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Bereit für den Atlantik? Diese 15 Dinge sollte eine Langfahrtcrew wissen und können


 

Bereit für den Atlantik? Diese 15 Dinge sollte eine Langfahrtcrew wissen und können

21. Oktober 2026
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Jeden Winter machen sich zahlreiche Segelyachten auf den Weg von Europa in die Karibik. Für viele Crews ist die Atlantiküberquerung das größte Abenteuer ihres Lebens – und oft die erste längere Zeit weit weg vom nächsten Land. Die Passatwinde können zwar für angenehme Bedingungen sorgen, doch mehrere Wochen auf See bedeuten auch, rund um die Uhr Verantwortung zu tragen, wechselndes Wetter, wenig Schlaf und die Möglichkeit, dass unterwegs etwas kaputtgeht.

Eine gute Vorbereitung hilft Euch, auch in schwierigen Situationen ruhig und handlungsfähig zu bleiben. Diese 15 Punkte zeigen, worauf Ihr vor dem Ablegen achten solltet.

1. Das eigene Schiff kennen

Wo befinden sich Seeventile, Sicherungen, Bilgepumpen und Feuerlöscher? Wie funktionieren Motor, Elektrik und Navigation? Jedes Crew-Mitglied sollte die wichtigsten Systeme kennen und wissen, wie sie sich im Notfall bedienen lassen.

2. Segel und Spibaum sicher bedienen

Zügiges Reffen, Segelwechsel sowie das Setzen und Bergen der Vorsegel mit einem Spibaum sollten bereits vor der Abfahrt geübt werden. Besprecht, wer bei den Manövern welche Aufgaben übernimmt und kontrolliert regelmäßig Eure Leinen, (Soft-)Schäkel, Beschläge und das Rigg.


Die typische "Schmetterlingsbesegelung", bei der das Vorsegel auf Vorwindkursen mithilfe eines Spibaums ausgebaumt wird.

3. Wetter verstehen und Squalls erkennen

Lernt, Wetterberichte, Wind- sowie Wellenprognosen und Wolkenformationen richtig zu interpretieren. Besonders auf der Passatroute können Squalls – kräftige Schauerzellen mit teils starken Böen – für Überraschungen sorgen. Achtet auf dunkle, kompakte Wolkenformationen, beobachtet ihre Entwicklung und versucht, die Zugrichtung einzuschätzen. Refft rechtzeitig, wenn kräftige Böen drohen, statt abzuwarten, bis der Squall Euer Schiff erreicht. Bei einem hohen CAPE-Index kann es auch sinnvoll sein, die Segel kurz vor Anbruch der Nacht zu reffen, da Squalls im Dunkeln nicht immer rechtzeitig erkannt werden. Eine gute Hilfe bei der Früherkennung von Squalls und Gewitterzellen bietet ein Radar, welches jedoch nicht auf jeder Yacht vorhanden ist.  


Auf dem Atlantik können die Wellen auch mal höher werden - entscheidend für den Komfort ist neben der Höhe vor allem die Wellenperiode. 

4. Ohne Plotter navigieren können

Was passiert, wenn Plotter, GPS oder Bordstrom ausfallen? Übt, Eure Position und den zurückgelegten Weg auch ohne die gewohnte Navigationselektronik nachzuvollziehen. Aktuelle Seekarten und unabhängige Backup-Lösungen gehören zu einer guten Vorbereitung dazu.

5. Rettungswesten und Lifelines nutzen

Jedes Crew-Mitglied sollte wissen, wie die eigene Rettungsweste funktioniert und wo man sich an Deck und im Cockpit sicher einpicken kann. Legt gemeinsame Sicherheitsregeln fest. Besonders nachts, bei schlechtem Wetter und auf dem Vorschiff ist die konsequente Nutzung Eurer Lifeline entscheidend.

6. Einen MOB-Fall üben

Bei „Mensch über Bord“ zählt jede Sekunde. Übt, wie der Alarm ausgelöst, die MOB-Position markiert und dorthin zurück gesteuert werden kann. Besprecht außerdem, wie Ihr eine Person unter den Gegebenheiten Eurer Yacht wieder an Bord bekommt – auch für den Fall, dass die Skipperin oder der Skipper selbst über Bord gegangen ist.

7. Notruf und Kommunikation beherrschen

Macht Euch mit UKW-Funk und DSC-Notrufen vertraut. Wisst, wann MAYDAY und wann PAN PAN angebracht ist. Testet und aktiviert Euer Satellitentelefon und Starlink vor der Abfahrt. Prüft, ob die erforderlichen Verträge und Tarife für die Nutzung auf See aktiviert sind, solange Ihr noch zuverlässigen Internetempfang im Hafen oder der in der Ankerbucht habt. Verlasst Euch im Notfall nicht ausschließlich auf eine Internetverbindung.

8. Feuer und Wassereinbruch bewältigen

Wisst, wo Feuerlöscher, Lenzpumpen und Notfallwerkzeuge zu finden sind und wie sie eingesetzt werden. Besprecht vorab, wer bei Feuer, einem Leck oder einem Motorausfall welche Aufgaben übernimmt. Prüft, ob die Notfallausrüstung zugänglich und einsatzbereit liegt.

9. Seekrankheit einkalkulieren

Gerade die ersten Tage können hart sein. Bei achterlichen Passatwinden schaukelt das Schiff meist mehr hin und her, als es die meisten Crews bisher gewohnt waren. Organisiert Euch vorab Seekrankheits-Medikamente und probiert sie bei Bedarf bereits vor der Abfahrt aus. Einige Seekrankheits-Mittel machen sehr müde und können zu einem vorübergehenden Ausfall des Crew-Mitglieds führen. Leichte Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit, frische Luft und Ruhe können helfen. Auch selbst zu steuern, kann Linderung bringen. Plant Eure Wachen so, dass die Yacht sicher geführt werden kann, falls jemand ausfällt.

10. Wachen und Schlaf organisieren

Legt einen für eure Crew-Stärke sinnvollen Wachplan fest und klärt, welche Informationen bei der Übergabe wichtig sind: Kurs, Wetter, Verkehr, Segelstellung und besondere Beobachtungen. Überlegt Euch vorher, wo ihr am besten und sichersten liegen könnt. Viele Crews nutzen ein sogenanntes Lee-Segel, welches bei rollenden Schiffsbewegungen davor schützt, aus der Koje zu fallen. Plant ausreichend Schlaf ein – Schlafmangel beeinträchtigt Eure Konzentration sowie Reaktionszeit und wird damit zum Sicherheitsrisiko.


Die Nächte auf dem Atlantik sind mit ca. 13-14 Stunden Dunkelheit lang - dafür sind die vielen Sonnenauf- und -untergänge umso schöner.

11. Wasser, Strom und Diesel kalkulieren

Berechnet Euren Verbrauch und plant Reserven ein. Autopilot, Kühlung, Navigation und Wassermacher können viel Energie benötigen. Überlegt, wie lange Ihr ohne Wasser- oder Stromerzeugung auskommt, und verlasst Euch nicht auf ein einziges System.

12. Proviant für mindestens drei Wochen einplanen

Plant haltbare Lebensmittel und zusätzliche Reserven für eine längere Passage ein. Einfache Mahlzeiten, die auch bei Seegang mit wenig Aufwand zubereitet werden können, sind besonders praktisch. Salzige Cracker mit Käse, kalter Kartoffel- oder Nudelsalat und leckere Snacks für die Nachtschichten werden unterwegs Gold wert sein. Esst Lebensmittel, die zuerst schlecht werden, rechtzeitig und hebt euch Haltbares für die restliche Etappe auf.

13. Reparaturen auf See bewältigen

Scheuernde Leinen, lose Schäkel, verstopfte Kraftstofffilter durch Dieselpest oder Schäden an Segeln, Rigg und Spibaum können unterwegs auftreten. Euer Material ist während der Ozeanüberquerung schließlich einer andauernden Belastung ausgesetzt. Nehmt geeignetes Werkzeug, Ersatzteile und Reparaturmaterial mit – und sorgt dafür, dass auch jemand an Bord damit umgehen kann. Bekannte Mängel solltet Ihr bereits vor dem Ablegen beheben und nicht darauf vertrauen, dass diese noch drei Wochen auf See überstehen.

14. Erste Hilfe leisten

Seekrankheit tritt häufiger auf, doch auch Verletzungen, Verbrennungen oder plötzliche Erkrankungen sind auf See möglich. Stattet Eure Bordapotheke daher gut aus und macht Euch mit wichtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen vertraut, etwa der Wundversorgung und dem Stillen schwerer Blutungen. Bei anspruchsvolleren Maßnahmen wie dem Nähen einer Wunde oder Anlegen eines Tourniquets ist es sinnvoll, diese bereits vorab geübt zu haben, damit Euch die Abläufe im Ernstfall vertraut sind. Denn professionelle medizinische Hilfe ist mitten auf dem Atlantik weit entfernt.

15. Als Crew zusammenarbeiten

Mehrere Wochen auf engem Raum sind auch mental eine Herausforderung. Sprecht vorab über Eure Erwartungen, Aufgaben, Wacheinteilung und Entscheidungswege. Klärt, wer das Kommando übernimmt, wenn es ernst wird oder die Skipperin bzw. der Skipper ausfällt. Rechnet damit, dass nicht jeder Tag entspannt wird, und klärt Konflikte frühzeitig. Gute Seemannschaft bedeutet auch, aufeinander zu achten und sich gegenseitig Erholung zu ermöglichen.

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Am Ende zählt vor allem eines: Dass ihr losgesegelt seid, um eines der letzten großen Abenteuer der Menschheit zu erleben. Foto: Die Pitons von St. Lucia bei Ankunft in der Karibik.

Ein Abenteuer fürs Leben

Eine Atlantiküberquerung ist weit mehr als eine lange Segelreise – sie ist eines der letzten großen Abenteuer unserer Zeit. Wochenlang dem Horizont entgegenzusegeln, Sonnenaufgänge mitten auf dem Ozean zu erleben und sich ganz dem Rhythmus von Wind und Wellen hinzugeben, ist eine Erfahrung, die für immer bleibt. Natürlich wird nicht jeder Tag einfach, doch gerade die Herausforderungen machen dieses Abenteuer so besonders. Wer gut vorbereitet in See sticht, schafft die besten Voraussetzungen, um die Freiheit, die Weite und die Magie des Ozeans in vollen Zügen zu genießen. Denn was Euch auf der anderen Seite des Atlantiks erwartet, ist nicht nur ein neuer Kontinent, sondern auch das unbeschreibliche Gefühl, etwas geschafft zu haben, wovon die meisten Menschen ihr Leben lang nur träumen.

Wir wünschen allen Crews "fair winds", eine sichere Passage und unvergessliche Momente auf dem großen Teich!

Laura Pape


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