Ein Besuch an Bord ist immer etwas Besonderes: gemeinsames Ankern in einer einsamen Bucht, Sonnenuntergänge auf See und ein paar Tage echtes Bordleben. Damit aus dem Besuch aber nicht versehentlich ein logistischer Belastungstest für die Crew wird, lohnt es sich, vorher ein paar Dinge zu klären.
Denn wer zum ersten Mal auf einer Fahrtenyacht zu Gast ist, kann kaum wissen, dass ein scheinbar harmloser Hartschalenkoffer, eine fünfminütige Dusche und die falsche Sonnencreme an Bord für leise Verzweiflung sorgen können.
Koffer? Lieber nicht!
Der klassische Rollkoffer ist für den Flughafen praktisch – an Bord wird er schnell zum sperrigen Mitbewohner.
Stauraum ist auf einer Yacht knapp und wertvoll. Sporttaschen, Seesäcke oder weiche Reisetaschen sind deshalb deutlich besser geeignet: Sie lassen sich nach dem Auspacken zusammenfalten und verschwinden platzsparend in einer Ecke.
Und noch wichtiger: Nicht den halben Hausstand mitbringen. Vor der Reise am besten mit der Crew besprechen, was wirklich benötigt wird.

Sporttaschen, Seesäcke oder weiche Reisetaschen eignen sich am besten für den Besuch auf einer Segelyacht.
Süßwasser ist kein Leitungswasser mit Meerblick
An Land drehen wir den Wasserhahn auf und machen uns normalerweise keine Gedanken darüber, wo das Wasser herkommt. Auf einer Langfahrtyacht sieht das anders aus. Trinkwasser muss gebunkert oder produziert werden und ist eine begrenzte Ressource. Auch Strom steht nicht automatisch unbegrenzt zur Verfügung – insbesondere, wenn die Energie an Bord über Solarzellen gewonnen wird und die Sonne gerade Urlaub macht.
Das bedeutet nicht, dass Gäste an Bord mit der Stoppuhr duschen müssen. Ein bewusster Umgang mit Wasser und Energie gehört aber zum Bordalltag.
Und überhaupt: Nicht jede Yacht hat eine Dusche. Dafür gibt es schließlich das Meer. Ein Sprung ins Meer, im Salzwasser baden und anschließend in der Sonne trocknen – fertig ist die maritime Dusche.
Auch beim Zähneputzen und Abwaschen gilt: Wasser laufen lassen, bis die komplette Zahnbürste, der Teller und am besten noch der halbe Salon nass sind? Lieber nicht.

Süßwasser ist auf Fahrtenyachten oft rar. Bitte nicht verschwenden, sondern bewusst und sparsam nutzen.
Bitte keine schwarzen Sohlen und Stöckelschuhe
Was an Land schick aussieht, kann an Bord für Schnappatmung sorgen.
Schwarze Schuhsohlen können unschöne Streifen auf dem Deck hinterlassen, Stöckelschuhe beschädigen unter Umständen sogar das Deck. Am besten vorher fragen, welche Schuhe an Bord geeignet sind.
Auf vielen Yachten gilt ohnehin: Schuhe aus und barfuß weiter. Das ist nicht nur praktisch, sondern fühlt sich nach spätestens fünf Minuten ohnehin ziemlich richtig an.
Sonnencreme: Schutz für Haut und Riff
Sonnencreme gehört bei einem Segeltörn selbstverständlich ins Gepäck. Wer seine eigene mitbringt, sollte allerdings darauf achten, dass sie riff- bzw. meeresfreundlich ist.
Denn was auf unserer Haut bleibt, landet beim Schwimmen und Waschen zumindest teilweise auch im Wasser. Deshalb gilt: Eine möglichst umweltverträgliche Sonnencreme verwenden und trotzdem die Sonne nicht unterschätzen.
Und der beste Sonnenschutz? Schatten, Kleidung und ein Hut. Auch ein UV-Shirt wirkt Wunder und kann den Bedarf an Sonnencreme deutlich reduzieren. Die Haut freut sich – und das Meer ebenfalls.

Beim Schwimmen und Tauchen gelangt Sonnencreme ins Meer. Daher besser UV-Kleidung tragen oder riff-sichere Produkte verwenden.
Im Gepäck bitte Platz freihalten
Dieser Punkt kann auf Langfahrt Gold wert sein.
Die Crew lebt nicht auf einem schwimmenden Supermarkt. Ersatzteile, bestimmte Lebensmittel, Medikamente, Werkzeug oder andere Dinge des täglichen Bedarfs sind unterwegs je nach Revier manchmal schwer, teuer oder gar nicht zu beschaffen.
Deshalb kann es gut sein, dass die Crew vor der Anreise fragt, ob jemand etwas Bestimmtes aus der Heimat mitbringen kann.
Dann bitte nicht sagen: „Leider kein Platz – ich habe drei Paar Flip-Flops dabei.“
Ein bisschen Freiraum im Gepäck kann für die Crew einen riesigen Unterschied machen.
Essen und Trinken vorher absprechen
Auch beim Proviant lohnt sich eine kurze Absprache. Was ist an Bord vorhanden? Was wird gemeinsam gegessen? Gibt es Lebensmittel, die an Bord besonders knapp sind? Ernährt sich jemand vegan oder liegen Lebensmittelallergien vor, auf die geachtet werden muss?
Wer bestimmte Lieblingsprodukte unbedingt braucht, sollte sie am besten vorher mit der Crew abstimmen. Und wer länger bleibt, darf natürlich auch gern beim Einkaufen helfen.
Denn auf Langfahrt ist „Wir gehen einfach schnell zum Supermarkt“ nicht immer eine realistische Option.
Strom ist keine Selbstverständlichkeit
Laptop, Handy, Kamera, Drohne, Powerbank, elektrische Zahnbürste … plötzlich wollen sechs Geräte gleichzeitig geladen werden.
Auf einem Boot kann das zum kleinen Energiepuzzle werden. Vor allem bei längeren Fahrten oder mehreren bewölkten Tagen kann Strom knapp werden.
Deshalb: Ladegeräte und Geräte nicht dauerhaft eingesteckt lassen und die Crew fragen, wann und wo am besten geladen werden kann.
Und vielleicht muss die elektrische Zahnbürste für ein paar Tage tatsächlich mal Pause machen. Sie wird es bestimmt überleben.
Was darf ich eigentlich?
Das Wichtigste sollte vor dem Besuch sowieso geklärt werden: Wie funktioniert das Leben an Bord dieser konkreten Yacht?
Darf ich jederzeit ins Wasser springen? Welche Schränke darf ich öffnen? Wo ist die Toilette? Was darf in die Toilette – und vor allem: was nicht? Wo sind die Rettungswesten? Was muss nachts geschlossen bleiben? Darf ich allein mit dem Dinghy losfahren? Und wer übernimmt welchen Handgriff beim Segeln?
Gerade bei einer längeren Passage sollte die Crew ihren Gästen außerdem Sicherheitsregeln und Notfallabläufe erklären. Dazu gehört auch, dass Gäste wissen, wo sich wichtige Ausrüstung befindet und wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen.
Und noch ein ganz wichtiger Punkt: Mitmachen ist willkommen!
Gäste müssen natürlich nicht innerhalb von drei Tagen zur perfekten Seglerin oder zum perfekten Segler werden.
Aber: Ein bisschen Mithilfe macht das Bordleben für alle angenehmer. Teller nicht einfach irgendwo stehen lassen, Müll dort entsorgen, wo er hingehört, beim Abwasch helfen, die eigenen Sachen ordentlich verstauen und vielleicht auch einmal fragen: „Kann ich etwas tun?“
Das klingt banal – ist auf engem Raum aber Gold wert.

Die wenigsten Langfahrtyachten haben einen Geschirrspüler.
Am Ende gilt: Vorher fragen statt an Bord rätseln
Jede Yacht, jede Crew und jedes Fahrtgebiet ist anders. Deshalb gibt es nicht die eine universelle Gästeregel.
Je genauer vorher besprochen wird, was die Crew erwartet und was Gäste mitbringen und beachten sollten, desto entspannter wird der gemeinsame Törn.
Und wer sich an Bord anfangs vielleicht etwas wundert, warum niemand begeistert auf den Hartschalenkoffer reagiert, die Dusche aus einem Eimer besteht und der Skipper beim Anblick schwarzer Schuhsohlen plötzlich sehr still wird:
Keine Sorge. Ihr seid nicht auf einer Kreuzfahrt. Ihr seid auf einem Segelboot.
Ihr erwartet bald Besuch an Bord?
Dann schickt Euren Gästen diesen Artikel doch einfach schon vor der Anreise. So sind die wichtigsten Dinge geklärt, bevor der erste Hartschalenkoffer an Deck steht – und Ihr könnt Euch ganz entspannt auf die gemeinsame Zeit an Bord freuen.
Laura Pape