Mit der Mini en Mai stand Ende Mai die nächste wichtige Einhandregatta der Classe Mini auf dem Programm. Carla Hénon-Steck erreichte mit ihrem Mini nach 3 Tagen, 18 Stunden und 55 Minuten als Elfte der Proto-Wertung das Ziel. Tom Wehde beendete die Regatta nach 3 Tagen, 18 Stunden und 29 Minuten auf Rang 30 der Serienwertung. Die diesjährige Ausgabe stellte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei vor besondere Herausforderungen: Leichtwind, wechselnde Windrichtungen und unsichere Wetterprognosen machten das Rennen zu einer Geduldsprobe.
Der rund 500 Seemeilen lange Kurs entlang der französischen Atlantikküste verlangte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor allem eines ab: Geduld. Es waren Konzentration, Wetterbeobachtung und die Fähigkeit gefragt, auch in langen Schwachwindhasen die richtigen Entscheidungen zu treffen. „Die Bedingungen waren geprägt von sehr wenig Wind und unsicheren Vorhersagen“, beschreibt Tom Wehde die Situation. Gerade diese Mischung habe das Rennen für die Segler mental besonders fordernd.

Carla Hénon-Steck (li.) erreichte bei der Mini en Mai Rang 11 in der Proto-Wertung und sammelte wertvolle Erfahrungen auf ihrem neuen Mini.
Für Carla Hénon-Steck war die Regatta eine weitere wichtige Etappe zur Eingewöhnung auf ihrem vergleichsweise noch neuem Boot. Entsprechend positiv fällt ihr Fazit aus. „Ich bin sehr zufrieden mit mir, da ich das Boot noch nicht lange habe und noch nicht besonders viel darauf gesegelt bin“, berichtet sie nach dem Rennen. Über weite Strecken sei es ihr gelungen, das Potenzial ihres Minis auch bei den schwierigen Leichtwindbedingungen auszuschöpfen und sich im Mittelfeld des Feldes zu behaupten. Besonders zufrieden zeigt sie sich mit ihren taktischen Entscheidungen. Immer wieder habe sie die windreicheren Bereiche gefunden und die richtigen Optionen gewählt. Erst in der letzten Nacht machte sich die Belastung bei ihr bemerkbar. Nach rund 48 Stunden mit nur kurzen Schlafphasen fehlte laut Hénon-Steck die Konzentration, um die ständig wechselnden Bedingungen optimal ausnutzen zu können. Dennoch überwiegt das Positive: „Ich weiß jetzt deutlich besser, wie ich das Boot auch bei sehr wenig Wind schnell bewegen kann.“

In der letzten Nacht kämpfte Tom Wehde (li.) sich vom 43. auf den 30. Rang der Serienwertung nach vorne.
Auch Tom Wehde blickt auf ein Rennen zurück, das vor allem mental fordernd war. Die schwachen und unbeständigen Winde gehörten bislang nicht zu seinen Lieblingsbedingungen – ebenso wenig wie zu den Stärken seines Minis. Zwar kam er gut vom Start weg, verlor jedoch bereits in der ersten Nacht durch eine taktische Entscheidung den Anschluss an die vorderen Plätze. Lange Zeit sei es schwierig gewesen, verlorene Positionen wieder gutzumachen. Umso wichtiger sei es gewesen, den Kontakt zum Feld nicht abreißen zu lassen. Seine Hartnäckigkeit wurde in der letzten Nacht belohnt: Vom 43. Platz arbeitete er sich noch auf Rang 30 nach vorne. Auch wenn das Ergebnis hinter den eigenen Erwartungen blieb, bewies Wehde Durchhaltevermögen und ließ sich von den schwierigen Bedingungen nicht aus dem Rennen nehmen. Bis zum Ziel kämpfte er um jede Position. „Nicht das Ergebnis, auf dem ich mich gerne gesehen hätte, aber immerhin eine kleine Stütze für mein Gewissen“, bilanziert er selbstkritisch.
Für beide Segler geht die Saison nun ohne große Pause weiter. Tom Wehde startet bereits in den kommenden Tagen zu seiner Qualifikation für die Mini Transat - (1000sm nonstop alleine)1000 Seemeilen nonstop bis zu den Azoren. Auch für Carla Hénon-Steck stehen bereits die nächsten Regatten auf dem Programm.
Jules Tolomello