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"Damit die Basstölpel-Babys nicht mehr sterben"


 

"Damit die Basstölpel-Babys nicht mehr sterben"

13. August 2026
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Mathi ist fünf Jahre alt. Und seine Antwort auf die Frage, warum er in den Sommerferien Müll am Meer sammelt, sagt eigentlich schon alles: „Damit die Basstölpel-Babys nicht mehr sterben. Die Nester sind aus Fischernetzen. Ich liebe Vögel.“

Gemeinsam mit seinen Brüdern Mattis (10), Milan (10) und Niilo (8) sowie ihren Eltern Daniela und Udo ist Mathi Teil der Nordbake-Crew. Die Familie ist TO-Mitglied – und hat aus der Aktion #catchoftheday in diesem Sommer ein echtes Familienprojekt gemacht.

Den Anstoß gab Niilos Klassenlehrerin. Sie motivierte die Klasse vor den Sommerferien, Müll in der Natur zu sammeln. Die jüngsten Crewmitglieder der Nordbake machten daraus kurzerhand ein gemeinsames Ziel: Mindestens zehn Kilogramm Müll wollten die vier Brüder während ihrer zweiwöchigen Segeltour durch die Nordsee sammeln.


Links: Mathi auf Helgoland mit den Basstölpeln. Mitte: Milan holt Dämmmaterial aus dem Meer. Rechts: Mattis (li.) und Milan bergen alte Fischerleinen.

Von der Organisation Fabl bekamen alle Schulkinder, die sich zu der Aktion angemeldet hatten, Müllgreifer und eine Waage gestellt. Und dann wurde gesammelt – an Stränden, auf Inseln und Halligen und natürlich auch alles, was im Meer und der Elbe trieb. „Bis auf nachts natürlich. Unser Ziel war es, alles an Müll aus dem Wasser rauszuholen, solange wir uns dabei nicht selbst gefährden.“, erzählt Mutter Daniela.

Am Ende waren es fast 20 Kilogramm. Damit hatte die Familie ihr ursprüngliches Ziel fast verdoppelt. Besonders viel Müll fanden die Kinder auf der Hallig Hooge. Innerhalb von nur 20 Minuten sammelten sie dort 2,7 Kilogramm.


Niilo (links) und Milan (rechts) wiegen stolz ihren großen #catchofthe day ab. Kilo für Kilo kommt immer mehr zusammen.

Doch zwischen Plastik, Tauwerk und anderem „Treibschlecht“ gab es auch Begegnungen, die die Kinder nicht mehr so schnell vergessen werden: Ein verendeter Vogel lag am Strand, um seinen Hals ein Fischernetz – vermutlich hatte es ihn zu Tode gewürgt. Auf Helgoland sahen die Kinder außerdem Basstölpel, deren Nester aus Fischernetzen und anderem angeschwemmten Material gebaut waren. Jungvögel verheddern sich darin regelmäßig und sterben.

Für die vier Brüder wurde dadurch unmittelbar sichtbar, was Müll im Meer anrichtet. Und ihre Antworten zeigen, wie sehr sie das Thema bereits verstanden haben.

Niilos Motivation ist klar: „Ich sammel Müll, weil ich's blöd finde, dass die Natur so schmutzig ist. Und ich finde die Halligen so gut.“

Sein Bruder Milan denkt bereits weit über den nächsten Strand hinaus: „Ich sammel Müll, weil ich möchte, dass so Inseln wie Tuvalu erhalten bleiben. Und damit die Meerestiere auch ein sauberes Wohnzimmer haben.“

Seine Konsequenzen zieht er auch im Alltag: „Ich bin gegen Dolly Ropes und esse keine Krabben mehr!“ Dolly Ropes sind Bündel aus Kunststofffäden, die als Scheuerschutz an Grundschleppnetzen eingesetzt werden. Sie nutzen sich schnell ab und gelangen dabei als Plastikmüll ins Meer, wo sie eine Gefahr für Meerestiere und Seevögel darstellen.

Milan hat deshalb auch einen wichtigen Appell an alle Seglerinnen und Segler: „Es treibt noch so viel Müll im Meer, die Segler sollen das bitte einsammeln, wenn sie das sehen! Nachts natürlich nicht. Wir müssen auf unseren Planeten aufpassen.“ Und dann ergänzt er: „Sonst sind Inseln wie Tuvalu und die Nordsee Halligen bald einfach weg!“

Tuvalu beschäftigt den Zehnjährigen besonders. Der pazifische Inselstaat besteht aus sehr niedrig liegenden Atollen und ist durch den steigenden Meeresspiegel besonders gefährdet. Milans Sorge ist dabei ganz persönlich: Er möchte eines Tages selbst dorthin segeln. Für ihn steht sein Plan schon fest: Mit 16 möchte er mit dem Segelnden Klassenzimmer über den Atlantik segeln – und irgendwann bis nach Tuvalu. Nach den Sommerferien geht es allerdings erst einmal in die vierte Klasse.


Links: Die vier Mini-Segler halten Ausschau nach Treibschlecht. Rechts: Milan (vorne) und Mattis haben eine Flasche entdeckt und rausgefischt.

Die Jungs der Nordbake-Crew sind längst nicht die einzigen Kinder, die in diesem Sommer mitanpacken: Zwei von Niilos Klassenkameraden nahmen das Projekt ebenfalls mit in ihren Urlaub nach Kreta. Einer sammelte dort sogar 40 Kilogramm Müll, darunter ein zerbrochenes Surfbrett. Die Schule hat sich für die gesamten Sommerferien ein beeindruckendes Ziel gesetzt: Eine Tonne Müll soll zusammenkommen. Die Nordbake-Crew hat dazu fast 20 Kilogramm beigetragen.

Doch vielleicht ist die wichtigste Leistung dieser Familie gar nicht das Gewicht auf der Waage. Es sind vier Kinder, die verstanden haben, dass sie selbst etwas verändern können. Vier Kinder, die nicht einfach am Müll vorbeigehen. Die wissen wollen, was er mit Vögeln und Meerestieren macht. Und die bereits heute eine Verantwortung für das Meer empfinden, die viele Erwachsene erst noch entwickeln müssen. Man muss nicht groß sein, um etwas zu bewegen. Man muss nur anfangen.

Und vielleicht segelt Milan eines Tages tatsächlich nach Tuvalu. Wir wünschen es ihm jedenfalls von ganzem Herzen.

Laura Pape


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