Mit Rang vier in der Gesamtwertung belegten Chris Kerl und Nicolas Manthos beim Med Channel Race nach 6 Tagen und 34 Minuten einen hervorragenden Platz und bewiesen damit, dass die Aquamarin, eine Pogo S3, auch gegen neuere Designs absolut konkurrenzfähig ist. Die Zweihand-Regatta für die Class 40 ist im Mittelmeer eine Mischung aus Küsten- und Hochseeregatta mit meist sehr unterschiedlichen Wetterbedingungen, so auch in diesem Jahr. Die Strecke über 1.000 Seemeilen führt von Marseille, vorbei an Porquerolles, durch die berüchtigte Straße von Bonifacio, südlich um Sardinien, weiter um Menorca und schließlich zurück zum Ziel vor Marseille.
Die ersten 48 Stunden waren geprägt von hartem Am-Wind-Segeln bei 10 bis 20 Knoten Wind. Eine steile, kurze Mittelmeerwelle machte das Leben an Bord extrem ungemütlich. Sportlich verlief es jedoch an Bord der Aquamarin hervorragend: Chris und Nicolas konnten sich durch präzises Aussegeln der Winddreher und perfekt getimte Wenden souverän in der Spitzengruppe behaupten.

Die Anfahrt auf die Straße von Bonifacio wurde dann zur taktischen Geduldsprobe. Nach einer totalen Flaute folgte ein kurzes, zweistündiges Intermezzo unter Spinnaker, bevor der Wind erneut einschlief. Während die vier führenden Boote, darunter die Aquamarin, in der Flaute parkten, zog das restliche Feld unter Land mit thermischen Brisen an ihnen vorbei.
Doch die beiden ließen sich nicht entmutigen und kämpften sich mit einem langen Upwind-Schlag entlang der Westküste Sardiniens zurück. Auf dem Kurs Richtung Menorca zeigte sich das Wetter kapriziös – die Vorhersagen trafen kaum ein, weshalb die Strategie von Chris und Nicolas nicht voll auf ging und sie als viertes Boot Menorca passierten.
„Ab hier verwandelte sich das Rennen in ein 250 Seemeilen langes „Drag Race“ zurück nach Marseille“, fasst Nicolas zusammen. „Auf dem letzten Teilstück ging es rein um den Boat-Speed.“ Die Top 3 waren bereits außer Reichweite, doch von hinten drückten die Verfolger auf den Plätzen 5 und 6. Obwohl diese über theoretisch schnellere, modernere Boote verfügten, konnten die beiden ihre Position durch konsequente Trimm-Arbeit erfolgreich verteidigen. Der Zieleinlauf war an Dramatik kaum zu überbieten: Die Class 40 Nummer 155 saugte sich bis auf 0,4 Seemeilen heran. Doch mit vollem Einsatz retteten die beiden einen Vorsprung von gerade einmal 2 Minuten über die Linie.

Insgesamt sieben Boote hatten gute Siegchancen, sechs Boote erreichten das Ziel innerhalb von nur 1,5 Stunden. Durchsetzen konnte sich am Ende der Lokalmatador aus Marseille auf Phare40 vor dem Schweizer Team auf Stella Nova.
„Wir sind glücklich, dass wir vorne mithalten konnten und ein herzliches Dankeschön geht an den Trans-Ocean e.V. für die großartige Unterstützung – wir freuen uns darauf, die Flagge auch bei den nächsten Herausforderungen stolz zu präsentieren“, lautet das Fazit von Nicolas nach dem Zieleinlauf.
Kirsten Kurze