Eigentlich wollte Jannes Llull Mitte Mai bei seiner ersten Solo-Regatta der Saison starten. Doch nur wenige Tage vorher wurde die Veranstaltung abgesagt – den Organisatoren fehlten die vorgeschriebenen Tracker. Für die angereisten Segler eine unerwartete Wendung. Die Absage hielt Llull jedoch nicht lange auf: Er entschied sich, die Gelegenheit für seine Qualifikation zur Mini Transat zu nutzen.
Nur wenige Tage später erhielt er die Bestätigung der Classe Mini für seinen Qualifikationstörn - und machte sich direkt auf den Weg. Die Bedingungen: mindestens 1.000 Seemeilen einhand und nonstop – ohne Hafenaufenthalt, ohne Unterstützung von außen und mit Logbuch, Kartenpositionen und Sextantmessungen als Nachweis.
Die ersten Tage verliefen ruhig, doch hinter dem Cap Corse zeigte das Mittelmeer seine raue Seite. Statt der vorhergesagten 20 bis 25 Knoten traf Llull auf bis zu 35 Knoten Wind und eine kurze, steile See. Wenig später fiel durch ein defektes USB-Kabel ein Großteil seiner Elektronik aus. Wetterdaten, Barometer, Stirnlampe und Handy ließen sich nicht mehr zuverlässig laden. „Mental zermürbend war nicht die See, sondern die Unsicherheit“, beschreibt Llull rückblickend. Nach einem ungeplanten Stopp vor Anker, mehreren Reparaturversuchen und der Erkenntnis, versehentlich Teflon- statt Kontaktspray auf die Steckverbindungen gesprüht zu haben, stand die Qualifikation zeitweise auf der Kippe.
Dennoch setzte er seinen Weg fort. Zwischen Korsika und Sardinien bestimmten Flauten das Bild. Teilweise legte er in 48 Stunden lediglich 60 Seemeilen zurück. Die Zeit nutzte er für Reparaturen an Bord und kleinere Arbeiten am Boot. Später folgten bessere Bedingungen mit langen Spinnaker-Etappen entlang Sardiniens und der spanischen Küste.
Nach 14 Tagen und insgesamt 1.170 Seemeilen lief er Ende Mai in Sanary-sur-Mer ein. Damit hat er die Qualifikation für die Mini Transat erfolgreich abgeschlossen.
Jules Tolomello