Beeindruckende Leistungen, außergewöhnliche Segelabenteuer und große Pläne: Die 57. Verleihung der Trans-Ocean-Preise in Cuxhaven zeigte eindrucksvoll, wie bunt, vielfältig und aktiv der Trans-Ocean ist. Insgesamt 14 Crews wurden für ihre Leistungen geehrt und berichteten von ihren Reisen. Ob einhand, mit Partnern, Freunden oder wechselnden Mitseglern: Sie alle kamen nach Cuxhaven, beseelt von ihren Erlebnissen und mit jeder Menge Geschichten im Gepäck.
„Große Träume werden bei uns im Verein Wirklichkeit. Das zeigen unsere Preisträger eindrucksvoll“, sagte TO-Vorsitzender Marcus Warnke. „Der Trans-Ocean ist eine offene Gemeinschaft von Menschen, die das Meer lieben, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig unterstützen.“

Alle Preisträger des des TO-Festabends auf einen Blick, ©Fotoscheune, Arkadius Rojek
Trans-Ocean Preis für Lisa Berger und Jade Edwards-Learney
Die höchste Auszeichnung des Abends, der Trans-Ocean-Preis, ging an die Österreicherin Lisa Berger und ihren britischen Co-Skipper Jade Edwards-Learney. Das Duo wurde für seine erfolgreiche Teilnahme an der Globe40, einer Regatta rund um die Welt über die drei großen Kaps: Kap Hoorn, Kap der Guten Hoffnung und Kap Leeuwin zusätzlich mit einem Weltumseglerpreis ausgezeichnet.
33.980 Meilen in 152 Tagen auf See, vier Kontinente, sieben Stopps in sieben Ländern und das auf einem nur mit einem auf das Wesentliche reduzierten Regattaboot. Lisa hatte das Boot vor zwei Jahren gekauft und mit Jade in harter Eigenarbeit komplett refittet. Obwohl es das älteste Boot im Feld war, gab es keinerlei größere Ausfälle. Letztendlich überzeugten die beiden aber mit ihrer konstanten Leistung und wurden am Ende mit Platz drei in der Wertung der Spitzbug-Modelle belohnt. Noch auf der Bühne kündigte Lisa bereits ihre nächste Weltumsegelung an: 2027 will sie im Rahmen der Global Solo Challenge wieder um die Welt segeln - diesmal allein.
Mit 5,80 Metern um die Welt
Einhand war auch der Gewinner des diesjährigen Wolfgang Quix Race Awards unterwegs. Christian Sauer bewies mit seiner Argo, dass man auch auf 5,80 Meter um die Welt segeln kann. Besonders bemerkenswert: Sauer baute sein Schiff selbst und vertraute dessen Fähigkeiten sogar mehr als seinen eigenen. Sein Erfolg zeigt, dass große Segelabenteuer und Erfolge nicht zwingend ein großes Budget benötigen, sondern vor allem Können, Mut und Durchhaltevermögen. Das verbindet ihn auch mit dem Namensgeber des neuen Race Awards. Wolfgang Quix gehört zu den Grandseigneurs der deutschen Hochseeregattaszene, ist selbst erfolgreich Offshore-Regatten gesegelt und hat seine Boote ebenfalls selbst gebaut. Es ließ es sich mit 89 Jahren nicht nehmen, die Auszeichnung persönlich zu überreichen. Zusätzlich wurde Sauer auch mit einem Weltumseglerpreis geehrt.

Christian Sauer mit dem Weltumseglerpreis und den Wolfgang Quix Race Award, Fotoscheune, Arkadius Rojek
Ocean Award für Noforeignland
Aus Panama live von ihrem Boot zugeschaltet waren Helena und Steve Neal, die Gründer der Seglerplattform Noforeignland. Für ihr weltweites Netzwerk und ihr Engagement für die weltweite Langfahrergemeinschaft erhielten sie den Ocean Award.
Seit der Gründung im Jahr 2017 hat sich die kostenlose, gemeinschaftlich gepflegte Plattform zu einem wichtigen Werkzeug für Blauwassercrews entwickelt. Informationen zu Ankerplätzen, Ersatzteilen, Einreisebestimmungen oder Kontakten vor Ort werden dort von Seglern für Segler gesammelt und ständig aktualisiert. Auch zahlreiche TO-Mitglieder tragen regelmäßig Inhalte bei.

Es gab eine Liveschalte nach Panama zu den Gründern und Ocean Award Gewinnern von Noforeignland, Fotoscheune, Arkadius Rojek
Weitere Weltumseglerpreise
Zu den Empfängern eines Weltumseglerpreises gehörten auch die „Salty Brothers“ Stephan Radegast, Robert Müller und Nicolas Ahlbrecht. Zwischen Studium und Berufsstart erfüllten sich die drei den Traum einer dreijährigen Weltumsegelung und bauten sich dabei eine treue Fangemeinde auf. Neben zahlreichen Erlebnissen nahmen sie vor allem eine Erkenntnis mit nach Hause: Wie wenig es braucht, um glücklich zu sein, und welchen Wert das gemeinsame Erleben und Teilen von Erfahrungen besitzt.
Diesen Gedanken unterstrich auch der Schweizer Konrad Basler. Seine Weltumsegelung absolvierte er über einen Zeitraum von acht Jahren in 14 Etappen mit wechselnden Crews. „Erst die Ereignisse, die wir gemeinsam mit Freunden erleben, werden zu Abenteuern“, sagte Basler bei der Preisverleihung. Für den Wissenschaftler liegt die besondere Stärke im Zusammenspiel von Gemeinschaft und Entdeckergeist – ein Gedanke, der auch die Gemeinschaft des Trans-Ocean beschreibt.
Alfred Punke und Petra Pavlisin starteten 2019 in Großenbrode und schlossen ihre Weltumsegelung im Sommer 2026 mit dem Kreuzen der eigenen Kurslinie ab. Während sie sich auf dem Weg bis nach Neuseeland Zeit ließen und verteilt über vier Jahre die Karibik, die US-Ostküste und den Pazifik erkundeten, erfolgte die Rückreise über das Kap der Guten Hoffnung binnen eines Jahres. Insgesamt legten sie mehr als 45.000 Seemeilen zurück. Dazwischen kehrten sie mehrfach nach Deutschland zurück, während ihr Schiff während der Hurrikansaison sicher an Land lag.
Ein weiterer Weltumseglerpreis ging an Markus Bocks aus Lörrach. Als professioneller Skipper führte er im Rahmen der World ARC wechselnde Crews entlang der klassischen Blauwasserroute um den Globus. In rund anderthalb Jahren sammelte er mehr als 25.000 Seemeilen. Besonders beeindruckten ihn Vanuatu und das Great Barrier Reef. Gleichzeitig machte er die Erfahrung, dass lange Reisen auch von zwischenmenschlichen Herausforderungen geprägt sein können.
Zwei TO-Medaillen
Mit TO-Medaillen wurden Uwe Herrmann sowie die Crew der Rantje mit Harald Zerrmann und Miriam Krane ausgezeichnet. Herrmann war einhand auf Weltumsegelung unterwegs, vermisste dann aber seine Familie so sehr, dass er in der Karibik umdrehte. Zwei Äquatorüberquerungen und ein Knockdown prägten seinen Törn und machten diese Tour zu einer intensiven Reise zu sich selbst.
Eine außergewöhnliche Route wählte die Crew der Rantje: Statt einmal rund um die Welt segelte sie von Pol zu Pol. Die Reise führte unter anderem von der Antarktis in die Arktis, einschließlich der anspruchsvollen Nordwestpassage zwischen Alaska und Grönland.
Sonderpreise
Die Preisjury hat in diesem Jahr noch zwei Reisen mit Sonderauszeichnungen bedacht. Die Crew der SY Walross vom Akademischen Seglerverein aus Berlin wurde mit der Silbernen Kugelbake ausgezeichnet. Das Ausbildungsboot legte die Strecke von Halifax nach Cuxhaven nonstop zurück und absolvierte dabei 3.342 Seemeilen.
Für eine „Erwähnenswerte Reise“ wurde außerdem Marlene Brudek geehrt, die mit ihrem kleinen Racer auf der Atlantikrunde zahlreiche deutlich größere Yachten hinter sich ließ.

Marcus Warnke (links) überraschte Carsten Matthias (rechts) mit der Ehrenmitgliedschaft, Fotoscheune, Arkadius Rojek
Ehrenmitgliedschaft für Carsten Matthias
Den Schlusspunkt des Festabends bildete schließlich eine Überraschung. In einer Laudatio würdigte Marcus Warnke den langjährigen Einsatz seines Vorstandskollegen und ernannte ihn zum Ehrenmitglied des Trans-Ocean. „Der TO funktioniert nicht ohne Menschen wie Carsten, die sich mit viel Herzblut für den Verein engagieren und all das hier möglich machen“, sagte Warnke. Unter Standing Ovations nahm Matthias sichtlich gerührt die Ehrenmitgliedschaft entgegen. Als 15. Ehrenmitglied reiht er sich in die Geschichte der prägenden Persönlichkeiten des Vereins ein.
Kirsten Kurze