Zwischen zerklüfteten Felsen, tief eingeschnittenen Fjorden und geschützten Naturhäfen liegt ein Revier, das viele Segler lange auf ihrer Liste haben. Südnorwegen ist kein Revier für „mal eben durchsegeln“. Es ist eines, das entdeckt werden will. Mit wachem Blick, guter Vorbereitung – und im besten Fall mit einem Ansprechpartner vor Ort, der weiß, wie die Dinge hier funktionieren.

Malerisch fügt sich die Heimkehr, das Schiff von Marlene und Bert Frisch, in die Hafenkulisse im Revier Südnorwegen.
Seit 2020 gibt es in Südnorwegen einen offiziellen Stützpunkt vom Trans-Ocean. Entstanden ist er aus echter Leidenschaft für den Wassersport – und aus der Erfahrung heraus, dass Hilfe unter Seglern oft genau dann gebraucht wird, wenn man sie am wenigsten erwartet. Der heutige Stützpunktleiter Jürgen Wulf war schon lange zuvor eine Art inoffizielle Anlaufstelle für deutsche Segler. „Eigentlich habe ich schon vorher hier und da deutschen Seglern bei Problemen geholfen“, erzählt er. Als dann die Anfrage von Trans-Ocean kam, ob er TO-Stützpunkt in Südnorwegen werden will, war für ihn schnell klar: Das mache ich. Segler und Bootfreunde seien „richtig nette Menschen“, und ihnen zu helfen mache nicht nur Spaß, sondern gebe ihm auch stets viel zurück.
Seinen Stützpunkt in Lindesnes beschreibt er als „klein, fein und immer erreichbar“. Und genau das scheint den Kern zu treffen: keine große Organisation im Hintergrund, sondern jemand, der ans Telefon geht, Lösungen findet und – wenn es darauf ankommt – auch selbst losfährt. So wie in Farsund, als ein Segler wegen einer streikenden Kreditkarte im Hafen festsaß und kurzerhand „ausgelöst“ werden musste.
Das Revier selbst ist dabei alles andere als gewöhnlich. Es lebt von seiner Vielfalt und verändert sich mit jedem Schlag. „Ganz eindeutig die Schären- und Fjordlandschaft“, sagt Stützpunktleiter Wulf. Langeweile komme hier nicht auf, die Natur ändere sich mit jeder Kursänderung. Geschützte Ankerplätze in Fjorden, kleine Inseln zum Übernachten, Grillen und Verweilen – Südnorwegen bietet eine Mischung aus Ursprünglichkeit und Erlebnis, die man so kaum ein zweites Mal findet. Doch genau diese Schönheit verlange auch Aufmerksamkeit, betont Jürgen Wulf.

Marlene Frisch (rechts) im Gespräch mit TO-Stützpunktleiter Jürgen Wulf – aufgenommen auf der Fähre Richtung Dänemark. Das Revier Südnorwegen ist geprägt von Felsen, tief eingeschnittenen Fjorden und geschützten Naturhäfen.
Viele würden vor allem zwei Dinge unterschätzen: Untiefen und Wetter. Nicht alle Untiefen sind in den Karten verzeichnet, und das kann schnell gefährlich werden. Gleichzeitig können Wetterwechsel hier sehr plötzlich auftreten; insbesondere Nebel zieht oft überraschend schnell auf. Hinzu kommt die anspruchsvolle Navigation entlang der komplexen Küstenlinie mit ihren Schären und Fjorden, die eine sorgfältige Vorbereitung, aktuelle Karten und ein gutes Verständnis der Bedingungen erfordert.
Typische Fehler von Revierneulingen sieht der Stützpunktleiter immer wieder: Die Strömung beim Ankern wird unterschätzt und es wird unbedacht ins Wasser gesprungen, ohne die Tiefe zu prüfen – trotz der Felsen unter der Wasseroberfläche. Oder es werden Fjorde angelaufen, ohne auf Durchfahrtshöhen wie Brücken oder Stromleitungen zu achten. Dinge, die harmlos erscheinen, aber schnell kritisch werden können. In genau solchen Situationen wird der TO-Stützpunkt zur wichtigen Anlaufstelle. Die Anfragen bei Jürgen Wulf reichen von Ersatzteilbeschaffung über Werftkontakte und Liegeplätze bis hin zu Behörden- und Zollfragen.
„Angelaufen wird der TO-Stützpunkt seltener. „Ich fahre meistens in den jeweiligen Hafen, wenn ich vor Ort helfen muss“, erzählt Wulf. Die Segler, die bei ihm Unterstützung suchen, sind sowohl auf Urlaubsreisen als auch auf Langfahrt unterwegs. „Vielfältig, nette Menschen, auch teils mit großen Erfahrungen – und man spürt einen gewissen Zusammenhalt. Das ist klasse“, beschreibt er seine Eindrücke.

Das Revier Südnorwegen begeistert mit rauen Küsten, spektakulären Ausblicken und markanten Orten wie dem Leuchtturm Lindesnes Fyr, Norwegens südlichstem Leuchtturm. Bert Frisch (rechts) gemeinsam mit TO-Stützpunktleiter Jürgen Wulf in der Marina von Båly/Spangereid in Norwegen.
Warum also sollte man Südnorwegen anlaufen?
Die Antwort ist so einfach wie überzeugend: wegen der Natur und der Abwechslung. „Langweilig wird es hier nicht“, sagt der Stützpunktleiter. Die Kombination aus Schärenlandschaft, Bergen, Wasser und Licht macht dieses Revier einzigartig – und überraschend oft auch sonnig. Wer einmal hier war, versteht schnell, warum viele länger bleiben als geplant. „Von April bis September ist jeder Monat schön, vor allem zum Segeln“, ergänzt Jürgen Wulf.
Ein persönlicher Tipp darf dabei nicht fehlen:
Korshamn. Ein kleiner Ort mit Liegeplätzen, Gästebrücke und viel Charme – und, wie er augenzwinkernd ergänzt, sogar einer Kneipe. Und wenn man all das in einem einzigen Satz zusammenfassen müsste, dann laut TO-Stützpunktleiter Jürgen Wulf vielleicht so: Die Natur mit ihren Menschen und dem Licht.
Jules Tolomello
Steckbrief TO-Stützpunkt
Lindesnes
Standortleiter: Jürgen Wulf
Havsynveien7 4520 Lindesnes / Åvik Norwegen / Süd
Region Nordeuropa
Email: sp.avik@trans-ocean.org
mobil +47-90273371
Die Stützpunktleiter bilden das weltumspannende TO-Netzwerk, das überall Anlaufpunkte bietet, wo Mitglieder des Trans-Ocean auch vor Anker gehen. Hier erhalten sie bei Bedarf Unterstützung und Hilfe, bevor die nächste Etappe ansteht. Eine Übersicht mit allen TO-Stützpunkten inklusive der Adressen und Kontaktdaten gibt es als PDF hier zum Herunterladen.