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Mini Atlantique 2026: Zwei junge TO-Mitglieder meistern 2.600 Seemeilen auf dem offenen Atlantik


 

Mini Atlantique 2026: Zwei junge TO-Mitglieder meistern 2.600 Seemeilen auf dem offenen Atlantik

19. August 2026
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Für den vom TO geförderten Regattasegler Tom Wehde ist die Mini Atlantique 2026 erfolgreich zu Ende gegangen. Mit seinem Mini „Osterrath“ segelte er die Regatta innerhalb von 16 Tagen, 7 Stunden und 10 Minuten und belegte in der Gesamtwertung der Serienklasse Platz 13 von 49.

Ebenfalls am Start war die vom TO geförderte Nachwuchsseglerin Carla Hénon-Steck. Die 18-Jährige bewältigte die gesamte Strecke in 25 Tagen, 5 Stunden und 36 Minuten. In der Proto-Wertung belegte sie Platz 7 von 7. Das Ergebnis erzählt dabei nur einen kleinen Bruchteil ihrer Geschichte: Technische Probleme begleiteten Carla über das gesamte Rennen – trotzdem brachte sie ihr 6,50 Meter langes Boot allein bis zu den Azoren und wieder zurück.

„Ich kann's glaube ich selbst noch nicht ganz realisieren, dass ich alleine mit meinem 6,5 m langen Boot einfach bis auf die Azoren gesegelt bin. Also fast die Hälfte vom Atlantik. Ich glaube, es gibt nicht sehr viele, die das mit 18 Jahren machen.“


Carla Hénon-Steck während ihrer ersten großen Offshore-Regatta.

Die Mini Atlantique führte von Les Sables d’Olonne zu den Azoren und zurück. Für beide TO-Mitglieder war sie die längste Regatta, die sie bisher komplett allein auf dem offenen Atlantik bestritten hatten.

Die erste Etappe verlief für Tom Wehde zunächst vielversprechend. Nach anspruchsvollen Bedingungen erreichte er Horta auf den Azoren auf dem 9. Platz. Doch die Rückfahrt sollte deutlich schwieriger werden. Bereits am ersten Tag der zweiten Etappe verlor Tom seinen größten Spinnaker. Das Segel riss und geriet ins Ruder – damit fehlte ihm ausgerechnet für schnelle Kurse vor dem Wind sein wichtigstes Segel.


Tom Wehde (zweite von links) mitten im Regattafeld der Mini Atlantique Regatta.

„Acht Stunden nach dem Rennstart zu realisieren, dass man ohne den Spimax nicht mehr richtig an der Competition teilnehmen kann, war mental schwierig. Aber Aufgeben kam nie in Frage.“

Stattdessen passte Tom seine Strategie an und versuchte, mit den verbliebenen Segeln und den wechselnden Wetterbedingungen das Beste aus der Situation herauszuholen.


Tom auf seinem Mini "Osterrath".

Für Carla begann die erste Etappe dagegen früh mit einem erheblichen Handicap: Bereits am zweiten Tag fiel ihr Windanzeiger aus und lieferte keine verlässlichen Daten mehr zu Windrichtung und -stärke. Das Problem ließ sich nicht beheben – Carla musste die gesamte erste Etappe ohne diese wichtigen Informationen segeln. Gleichzeitig fiel ihr Autopilot immer wieder aus. Also musste die 18-Jährige gleichzeitig von Hand steuern, versuchen, den Autopiloten wieder zum Laufen zu bringen und dabei weitersegeln.

Unter diesen Bedingungen verzichtete Carla bei den leichten Winden der ersten Etappe auch auf ihr Spinnaker. Ohne verlässliche Winddaten und mit einem Autopiloten, dem sie nicht mehr vertrauen konnte, fehlte ihr dafür die nötige Erfahrung und Sicherheit. Während die Konkurrenz mit ihren Spinnakern davonrauschte, verlor Carla früh den Anschluss. Auch mental war das eine enorme Belastung. Über Funk bekam die Flotte täglich die Positionen mitgeteilt – und Carla wusste dadurch genau, wie weit die anderen bereits voraus waren.

„Es war mental immer wieder ganz schön schwierig zu wissen, dass die anderen ultraweit vorne sind, weil wir jeden Tag die Platzierungen über Funk bekommen haben. Ich habe auch mehrmals überlegt, aufzugeben. Aber das kam nicht wirklich in Frage.“

Dann wurde aus dem Kampf gegen die eigene Platzierung ein ganz persönlicher Antrieb:

„Wir waren nur noch drei Frauen, die in der Protowertung segelten - die anderen hatten aufgegeben. Und dann dachte ich mir so: Wir können jetzt nicht nur Männer ins Ziel kommen lassen.“

Also machte Carla weiter – trotz Übermüdung und technischer Probleme. Und mitten auf dem Atlantik kehrte sogar ein Stück Leichtigkeit zu ihr zurück:

„Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich diese lange Ozeandünung, dieses ultrablaue Wasser, welches es nur auf dem Atlantik gibt, und diesen krassen Sternenhimmel total vermisst habe.“


Carla lässt sich nicht unterkriegen und macht trotz aller Herausforderungen immer weiter.

Als Carla nach der ersten Etappe Horta erreichte, waren die Zweifel plötzlich vergessen, denn am Steg warteten bereits zahlreiche Menschen und empfingen sie jubelnd. Viel Zeit zum Durchatmen blieb allerdings nicht: Carla hatte gerade einmal 34 Stunden, um sich auszuruhen und ihr Boot für die zweite Etappe wieder fit zu bekommen.

Dabei durfte sie hautnah erleben, was die Segel-Szene ausmacht: Andere Seglerinnen und Segler, die bereits vor einigen Tagen auf den Azoren angekommen waren, halfen ihr bei den Boots-Reparaturen und gingen für sie einkaufen. Und als Carla am Abend vor dem Start angesichts der bevorstehenden zweiten Etappe verzweifelt war, redeten ihr alle gut zu.

Die Rückfahrt begann zunächst vielversprechend. Carla setzte den Spinnaker – doch nach gerade einmal drei Stunden fiel erneut der Autopilot aus. Der Spinnaker landete im Wasser und Carla benötigte rund eine Stunde, um ihn wieder an Bord zu bekommen. Das Segel war anschließend gerissen. Schon am ersten Tag fehlte ihr die Kraft. Sie musste sich zunächst hinlegen und schlafen – und verlor dadurch erneut den Anschluss an die Flotte. Doch Tage später bekam Carla über Funk mit, dass die Konkurrenz in einer Flaute festhing, während sie selbst noch Wind hatte. Die Nachricht gab ihr Motivation. Sie holte auf und kämpfte sich zurück ins Feld.

Carla zeigte während der gesamten Mini Atlantique, dass sie auch dann weitermacht, wenn die Bedingungen gegen sie sprechen – technisch, körperlich und mental.


Carlas Spinnaker fiel wegen eines Autopilot-Aussetzers ins Wasser und zerriss.

Unterwegs musste Tom seine Taktik anpassen und mit den verbliebenen Segeln das Beste aus den wechselnden Wetterbedingungen herausholen. Die Vorhersagen waren komplex, verschiedene Wettermodelle zeigten teilweise deutlich voneinander abweichende Wetter-Entwicklungen. Wie anspruchsvoll die zweite Etappe war, zeigte auch Toms Positionsverlauf: Von Platz 34 arbeitete er sich zwischenzeitlich bis auf Rang 16 vor, fiel wieder zurück und kämpfte sich in den letzten 24 Stunden erneut nach vorne.


Die Prognosen verschiedener Wettermodelle waren sich für die zweite Etappe nicht wirklich einig...

Toms Fazit fällt positiv aus:

„Es war ein lehrreiches Rennen, ein ‘beautiful nightmare’. Aber vor allem war es unglaublich viel Erfahrung.“

Für ihn war die Mini Atlantique eine wichtige Generalprobe für die Mini Transat 2027, an der er nächstes Jahr teilnehmen will. Die Regatta hat gezeigt, dass Tom auch nach einem frühen technischen Rückschlag handlungsfähig bleibt und seine Strategie an neue Bedingungen anpassen kann. 


In Horta auf den Azoren verewigten sich die Regatta-Teilnehmenden mit einem Kunstwerk und ihren Bootsnamen traditionell auf der Hafenmauer.

Der Trans-Ocean wird den spannenden Weg beider TO-Mitglieder weiter verfolgen und wünscht Carla und Tom für ihre kommenden Herausforderungen viel Erfolg und fair winds!

Laura Pape

 


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