Reisebericht

Mit Kletterseil nach Norwegen



Mit Kletterseil nach Norwegen

Verfasst von Kirsten Panzer am 9. Januar 2018
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Eigentlich war das alles so gar nicht geplant. Richtung und Zeit hatten wir, doch mehr? Dem Fine­tuning wollten wir uns unterwegs widmen. Doch eins war von vornhinein klar, an Bord würden wir auf alle Fälle auch unsere Ski- und Kletter­aus­rüstung verstauen!

Es sollte nach Norden gehen und die Zeit würde lediglich durch den kommen­den Winter limi­tiert sein. Wir wollten auch nicht nächte­lang durch­segeln, sondern Tages­etappen machen. Wo es uns gefällt, wollten wir bleiben, wenn der Wind günstig weht, wollten wir weiter segeln. Frei wollten wir sein in unseren Ent­schei­dungen. 

Angefangen hatte alles vor ungefähr zehn Jahren. Wir sind beide seit unserer Jugend begeisterte Kletterer und Bergsteiger. Zum Segeln wurden wir angeregt durch ein Buch über eine Nonstop Welt­umseglung. Aber die Weltumsegelung klang wie die Aben­teuer, die wir als Bergsteiger erlebt hatten. Draußen in der Natur, Karten und Kompass, Wetter, Entschei­dungen treffen über weiter oder zurück und vor allem klang es nach Abenteuer und Reisen. Schnell wurden Segel­kurse und die üblichen Scheine gemacht. Nach einigen Jahren auf gecharterten Yachten haben wir uns die Noe gekauft. Das Schiff ist aus Alu, Deckshaus, Hubkiel, von Bercke­meyer gezeichnet und in Emden gebaut. Groß genug, um darauf zu leben, sicher genug, um einiges zu über­stehen. Wir üb­ten und gewöhnten uns ein, dann endlich ging es wirklich los.

Wir wollten zunächst mal nach Norden - Norwegen verbindet alle Elemente von Segeln und Berg­stei­gen. Da wir auch hofften, noch einige Ski­touren machen zu können, war der Start in Egå für Anfang April geplant.
Vielleicht schaffen wir es ja bis zu den Lofoten….

Bei unserem Start am 8. April ist es wolkenlos aber mit nur drei Grad bitter­kalt. Der Wind kommt per­fekt aus Westen und die ersten Etappen stehen fest: Grenaa, Anholt, Mar­strand und Smögen. Eigent­lich alles beliebte Ziele bei Seglern, doch um diese Zeit ist man alleine unter­wegs und kann sich den besten Platz zum Anlegen aus­suchen. In Anholt sind wir das dritte Segelboot in diesem Jahr und wer­den vom Hafen­meister persön­lich begrüßt – wer hat das schon mal im Sommer erlebt? Bis auf die niedrigen Tempe­raturen und einige Schnee­schauer sind die Bedin­gungen ideal zum Segeln. Und wenn die Sonne sich zeigt, wird es fast warm. Zwischen Mar­strand und Smögen können wir dann sogar den Para­sailor testen, unsere neue Errungen­schaft für raumen Wind. Er wird bald zu unserem Lieblings­segel. Die Über­fahrt nach Norwegen erfolgt von Smögen nach Risor. 

 In Farsund werden wir durch starken Wind aus Nord­westen gestoppt, der unsere Weiter­fahrt nach Eger­sund verhindert. Nach einer Woche des Wartens ken­nen wir die meisten Wande­rungen und Rad­touren in dieser Gegend. Da wir direkt neben dem Super­markt liegen und Far­sund auch sonst einiges zu bieten hat, war der Stopp eigentlich will­kommen, nach zehn Tagen Segeln. Inzwischen sind wir drei Boote im Hafen. Die beiden Nor­weger, die neben uns liegen sind auf Über­füh­rungs­törn in den Norden. Schnell hat sich eine gemein­same Runde in unse­rem Boot gefun­den und wir be­kom­men viele Tipps für unsere Weiter­reise.

Die Häfen in Norwegen sind unter­schied­lich ausge­stattet: Strom und Was­ser gibt es in den meisten, Dusche und Wasch­ma­schine nach Norden hin immer selte­ner. Eine Dusche haben wir aber an Bord, also kein Pr­oblem. Zum Bezah­len wird der pas­sen­de Be­trag in einen Brief­um­schlag ge­steckt und die­ser mit Boots­namen, Namen des Eigners und Datum be­schriftet in den Kassen­kasten des Hafens einge­worfen. Alles funk­tio­niert auf Ver­trauens­basis. Hin und wieder gibt es weder Kuverts noch einen Kasten, da wir noch zu früh unter­wegs sind. Dann fällt die Bezah­lung aus. Die Saison beginnt in Nor­wegen erst Mitte Juni.

Nur in den großen Städten wie Bergen, Bodø oder Tromsø gibt es Bezahl­auto­maten. In einigen Häfen im Norden lagen wir oft kosten­los, da dort nie­mand darauf einge­stellt ist, dass jemand Liege­gebühren bezahlen möchte (O-Ton eines Hafen­meisters) oder, wie in Hammer­fest, dem Hafen­meister schlicht das Wechsel­geld fehlte. Im Schnitt zahlt man 100 bis 150 norwe­gische Kro­nen inklusive Strom und Wasser für 24 Stunden (ca. 10 bis 16 Euro). In einigen Häfen kann man auch die App “gomarina“ zum Bezah­len verwenden. Der teuer­ste Hafen, in dem wir in Norwe­gen bisher waren, ist Tromsø Stadt­mitte mit 270 NOK - etwa 29 Euro, inklusive allem, Strom und Wasser. In manch ande­ren Län­dern gibt es für das Geld nicht mal einen Platz an der Boje.

Die nächsten Segel­boote treffen wir in Bergen, wo wir am 29.04. einlaufen und an der Prome­nade in der In­nen­stadt fest­machen – direkt vor den histo­ri­schen Holz­häusern. Die Hanse­stadt Bergen zeigt sich von ihrer besten Seite mit Sonne und ange­nehmen Tem­pe­ra­tu­ren. Einige Nor­weger haben sich am Hafen mit ihren Booten für das Wochen­ende ver­sam­melt, meist um ihre Boote aus dem Winter­lager in den Heimat­hafen zu über­führen. Der Liege­platz war ent­gegen den War­nun­gen im Hafen­führer ange­nehm. Aller­dings werden wir am näch­sten Morgen schon vor 6 Uhr durch laute Musik geweckt – der Bergen Mara­thon steht auf dem Pro­gramm. In der Nacht wurden von uns unbe­merkt Start, Ziel und eine Bühne neben unse­rem Schiff auf­gebaut. Der Start­schuss zum Lauf, ist dann auch für uns das Zeichen, nach Norden weiter zu ziehen.

Das nächste High­light ist die Vogelinsel Runde: Gerade recht­zeitig zum Start der Brut­saison der Pa­pa­geien­tau­cher laufen wir im Hafen ein. Die Wan­de­rung zu den Brut­stätten ist gut mar­kiert. Man kommt in einem abge­sperrten Gelände bis auf 10 Meter an die Vögel heran. Die beste Zeit zum Beob­achten ist der späte Abend, wenn viele Papa­geien­taucher mit den Schnäbeln voll kleiner Fische zum Nest zurück­kehren. Später auf unserer Reise sehen wir noch tau­sende von Papa­geien­tau­chern auf dem Wasser, die, sobald man sich mit dem Boot nä­hert, sofort wieder ab­tau­chen.

Runde ist die erste große Vogel­insel entlang der nor­we­gischen Küste. Viele weitere folgen. Mit dem Boot kann man die meisten um­run­den und so nahe an die Vögel heran­kom­men. Das Be­tre­ten der Inseln ist zur Brut­zeit verboten. Neben den Papa­geien­tau­chern nisten dort oft auch ver­schie­dene Arten von Möwen, Tölpeln, und See­adler. Bewährt haben sich in Runde auch un­sere Fahr­räder, die uns einen langen Fuß­marsch auf einer Teer­straße zum Start der Tour erspart haben. Wir haben zwei klapp­bare Moun­tain­bikes auf dem Boot, die mit wenigen Hand­griffen einsatz­bereit sind. Verstaut werden sie in der Backs­kiste. Einen Fahrrad­verleih haben wir in Nor­wegen eher selten gesehen.

Östlich von Ålesund in Øye kommen wir dann endlich zu unserer ersten Berg­tour. Wir haben uns den 1564 Meter hohen Slogan vor­ge­nom­men. Da die Tour vom Boot aus beginnt, sind das auch die Hö­hen­meter, die wir hoch müssen, wir fangen ja wirk­lich auf dem Mee­res­spie­gel an.
Eigentlich könnte man noch eine Skitour machen, da der Schnee auch südseitig bis auf 700 Meter he­runter reicht, doch wir sind einfach zu faul, um unsere Ski bis dort­hin zu tragen. Zunächst führt uns der Weg am klas­si­schen Berg­hotel in Øye vorbei, ein im 18. Jahr­hundert von Eng­län­dern errich­teter Berg­stütz­punkt mit richtig viel Flair. Von dort geht es auf dem be­schil­derten Pfad entlang bis zur Schnee­grenze ganz gut nach oben. Weiter oben müssen wir dem Gelände ent­spre­chend eine Spur durch den wei­chen Schnee legen. Es ist oft nicht klar, ob wir wei­ter­kom­men. Der finale Grat zum Gip­fel steilt sich zum Schluss noch etwas auf. Doch der Aus­blick auf die Fjorde und die umlie­gende Berg­welt belohnt uns für die Mühen. Unten im Hotel erfahren wir, dass wir in diesem Jahr die ersten waren, die den Gipfel von Süden aus bestiegen ha­ben.

Auf der Strecke nach Norden gilt es einige kritische See­strecken zu meistern. Neben dem Kap Lindes­nes, ganz im Süden vor Far­sund, und Lista, nord­west­lich von Far­sund, wartet vor Runde das steile Kap Stott. Das Kap ist wegen seiner star­ken Strö­mung und Win­de berüch­tigt. Der Golf­strom strömt hier direkt mit zwei Knoten an die Küste. Auf dem Weiter­weg nach Kristian­sund muss man durch Husta­vika einem weiteren schwie­rigen See­gebiet mit viel Strö­mung und Un­tiefen. Da wir aber Zeit haben, können wir das richtige Wetter abwar­ten. Die Wetter­infor­ma­tionen bekom­men wir täglich von Wetter­welt und vom norwe­gischen Wetter­dienst aus dem Inter­net unter YR.no. Darüber hinaus infor­miert der Küsten­funk auf Kanal 16 immer über lokale “naviga­tional warnings“, die dann auf dem Arbeits­kanal abzu­hören sind. Die Infor­mationen sind auf Norwe­gisch und Eng­lisch. Es ist schon erstaun­lich mit welcher Genauig­keit die Prog­nosen zu­treffen – bisher haben wir keine Über­ra­schun­gen erlebt. Das not­wendige Internet zum Laden der In­for­ma­tio­nen ist ent­weder über Mo­bil­funk oder WLAN an der ge­sam­ten Küste pro­blem­los möglich. Die Ab­deck­ung des Mobil­funk­netzes geht von der Küste auch weit auf die See hinaus.
Brønnøysund liegt strecken­mäßig genau in der Mitte zwi­schen dem Süd- und Nord­kap. Wir ver­brin­gen dort eini­ge Tage, zum einen wegen des schlech­ten Wet­ters und zum an­deren wegen des Torg­hatten. Der Torg­hatten hat ein Loch im Berg, durch das man von See aus durchsehen kann. Wir las­sen uns das nicht ent­gehen und radeln zum Berg, wan­dern durch das Loch und an­schließend auf den Berg hinauf. Die Sage um das Loch hat natür­lich wie so oft in Nor­wegen mit Trol­len, Prin­zes­sin­nen und mit dem Son­nen­auf­gang zu tun.

Das Berg­wandern oder Wandern gene­rell ist in Nor­we­gen Volks­sport. Es gibt in vielen Bezir­ken aus­ge­wähl­te Berg- und Wan­der­tou­ren, in deren Gip­fel- oder Strecken­buch­kas­set­te dann ein Code ver­steckt ist, mit dem man sich über das In­ter­net regi­strie­ren kann. Ziel ist es die Leu­te zum Wan­dern zu ani­mie­ren. Doch auch in der Rang­liste der fleißigen Gip­fel­sam­mler im Be­zirk ganz oben zu ste­hen und mög­lichst viele Gip­fel zu sam­meln, scheint at­trak­tiv zu sein. Trotz­dem waren wir auf den mei­sten Wan­de­run­gen al­leine unter­wegs.
Die Touren sind in vier ver­schie­dene Schwierig­keits­grade unter­teilt. Eine große Aus­wahl von Touren kann man unter www.ut.no finden – leider nur auf Norwe­gisch. Aber auch auf den Inter­net­seiten der einzel­nen Be­zirke sind alle, im Wett­bewerb auf­ge­nom­menen Touren als Down­load zu finden. Auch die Tou­risten­büros bieten Infor­ma­tionen und wir hatten zur Ergän­zung noch einen guten Wander­führer vom Rother Ver­lag dabei.

Die Wege sind meist nicht so gepflegt, wie man das bei­spiels­weise aus den Alpen ge­wohnt ist. Nicht über­all sind zum Bei­spiel Markie­rungen zu finden. Die Orien­tie­rung ist oft ein Teil der Tour. Die als schwie­rig kate­go­ri­sier­ten schwar­zen Touren haben zum Teil gar keinen Weg, dann geht es ein­fach quer­feld­ein. Die Rich­tung muss ge­hal­ten werden, um ans Ziel zu kommen. Aus­nah­men sind aller­dings die Tou­risten­pfade zu be­rühm­ten Plät­zen wie zum Bei­spiel Torg­hatten – hier gibt es aus­rei­chen­de Beschil­derun­gen und gepfleg­te Wege.

Auf un­se­rem weiteren Weg liegt die In­sel Vega, be­rühmt wegen ihrer Eider­enten, denen hier ein vor den Men­schen geschütz­ter Nest­bau ermög­licht wird. Im Gegen­zug wer­den nach dem Brüten von einem Pfle­ger die, von der Ente für den Nest­bau gerupf­ten Dau­nen­federn, einge­sam­melt und ver­ar­beitet. Diese Pflege und Kul­tur wurde in die Liste der UNESCO Welt­natur­erben aufge­nommen. Die Eider­daune ist die leich­teste und wärm­ste Daunen­art. 

Als wir in Vega im Super­markt beim Ein­kaufen sind, gibt es ein über­ra­schen­des und freudiges Wieder­sehen mit einem der Segler aus Far­sund. Er hatte uns von Vega erzählt, aber das war zu dem Zeit­punkt noch so weit weg für uns. Schnell verab­reden wir uns zum Abend­essen auf unserem Boot, bei dem er uns von seiner Boots­über­führung berich­tet. Irgend­wie klagen wir schein­bar zu viel darüber, dass wir die ganze Strecke nach Süden in diesem Jahr wieder zurück segeln müssen, und bekom­men von ihm den Tipp, das Boot den Winter über in Norwegen zu lassen. Der Eigner einer Werft in Brønnøy­sund sei der Arzt von Vega – und der nehme ausge­suchte Segel­boote über den Winter auf. Am näch­sten Tag war alles fix: Unser Boot bleibt über den Winter in Brønnøy­sund. Der Antrag beim Zoll wird ausge­füllt, die Bestä­tigung des Besit­zers der Werft und Arztes von Vega, bekom­men wir sofort. Ein paar Wochen später liegt uns das GO vom Zoll vor. Ein weite­res Jahr wäre zudem mög­lich, wenn der Antrag vor Ab­lauf der gültigen Bestä­tigung gestellt wird. Das eröff­net uns natürlich einen weiten Hori­zont nach Norden - und es ist erst Ende Mai … und es wird für uns ein zweites Jahr in diesem wunders­chönen Land geben.

Da sich nun das Wetter von seiner besten Seite zeigt - 10 bis 15 Knoten Wind, wolken­loser Him­mel, ange­nehme 15 Grad Luft­tempe­ratur - beschließen wir über Lovund nach Trænæ zu segeln. Die steilen Berge dort haben unsere Aufmerksamkeit geweckt. Besonders der Trænstaven lockt uns mit seinem Nordwestgrat im 4. Schwierig­keits­grad - einen leich­teren Auf­stieg gibt es nicht. Die Insel hat zwei perma­nente Be­wohner, doch sie können uns bei der Auf­stiegs­pla­nung nicht helfen - da hoch gehen sie nicht! Na gut, jetzt muss uns unsere lang­jährige Erfah­rung helfen. Der Ein­stieg ist schnell ge­funden und dann geht es einfach immer an der Kante hoch - guter Fels, etwas Gras und extrem ausge­setzt. Dem Gipfel­buch ist zu ent­nehmen: Wir sind die dritte Seil­schaft dieses Jahr auf dem Gipfel. Pro Jahr gibt es nicht mehr als zehn Bege­hungen. Das Klettern findet in Nor­wegen in seiner tradi­tio­nellen Form statt, auch Trad-Klettern genannt. Die Zwischen­siche­rungen und Stände sind in den Klet­ter­routen selbst und mit eigenen Mittel anzu­bringen. Haken finden wir in den Wänden kaum. Wir haben zur Absiche­rung der Routen unser kom­plet­tes Set an Klemm­keilen, Friends und Schlin­gen dabei.

Die vielen Inseln und Untiefen verwir­ren manch­mal, die Orien­tierung scheint schwer. Wir haben zur Navi­gation keine Papier­karten mit­ge­nommen. Wir verlassen uns auf den Plot­ter des Schif­fes und das Jahres-Abo von Navio­nics auf dem iPad und auf dem iPhone. Über WLAN können wir ständig eine aktuel­le Karte laden und wir haben damit auch gleich zwei Backups. Die Pla­nung erfolgt be­quem auf dem iPad. In der Detail­dar­stel­lung ist das iPad besser als der Plot­ter. Zur weite­ren Infor­ma­tion haben wir den Havne­guiden Band 4 von Bergen nach Kirke­nes und den Norwe­gian Crui­sing Guide Vol 1-33 dabei. Die Infor­ma­tio­nen über die Häfen sind manch­mal ver­altet, denn meistens sind sie besser als be­schrieben.
Am 5. Juni erreichen wir die Lofoten. Von Bodø geht es rasch nach Nord­westen. Eigent­lich wollen wir nach Mos­kenes. Da der Wind zu viel West­kompo­nente hat, landen wir weiter süd­lich auf der Insel Varøy. Im siche­ren Hafen können wir einen auf­kom­menden Nord­west­sturm ab­war­ten.

Durch den berühmt be­rüch­tigten Mal­strom zwi­schen Varøy und Mos­kenes geht es mit Wind und Strö­mung aus west­licher Rich­tung nach Sør­vagen. Die Tide hat im Nor­den Nor­we­gens einen Hub von bis zu drei Metern. Die Mee­res­strö­mung kann in den Meeres­engen bis zu 6 Knoten bei Wind­unter­stützung er­reichen. Die Infor­ma­tion­en über die Ge­zeiten und Ströme haben wir aus dem nor­we­gi­schen Tiden­kalender, der frei im Internet zur Ver­fügung steht. Wei­tere Infor­ma­tio­nen gibt es auf YR.no, storm.no und im Norwe­gian Crui­sing Guide. In vielen Häfen gibt es Schwimm­stege. Jedoch in kleinen Häfen im Norden, muss mit dem Tide­hub beim An­legen gear­beitet werden. Oft liegen wir am Gemein­de­dock mit Auto­reifen auf ver­schie­denen Höhen. Zwei große Kugel­fender und lange Leinen helfen uns dabei opti­mal.

Das Wetter ist nach wie vor sehr gut und wir sind noch früh im Jahr. Wie weit ist es eigent­lich zum Nord­kap? Die Route im iPad zeigt je nach Strecke etwa 350 See­meilen an. Der Weg dorthin führt uns um herum, um Kva­løya und durch den Sørøy­sund nach Hammer­fest, der nörd­lich­sten Stadt der Welt, mit dem nörd­lich­sten Wald der Welt. Alles hier ist irgend­wie das “nörd­lich­ste der Welt“, der Golf­strom macht es möglich. Senja und Kva­løya stehen den Lofo­ten, in Punkto Bergen und wilder Land­schaft in nichts nach. 

Kurz vor Mitter­nacht schaltet die Natur gefühlt herun­ter. Das Licht wird gelb durch die tiefe Sonne. Mitter­nachts­segeln findet bei Tages­licht statt. Das Meer ist rau, Nord­meer. Viele Möwen und Papa­geien­tau­cher begleiten uns. Kein Boot weit und breit. Die Küsten sind steil, grün, oft unbe­wohnt. Wie schwe­res Wet­ter hier aus­sieht, können wir nur er­ahnen. Meist mit vol­lem Groß und Genua, manch­mal auch mit dem Para­sailor geht es weiter nordwärts. Hamn, Husøy, Torsvåg, Hasvik, Ingøy sind einige der Namen unserer Stopps. Am ersten Juli um­runden wir das Nord­kap Rich­tung Osten, ein­sam bei 12 Knoten Wind aus West und wolken­losem Wet­ter. Tau­sen­de Be­sucher auf dem Kap - Hoch­saison, wir sehen sie durchs Fern­glas. Wir sind uns einig: Da wol­len wir jetzt nicht hoch. In Skar­svåg machen wir fest. Von jetzt an geht es nur noch Rich­tung Süden.

Christine und Thomas Bogdain 
SY Noe, www.segeln-und-klettern.de


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  Kommentare

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Wenn ich nur nicht so kälteempfindlich wäre, wäre es auch für mich eine Wunder bare Reise.
Doch so liege ich bei drei Grad in Deutschland und baue meine Balu aus.
Walter

Vielen Dank für den schönen Bericht

By Decresc. on 12.01.2018 21:14:22
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Wenn ich nur nicht so kälteempfindlich wäre, wäre es auch für mich eine Wunder bare Reise.
Doch so liege ich bei drei Grad in Deutschland und baue meine Balu aus.
Walter

Vielen Dank für den schönen Bericht

By Decresc. on 12.01.2018 21:14:20
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Wenn ich nur nicht so kälteempfindlich wäre, wäre es auch für mich eine Wunder bare Reise.
Doch so liege ich bei drei Grad in Deutschland und baue meine Balu aus.
Walter

Vielen Dank für den schönen Bericht

By Decresc. on 12.01.2018 21:14:17

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