Reisebericht

Weltumsegelung  Klaus Uecker, Juana Kunze Teil 3



Weltumsegelung Klaus Uecker, Juana Kunze Teil 3

Verfasst von Webmaster am 20. Dezember 2015
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Teil 3

Hier unsere weiteren Favoriten von Ozeanien (nach Ländern, bitte durchklicken)

Western Samoa

Hier tragen die Männer einen Waden-langen Wickelrock in uni oder bunt, Lava Lava genannt. So einen will auch Klaus. Nachdem sich speziell die Schulkinder auf der Straße nach uns umdrehen, immer zu Klaus schauen und kichern, bemerken wir, dass etwas an seinem Outfit nicht stimmt. Jemand klärt uns dann auf: Die Verkäuferin hat ihm einen für Schulkinder angedreht! Also gleich wieder zurück zum Laden und umgetauscht. Nun trägt Klaus zu jeder Gelegenheit ganz stolz seinen Lava Lava mit kleinem Buku (Bauch).

Wer noch nicht wach ist, der wird spätestens genau um 8.00Uhr mit den Klängen der Blasmusik (es ist Wachwechsel) geweckt. Auch im örtlichen Radiosender setzt man auf diesen Sound. Ein weiteres Rudiment aus deutscher Kolonialzeit ist das Geld: Tala. Nach 5 Wochen Abstinenz haben wir endlich wieder frisches Obst und Gemüse kaufen können. Außerdem erwerben wir gelbes Chinesenbrot. Außerdem buchen wir eine Veranstaltung im berühmten „Aggie Gray's Hotel“.

Tonga

Wir ankern direkt in Nuku'alofra, der Hauptstadt des Königreichs Tonga. Die Tonganer sind ein freundliches und zurückhaltendes Volk und sehr gottesgläubig. Sie versammeln sich täglich in der Kirche und am Sonntag mindestens 3x. Jeder noch so kleine Ort besitzt mindestens ein Gotteshaus. Auch wir besuchen wegen der beeindruckenden Chorgesänge (wie in der Oper) und der Blechbläser die Kirche. Zweimal war sogar der König George Topou IV. (schon 84 Jahre alt und mußte gestützt werden) anwesend.

Außerdem wird sonntags nie gearbeitet; nicht mal ein Taxi fährt, Fischen und Schwimmen sind verboten. Werden am Sonntag Verträge unterzeichnet, sind sie null und nichtig. Und das gilt auch heute noch! Sogar Schecks mit einem Sonntagsdatum werden von keiner Bank eingelöst.

Die Vorbereitungen für die Hochzeit der Enkelin des Königs sind in vollem Gange. Tradition und Moderne gehen oft Hand in Hand. Dazu sind 2000 Gäste geladen, die in einem großen Zelt neben dem Königspalast feiern werden. Vorher fährt das Brautpaar in einer weißen Stretchlimousine zur Kirche. Die Bekleidung ist traditionell. Die Königsfamilie trägt Tapas (nicht zu verwechseln mit etwas Essbaren; hier ist die traditionelle Bekleidung gemeint) mit einem speziellen Wappen. Wir interessieren uns für den Markt. Souvenire vom Schwertfisch, Holzarbeiten, Walschnitzereien (zu unerschwinglichen Preisen), schwarze Koralle (gibt es angeblich nur in Tonga), Bastarbeiten, Muscheln, Schildkrötenpatt und Stoffe sind sehr begehrt.

Auch die typische Landestracht "Ta'ovala", eine aus Pandanusblättern geflochtene Matte, die sich Männer und Frauen um den Leib schnüren, kann man dort erstehen. Sie variieren von zierlichen Schürzen bis zu monströsen Basthüllen mehrerer Meter Länge. Außerdem werden gehäkelte Bastteile von Männern und Frauen um die Hüfte getragen - das sieht schon recht lustig aus.

Auf unserer Inselfahrt erleben wir eine Frau am Straßenrand, die gerade kleine Kügelchen in einem Kessel über offenen Feuer frittiert. Wir sind neugierig und steigen aus. Diese Bällchen bestehen aus Hefegebäck und haben große Ähnlichkeit mit Berliner Pfannkuchen. Hier sind sie der Leichenschmaus. Wir schauen etwas betreten drein und wissen nicht, wie wir uns verhalten sollen, ist doch gleich daneben das Loch für die Erdbestattung ausgehoben und die Tapa  ( Massi ) für den Leichnam wird noch schnell mit farblichen Motiven verziert. So viele Verwendungsmöglichkeiten für ein Produkt haben wir noch nie erlebt: hier geht die Liste weiter: Verwendung  als Tischdecke, Wanddekoration oder Schlafmatte.

Falls wir gern schwimmen und schnorcheln möchten, dann verholen wir einfach nach Pangaimotu direkt gegenüber; am Wrack lässt es sich hier gut tauchen. Zu einer Abendveranstaltung mit den typisch langsamen Tänzen der Tonganer (lange nicht so viel Temperament wie in frz. Polynesien) und einer Travestieshow  besuchen wir das bekannte Datelinehotel. Wie der Name schon sagt, verläuft genau hier die Datumslinie zwischen den Polen entlang des 180. Längengrades. Pro Person zahlen wir 20 Paangas (preiswerte 8 €). Seegurke und Tintenfisch haben uns nicht so gut wie die gegrillten Muscheln, Krabbensalat, Lou und Spanferkel geschmeckt. Die Inseln der Vavau Group halten schöne Ankerplätze zum Schnorcheln bereit. Auch die Wale mit ihren Babys haben wir dort beobachtet.

Fidschi

Über Fidschi gibt es viele Berichte, deshalb wollen wir nicht so viel darüber schreiben.
In Suva treffen die Japaner wieder, die wir zuvor auf dem Suwarrov – Atoll kennengelernt haben. Sie schenken uns frische Seeigel, die sie vom Markt mitgebracht haben. Sie schmecken uns nach einer gründlichen!! Reinigung ausgezeichnet. Immer, wenn Klaus seinen Lava Lava  trägt, in Fidschi nennt man ihn Sulu, dann wird er auf der Straße lächelnd von den Insulanern angesprochen. So bekommen wir schnell Kontakt zu den Leuten. In der Lau Group gefällt uns besonders die Insel Matuka – wir taufen sie Klein Morea. Auf der Insel Kadavu erleben wir Fidschi pur. Wir befinden uns in der Kavala Bay; ringsum von grün bewachsenen Bergen umgeben. Es herrscht eine wohltuende Stille. Nur einige Vogellaute aus dem nahen Wald sind zu hören.

Unweit sehen wir ein kleines Dorf und wollen mehr über die Bräuche erfahren. Damit wir das Dorf besuchen dürfen, müssen wir uns zuvor die Genehmigung des Chiefs einholen, dem man zu diesem Zweck ein Gastgeschenk überbringt. Deshalb geht Klaus am nächsten Morgen vorerst allein an Land. Dort trifft er zufällig den Sohn vom Chief. Da sein Vater im vorigen Jahr gestorben war, hatte sein Onkel dieses Amt inne. Erst wenn der Chief keinen Bruder mehr hat, kann der älteste Sohn,und niemand anderes, Dorfchief werden. Das Wort des Chiefs ist oberstes Gebot und muss ohne Widerrede befolgt werden. Bei wichtigen Dingen, die das Dorf betreffen, holt er zuvor den Rat der Ältesten ein. Für den späten Nachmittag wird eine Kawa-Zeremonie verabredet. Wir haben uns zuvor auf dem Markt von Suva Yagona (Kawawurzel, in Fidschi auch Waka genannt) besorgt. Ich habe eine Frau angesprochen, ob sie uns dabei behilflich sein kann, denn für uns sah jede Wurzel gleich aus. Entsprechend der Anbaugebiete sind der Geschmack, die Qualität und auch der Preis unterschiedlich.

An Land werden wir freundlich empfangen, in diesem Dorf fühlen wir gleich eine angenehme Atmosphäre. Alles sieht ordentlich aus: die Häuser sind in einem guten Zustand, die Wege sind gepflegt und kein Unrat liegt herum. Unsere kleinen Süßigkeiten öffnen die Herzen der Kinder. Die Frauen tragen alle lange Röcke oder Sulus und schulterverdeckte Oberteile, sie lächeln uns freundlich zu. Das Sevu Sevu erhält der Chief: diese Gastgeschenke legen wir im Haus von Rovu (das ist der Sohn des verstorbenen Chiefs) am Boden ab. Der neue Häuptling berührt unsere mitgebrachten Yagonawurzeln und nimmt damit unser Geschenk an. Das ist dann gleichzeitig die Erlaubnis, die Insel zu betreten und sich frei im Ort zu bewegen.

Klaus bekommt einen Ehrenplatz neben dem Chief (er sitzt sonst völlig allein) und darf gleich nach ihm vom Kawagetränk trinken (alle trinken aus der gleichen Kokosnußschale; hoffentlich haben die Leute kein Herpes oder andere Leiden). Vorher wird die Wurzel ca. eine halbe Stunde gestampft, das können wir jeden Abend bis zum Schiff hören. Wenn es fein genug ist, kommt das Pulver in einen Leinensack. Das Quellwasser des Dorfes wird in die große Kawaschale geschüttet und dann wird der Leinenbeutel mehrmals im Wasser geschwenkt und immer wieder ausgewunden, bis ein lehmfarbenes Etwas entsteht. Geschmacklich können wir der Brühe nichts abgewinnen. Es folgen 2 Stunden ungewohntes Sitzen auf dem Fußboden, der vollständig mit Bastmatten ausgelegt ist. Die Füße dürfen dabei nicht zur Mitte zeigen und nur lange Gewänder sind erlaubt. Wir bemerken schon nach dem ersten Trunk eine belzige Zunge, aus der langsam das Gefühl schwindet. Während Klaus immer gesprächiger wird (das ist gar nicht typisch für ihn) werde ich immer ruhiger (die Gespräche werden langsamer, manch einer der Männer macht ein kleines Nickerchen) und in der darauffolgenden Nacht schlafe ich entspannt und mit anderen Träumen.

Wir werden herzlich von der Familie (drei Töchter und ein Sohn) aufgenommen und unsere Fragen werden ausführlich beantwortet. So erfahren wir, dass die neue Kaimauer ein Geschenk von den USA ist. Leider wohnen die Ureinwohner nicht mehr in Buren (Holzhäuser mit Palmdächern), sondern in Betonhäusern. Dadurch geht die Temperaturregelung verloren (angenehme Kühle am Tag und nachts nicht zu kalt). Vor dem Eintreten muß jeder seine Schuhe ausziehen. Ein großer Raum in Größe der Grundfläche des Hauses bildet den gesamten Lebensraum, ein kleines Stück davon ist zum Schlafen per Vorhang abgeteilt. Das Innere ist sehr spartanisch eingerichtet,Tisch und Stühle sind nicht vorhanden.

Es ist üblich, auf dem Fußboden zu sitzen, zu essen und zu trinken. Ein Sofa und ein Fernseher sind Luxus und oft treffen sich Freunde am Abend, um gemeinsam Kawa zu trinken oder einen Videofilm anzuschauen (Fernsehempfang ist nicht möglich). In einer Ecke des Raumes sind wenige Eßutensilien, meist Tee, ein Sack Reis und Zucker, deponiert. Die offene Kochstelle befindet sich draußen unter einer Überdachung. Außergewöhnlich und einmalig (weil ein kleiner Bach durch den Ort fließt) ist im Hof eine richtige Toilette mit Wasserspülung.

Später erklärt uns Rovu , dass die festen Häuser mehr Sicherheit während der Zyklonzeit bieten und tatsächlich sind seit dem keine größeren Schäden mehr durch die Stürme entstanden. Nur die alten Traditionen kommen dadurch immer mehr in Vergessenheit. Selbst das Spielen der Ukulele wird von der CD – Musik aus dem Rekorder abgelöst und das will einfach nicht so richtig dort hin passen. Abends, gegen 18 Uhr wird der Stromgenerator gestartet und die Village hat Energie zum Bereiten von Teewasser oder zum Videosehen... bis 21 Uhr. Dann ist es wieder stockdunkel. Pünktlich um 19 Uhr hören wir die Trommel, sie kündet vom Arbeitsende und Zeit zum Gebet. Wir nehmen regen Anteil am Dorfalltag.

Wir werden zu 19 Uhr zum Meeting eingeladen. Zur Begrüßung bekommen wir einen duftenden Blütenkranz umgehangen, daran schließt sich die Kawa Zeremonie an. Männer und Frauen sitzen getrennt, der Chief sitzt allein am Kopfende. Die Versammlung wurde einberufen, um Geld für den Sportplatz und Fahrgeld für die Rugby Mannschaft zu sammeln. Wir spenden gerne unser Geld, denn wir wissen, dass es für eine gute Sache ist.

Nun wollen wir ein kleines Stück Deutschland in Ihre Häuser bringen und backen Brote und bestreichen diese mit Butter und Marmelade (die Leute lieben alles Süße). Wir marschieren von Haus zu Haus, um vornehmlich den älteren Leuten eine Kostprobe anzubieten. Einem Opi gefällt das besonders und er nimmt gleich alle Stücke vom Tablett (und will doch der Omi nichts abgeben). Wir lieben insbesondere die Kruste am Brot. Das wird aber gerade Opi zum Verhängnis. Er hat fast keine Zähne mehr (Ersatzbeißerle kann er sich nicht leisten) und deshalb muss er auch lange dran knabbern.

Für die Kinder backen wir Kuchen. Klaus holt sie vom Strand ab. So eine Dingifahrt ist für sie ein großes Erlebnis, sie sind scheu und aufgeregt. Der Kuchen schmeckt allen. Da die Kinder kaum Spielsachen kennen und sich kaum jemand mit ihnen beschäftigt, ist bei uns auf dem Boot Spielstunde angesagt. Am anderen Tag gehen Rovu und Klaus zum Fischen; Rovu benutzt die Harpune und Klaus beläßt es beim Schnorcheln.

Rovu zeigt uns seine Plantage, auf der er alles anbaut, was für die Eigenversorgung notwendig ist: Kokos, Yagona, Taro, Manniok, Bohnen, Tomaten, Gurken, Mango und Papaya. Anschließend schenkt er uns Gurke und Papaya aus eigener Ernte. Nicht überall sind die Bewohner so fleißig und sorgen durch Eigenanbau für ihr Auskommen, obwohl die Natur die besten Voraussezungen dafür bietet.

Es ist Sonntag und wir sind zum Lovo (in Tonga und Samoa heißt er Umu) - Erdofenessen eingeladen. Rovu bereitet alles vor. Wir steuern Hühnchen, Corned Beef und alkoholfreie Getränke (Alkohohl ist nicht erwünscht) bei. Danach gehen wir gemeinsam zum Gottesdienst in die Kirche. Männer, Frauen und Kinder sitzen auch hier wieder getrennt. Verblüfft blicken wir drein, als am Ende verkündet wird, welche Familie wieviel Geld in den Opferstock gespendet hat. Erst nachdem auch wir gespendet haben, sind wir in das Dorfleben richtig integriert.

Nach mehreren Stunden ist das Erdofenessen fertig und wir nehmen es gemeinsam mit der großen Familie ein. Dabei bekommen erst die Männer und die Gäste die besten Stücke. Frauen und Kinder müssen warten, was übrig bleibt - etwas unangenehm für uns. Schnellere Zubereitung verspricht Ota Ika. Wir haben es lieben gelernt. Vor allem kann es jeder schnell selbst zubereiten, da die Zutaten meist alle auf dem Schiff vorhanden bzw. leicht zu beschaffen sind. Am besten selbst gefangenen frischen Fisch in kleine Stücke schneiden, Zitronensaft darüber träufeln, klein geschnittene Zwiebel, Gurke, Tomate und Paprika – alles vermischen und mit etwas Salz und Chilli abschmecken und Kokosnussmilch hinzugeben; kurz durchziehen lassen und leicht gekühlt servieren.

Vanuatu

Hier wird eine spezielle Sprache gesprochen: Bislama. Jeder Begriff wird umschrieben. Z.B.: big black box got white and black teeth alltime you hit it, it cries out : wörtlich: große schwarze Kiste haben weiße und schwarze Zähne, wenn immer du sie schlägst, sie singt - ganz einfach: Klavier

Von dieser Sprache konnten wir uns selbst ein Bild machen, als wir auf der Insel Pentecote zum Frauenforum in die Kirche eingeladen werden: Beginn 18.30 Uhr Ende der Abendveranstaltung 23.30Uhr. Wir konnten dann weder stehen noch auf den niedrigen Balken ohne Rückenlehne sitzen. Die Ohren haben uns von den vielen 150 Frauenstimmen gesummt; die Lieder werden mehrfach wiederholt und wir sind gelehrige Mitsinger, was besonders gut angekommen ist. Zu Beginn sind alle etwas zurückhaltend. Aber nachdem der Pfarrer uns herzlich willkommen geheißen hat (wir waren auch vorher beim Chief zum Anmelden) wollen uns alle am Ende des Abends unbedingt die Hände schütteln. Dieser Pfarrer ist sehr speziell. Er versteht so auf die Menschen einzureden, dass einige von den Frauen in Trance verfallen und sogar gestützt werden müssen, damit sie nicht hinfallen. Wahrscheinlich hängt das mit seinen hypnotisierenden Augen und seiner Stimme zusammen, die laufend „transformation“ ruft.
Uns reicht sein Auftritt.

Weiße sind hier eine Seltenheit. Es kommt schon mal vor, dass die Kinder uns berühren und gleich wegrennen. Die Menschen haben eine tiefschwarze Farbe, wie nie vorher gesehen.

Amryn

Amryn ist "die Vulkaninsel" mit zwei aktiven Vulkanen; die Einfahrt zum Ankerplatz ist schwierig, dafür gibt es heiße Quellen zwischen 40°C und 70°C – man kann sich also aussuchen, ob Schwimmbad oder Waschplatz.

Die Rinnsale kommen direkt aus dem Boden. Manchmal ist es so heiß, dass man den Platz verlassen muss oder nur bei Hochwasser benutzen kann, weil dann kaltes Wasser vom Ozean einströmt und alles vermischt. Wir waren sehr beeindruckt von den Korallen und den blau leuchtenden Fischen; beim Schnorcheln flimmert das warme Wasser vor den Augen; in diesem Warmwasserbecken aalen wir uns stundenlang; alles schwarzer Lavasand; abends kam eine Dunstwolke vom Vulkan; früh haben wir in der Bucht ein Schildkröte beobachtet - sehr scheu; taucht gleich unter.

Santa Maria Island

Hier erwartet uns die beste Wassermusik von der Südsee, die immer von sechs Frauen ausgeführt wird. Sie stellen sich dazu nebeneinander im Bauch tiefen Wasser auf. Durch verschiedenartiges Klatschen aus der hohlen oder flachen Hand, mit gespreizten Fingern etc. werden interessante Töne im gleichen Rhythmus hervorgebracht. So hört sich also Musik ohne Instrumente an!

Vanua Lava Island

Hier sind wir zu einem großen Eingeborenenfest (damit die alten Traditionen gepflegt und nicht vergessen werden) eingeladen. Das Fest dauert vier Tage. 13 Yachten hab es pünktlich bis zu den nördlichen Inseln von Vanuatu geschafft und ankerten in der weiten Bucht. Am Strand werden wir von einem Empfangskomitee erwartet.

Der Eintritt für alle vier Tage beträgt nur 1000 Vatu (ca. 10€) pro Person. Auf einem Stück Zuckerrohr werden unsere Namen geschrieben, was dann gleichzeitig als tägliche Eintrittskarte gilt.

Auf dem Festplatz erwarten uns weitere hunderte Eingeborene. Der Oberchief Gottfried ist der Leiter der Veranstaltung. Er ist an den beiden handtellergroßen gebogenen Schneidezähnen eines Keilers erkennbar, die er am Arm und um den Hals als Symbol höchster Autorität trägt. Um so große Zähne als Körperschmuck zu gewinnen, schlägt man jungen Keilern die oberen Schneidezähne heraus, um Platz zu schaffen, dass die unteren Stoßzähne zu einem vollen Kreis heranwachsen.

Nach altem Brauch ist es die Aufgabe des Oberhäuplings, zu Beginn des Festes ein Schwein zu töten, das er mit nur drei Keulenschlägen zur Strecke bringen muss. Das schafft Chief Gottfried spielend. Schweine spielen in Vanuatu überhaupt eine große Rolle: als Tauschgut, Wiedergutmachung bei Auseinandersetzungen, als Brautpreis und als Statussymbol.

Auch; wir Segler haben einen stellvertretenden "Häuptling" aus unserer Gemeinschaft gewählt. Mit dem Blut des getöteten Schweines wurde unser Häuptling vom Oberhäuptling im Gesicht bemalt. Somit war das Fest eröffnet. Im Anschluss werden für die Segler Früchte und Trinkkokosnüsse gereicht. Wir haben uns extra vorgenommen, nicht viel zu trinken, weil wir nicht wissen, wo wir unser überschüssiges Wasser loswerden könnten. Zu unserer Überraschung und Erleichterung ist sogar an ein Plumsklo gedacht worden.

Die nun folgenden Tänze und Gesänge beschreiben die Natur und das Leben der Menschen auf der Insel. Die teils feurigen Tänze und Gesänge sind mit viel Gestik aus dem kulturellem Leben dieser Menschen verbunden. Die Frauen tanzen traditionell in ihrem Baströckchen und oben ohne. Die Männer tragen ebenfalls Bast um die Hüften und Rasseln an den Fußgelenken, um beim Stampfen mehr Eindruck zu erwecken. Der Takt wird auf den Schlitztrommeln geschlagen.

Zwischendurch werden diese Darbietungen unterbrochen, um uns über die Sitten und Gebräuche zu informieren: Wenn ein Mann eine Frau heiraten will, dann muss er einen Brautpreis bezahlen. Er beträgt mindestens 20000 Vatu und 20000 Muschelgeld. Außerdem muss das gesamte Dorf zu einem Festschmaus eingeladen werden. Dies kann unter Umständen viel Geld kosten. Deshalb kann es vorkommen, dass zwar geheiratet wird, die Hochzeitsfeier manchmal viele Jahre warten muss, bis das notwendige Geld zusammen gespart ist.

Andere Vorführungen klären uns über die Flechtkünste der Frauen (Krabbenreusen, Schalen und Körbe) und die Schnitzereien der Männer auf. So wird z.B. der Auslegerkahn (Pirogge) in der Größe des Eigentümers hergestellt, da dieses Boot möglicherweise sein letztes sein kann und es wird dann gleichzeitig als Sarg für die Beerdigung genutzt. Falls das Boot nicht mit Farbe bestrichen werden kann ( weil keine vorhanden ), dann hält es bis zu 3 Jahre, mit Farbe länger.

Besonders interessant war für uns die Vorführung der Herstellung von Muschelgeld. Kleine, am Strand gefundene, Muscheln werden in einen Stock gespannt und auf einem Stein so lange von beiden Seiten gerieben, bis nur noch ein kleiner Ring übrig bleibt. Das ist Arbeit der Frauen. Mit diesem Muschelgeld wurden früher die Waren bezahlt. Jetzt soll diese Tradition wieder aufleben und neben dem Vatu ( was übersetzt Stein heißt ) als Zahlungsmittel auf den kleinen Inseln gelten. Mit viel Glück konnten wir etwas Muschelgeld als kostbares Souvenir erwerben.

Beliebt sind bei den Frauen Sandmalereien. Diese Bilder beinhalten bestimmte Aussagen und es ist sogar erkennbar, aus welchem Clan eine Frau einen Mann von einem anderen Clan heiraten darf. Wenn die Linie unterbrochen ist, dann ist die Heirat erlaubt; wenn die Tür geschlossen ist (durchgehende Linie), dann verboten - Auf diese Art wird Inzucht vermieden.

Snake Dance Es folgen noch viele mitreißende Kultgesänge. Der beeindruckendste Tanz war für uns der Snake- Dance. Er wird nur von Männern ausgeführt. Sie sind mit weißen Streifen am sonst völlig dunklen Körper angemalt, kleine Jungen nackend; dieser Tanz demonstriert den Kampf zwischen Gut (weiße Baumwollzweige) und Böse (schwarze Schlange).

Den abendlichen Abschluss bildet mindestens 1 Schale Kava. Zum Glück kauen ihn nicht mehr die Kinder wie früher vor, sondern es werden zum Zerkleinern der Wurzeln des Pfefferbaumes Mahlwerke benutzt. Da diese Wurzeln hier grün sind, sind sie besonders stark - kein Vergleich zu Fidschi oder Tonga. Man sollte übrigens vorher nichts essen. Der Mund fühlt sich wie nach einer Betäubungsspritze eines Zahnarztes an. Es sieht auch hier wie Abwaschwasser aus und es schmeckt auch so. Es ist reine Entspannung, es hinterlässt keinen Kater, macht nicht süchtig und ruft niemals Aggressionen hervor, sondern bewirkt einen ruhigen Schlaf.

Zuletzt haben wir Segler uns mit unseren Nationalflaggen gewapppnet und sind in Begleitung der Insulaner und den vielen kreischenden Kindern zu unseren Dingis marschiert. In unseren Dingis haben wir vor dem Publikum noch einige Runden gedreht und haben mit veralteten Seenotraketen ein Feuerwerk veranstaltet. Die meisten Raketen konnten vom Boomerang abgeschossen werden. Unter anderem hatten wir zwei Knallraketen, die - durch die Berge verstärkt - einen sehr laut donnernden Knall verursachten. Vor Schreck oder auch Angst, sind die Leute jedes mal hinter der Sanddüne in Deckung gegangen und wollten dann doch immer noch mehr vom Feuerwerk sehen.

Diese Festtage haben uns besonders wegen der Herzlichkeit und Freundlichkeit der Bewohner beeindruckt und haben uns das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer großen Familie – egal, ob weiß oder schwarz – vermittelt. Wir haben uns mit vielen Geschenken für die Gastfreundschaft bedankt und viele neue Freunde gewonnen.

Neukaledonien

Unterwegs wollte sich noch ein junger Tölpel mit blauem Schnabel bei uns ausruhen. Er balancierte auch eine Weile auf der Reling. Dann kam eine Bö, er rutsche ab und hing mit seinem Hals noch drauf - eben ein Tölpel. Aber er hat es noch geschafft, nicht ins Wasser zu patschen und ist weggeflogen. Zwei Wale, die die Luft in Fontänen herausgeblasen haben, konnten wir unterwegs aus nächster Nähe beobachten. Sie ziehen jetzt nach Tonga oder nach Norden, um ihre Jungen zur Welt zu bringen.

Auf Noumea angekommen, mieten wir uns ein Auto. Wir fahren die Serpentinen über die hohen Berge (ca. 1000m), durch Mondlandschaften (hier wurde Chrom und Eisen abgebaut) und übernachten in Port de Bois in einem Fale (der typischen Hütte mit spitzem Palmdach) direkt am Strand. In Noumea nehmen wir an einer Folkloreveranstaltung teil. Anlässlich des Vatertages wird u. a. ein Feuertanz aufgeführt.

Ile de Maitre ist zur Beobachtung von Seekühen und Schildkröten sehr zu empfehlen. Kaum hängen wir an einer Mooring, kommt gleich ein dicker Fisch geschwommen, der wohl von den Leuten gefüttert wird; den haben wir Maxe getauft. Der schwamm dann Klaus wie ein Hund hinterher. Die sechs Pilotfische haben dem Maxen immer die Happen vor der Nase weggeschnappt. Sie sehen den Haien ähnlich, sind aber völlig harmlos. Nur manchmal erkennen sie den Mensch als Andockstation und so haftet er sich ganz gern mal an ein Menschenbein.

Beim Muschelsammeln am Strand freuen wir uns, wenn wir eine Nautilus finden. Lebende Exemplare sind im Aquarium von Noumea zu sehen, die wir uns unbedingt ansehen wollen. Hier erfahren wir auch mehr über ihr Leben. Sie existierten schon zu Zeiten der Saurier. Sie schlüpfen aus einem Ei und sind zur Geburt weder männlich noch weiblich. In einem separaten Basin war eine ca. 20cm kleine Nautilus zu sehen, die im Januar dieses Jahres dort geschlüpft war. Nur in Japan und Hawaii kann man sie außerdem lebend bewundern. Sie bevorzugen eine Wassertemperatur von 20°C und halten sich in Wassertiefen zwischen 15 m und 60 m auf. Mit 10 Jahren werden sie geschlechtsreif und das durchschnittliche Lebensalter beträgt 12 Jahre.

Außerdem fanden wir die luminiszierenden Korallen faszinierend. Sie gedeihen in ca. 30 Meter Wassertiefe. Wenn UV- Licht auf sie trifft, dann fängt das Pektin an, zu leuchten: blau, weiß, gelb, orange, lila, braun und grün. Das haben wir vorher noch nie gesehen ( wir sind keine Taucher ).

Huon Riff

Position: 18° S 02 ' 409 '', 162°E 57 ' 418 ''
Dieser Stopp ist wirklich unvergesslich. Plötzlich, aus dem Nichts, erhebt sich eine kleine flache Insel. Es riecht nach Vogelkolonie und da kommen sie auch schon angeflogen und beäugen uns Neuankömmlinge. Sogar die Schildkröten befinden sich in Flitterwochenstimmung. Ein liebestolles Schildkrötenpärchen nähert sich unserem Schiff. Selbst als sie mit unserer Ankerkette kollidieren, reagieren sie nicht. Erst als sie sich in unserer Ankerkette verfangen, bemerken sie uns Eindringlinge. Das Männchen lässt seinen Schatz trotzdem nicht los und so tauchen sie gemeinsam ab. An Land und im seichten Wasser zählen wir bis zu 60 Riesenschildkröten. Sie warten auf die Dämmerung, um dann ihre Eier an Land zu vergraben. Am Tag darauf sehen wir die „Traktorspuren“ im Sand. Es ist die reinste Mondlandschaft entstanden. Die Vögel finden nicht so gute Bedingungen vor, denn das Nistmaterial ist rar. So kommt es vor, dass sie einfach ihr Ei in den heißen Sand am Strand legen, aber hoch genug, damit die Ebbe oder Flut das Ei nicht wegspülen können. Wir sind allein und eins mit der Natur, herrlich. Aber als wir zurück zu unserem Schiff wollen, ist unser Dingi nicht mehr einsatzbereit. Durch die intensive Sonneneinstrahlung haben sich die Nähte gelöst und die Luft ist aus den Schläuchen entwichen. Der Außenborder findet keinen Halt mehr. Jetzt ist es nicht mehr herrlich. Was tun, so weit ab und allein? Auf Hilfe von außen kann man nicht warten, denn hier her kommen nur höchst selten Schiffe. Hier ist es mal von Vorteil, wenn das Wasser viel Unrat aus dem Meer anspült. Wir suchen einige kleine runde Fischerbojen aus Plastik und verbinden sie als Schwimmkörper notdürftig mit dem Gummiboot. Klaus muss mich mit dem Außenborder auf der Insel zurücklassen. Er muss allein gegen die Strömung paddeln, um unser großes Dingi vom Schiff zu holen. Nach der Hälfte der Strecke geht selbst das nicht mehr und er kann nur noch schwimmen. Ich verfolge die ganze Aktion und hoffe, dass die Haie ihn nicht attackieren. Wir waren beide froh, als er mich mit unserem großen Dingi von der Insel abholen konnte. Im Nachhinein wäre es aus Sicherheitsgründen besser gewesen, gleich das stabile große Dingi zu nutzen.

Chesterfield Riff

Vögel am Chestefield Reef Position:  19° S 53' 333'', 158° E 27' 986''

Fünf kleine Motus laden zum Erkunden ein. Viele Vögel, wie Tölpel, Seeschwalben und Fregattvögel nisten auf den kleinen Büschen. Die Unterwasserwelt ist völlig in Ordnung; wunderschöne farbige Korallen, Fische und sogar eine Schildkröte im Wasser beobachtet.

In der Ferne sehen wir zwei große Wale, die laufend aus dem Wasser ragten und mit dem halben Körper in der Luft hin und her fächerten, alles einfach unbeschreiblich schön.

 

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