kein Grund schlechte Laune zu bekommen. Lediglich auf Temperaturen um 40 Grad vor Brasilien hätte sie wohl gut verzichten können.
„Der Zustand von Susanne und Nehaj sind beeindruckend. Beide sind top fit. Hier sind Mensch und Maschine eine perfekte Symbiose eingegangen. Beide haben einen harten, Jahrzehnte andauernden Optimierungsprozess durchlaufen der solche seglerischen Leistungen irritierend leicht erscheinen lassen“, fasst Thorsten Behring zusammen. Er hat sich mit seiner Frau Gabi vor fünf Jahren auf Faial (Azoren) niedergelassen. Beide sind eng mit Susanne befreundet und haben sie gebührend in Horta mit frischem Obst in Empfang genommen. Auf die Frage nach dem schönsten Erlebnis der letzten zwei Jahre antwortetet Susanne in Horta bescheiden: "Das ich noch bei Tageslicht heute angekommen bin."

Susanne Huber-Curphey hängt im Hafen von Horta die Fender auf ihrer Nehaj raus, Foto:Thorsten Behring
„Praktizierte Freiheit. Unterschätzt und unterbewertet“, fasst Thorsten nochmal zusammen. „Angenehm beruhigender Gedanke, dass solche Reisen von einer Privatperson ohne lautes Sponsoring durchgeführt werden. Bescheidenheit und Fokussierung können da hilfreich sein. Vermutlich geht Susanne morgen ins Schwimmbad von Horta. Zieht ein paar Bahnen. Geht unter die Dusche. Lässt das Wasser etwas länger laufen. Man gönnt sich ja sonst nichts. So geht Leben.“
Vielleicht begießen sie auch gemeinsam die nächste Auszeichnung von Susanne. Am 14. April 2026 wurde sie vom Ocean Cruising Club (OCC) zum zweiten Mal mit dem Barton Cup, der höchsten Auszeichnung des OCC, für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet.
Kirsten Kurze