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Das Ende der Mini-Kampagne -Erklaerungsversuch


 

Das Ende der Mini-Kampagne -Erklaerungsversuch

Verfasst von Kirsten Panzer am 16. Juli
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Das Mini-Projekt des Trans-Ocean hat ein jaehes Ende gefunden, das ist bekannt.

 

Aber woran lag es?

Was ist der sicherlich nicht leichten Entscheidung voraus gegangen? Ein kurzes Resuemee auf der Suche nach Antworten. 

Die Zielsetzung war klar - Trans-Ocean wollte seine eigene Mini-Kampagne starten. Am Ende sollte die Teilnahme an der Einhandregatta Mini Transat 2021 stehen, ein Segler allein und nonstop über den Atlantik. Der Verein wollte sich engagieren, jugendliche Segler fördern und dadurch auch ihr Interesse gewinnen. So wollte man der inzwischen die gesamte deutsche Vereinslandschaft betreffende Überalterung entgegenwirken, junge Segler auf den Verein aufmerksam machen und diese natürlich auch gern als Mitglieder gewinnen. Man kann sagen, das zumindest ist schon einmal, wenn man die Kürze der Zeit betrachtet, gelungen. Nie zuvor waren mehr Klicks und Likes auf der TO-Facebookseite, als seit der Ankündigung, dem Auswahlverfahren und dem Start der Minikampagne. 

 

Schnelles Segeln für TO

Warum es ausgerechnet eine Regattakampagne werden sollte, ist in der Geschichte des Vereins begründet. Denn die Wurzeln des TO liegen klar im Regattasport und dazu auch noch im von offizieller Verbandsseite lange verpönten Einhandsegeln. Bewusst wurde das Vielen gerade bei der Beschäftigung mit der Vereinstradition anlässlich des 50-jährigen Jubiläums. Auch der Name des Minis Mex rührt daher, erinnert er doch an die Yacht, mit der Claus Hehner einst das erste Einhand-Nonstop-Pazifik-Race gesegelt ist. Um ihm die Teilnahme daran zu ermöglichen, wurde Trans-Ocean gegründet.

Mini Mex - und damit die Kampagne - erreichte Tausende. Zu verdanken war dies natürlich auch dem mehr als vielversprechenden Start, als Mini Mex nach scheinbar unendlicher Schrauberei, zum ersten Mal so richtig losgelassen wurde. Das Baltic 500 stand an, 500 Seemeilen nonstop durch die Ostsee. An Bord: Maurice Oster und Oliver Tessloff. Und sie legten ein Rennen hin, das man fast schon als legendär bezeichnen könnte. Start-Ziel-Sieg vom Feinsten, 50 Seemeilen vor dem nächsten zweitplatzierten Mini kreuzten sie die Ziellinie vor Strande. Ein Sieg, der Aufsehen erregte. 

 

So weit so gut! 

Doch was kam dann? Was führte zu dem Aus, das für die einen ganz plötzlich und unvermutet kam und für die anderen durchaus mit der Zeit doch absehbar? 

Die anderen waren in diesem Fall der Vorstand, dessen Alltagsgeschäft sich immer mehr hin zu einem Mini-Job entwickelte. Dies allerdings barg die Gefahr, dass nicht mehr genug Zeit bleiben würde, um sich auch mit den anderen Aufgaben des Vereins zu beschäftigen, dort Kraft und Energie einbringen zu können. Schließlich haben alle Vorstandmitglieder auch noch einen „Neben“-Job, sind also Vollzeit beschäftigt und üben das Amt des Vorstandes in ihrer Freizeit aus. 

Das war natürlich nichts Neues. Doch kristallisierte sich mit den Monaten immer stärker heraus, dass das Projekt wesentlich arbeitsintensiver war als gedacht. Die geplante Aufteilung der Vorstandarbeit ließ sich kaum noch bewerkstelligen Und bekanntlich sind die Ressourcen und die Man-Power endlich. Dazu fiel auch noch der Erste Vorsitzende aus, was zwar angekündigt war, aber eben doch auch Arbeitsstunden aus dem Projekt abzog. Die Unterstützung von Seiten der Mitglieder war begrenzt, dafür bei manchen aber auch spontan und intensiv, aber eben nur für kurze Augenblicke. Trotzdem muss da noch einmal für einen innerhalb von wenigen Stunden organsierten nervenaufreibenden Autotransfer von der Ostsee nach Italien gedankt werden!

 

Ein erstes Fazit

Den zu erwartenden Arbeitseinsatz hatte man vielleicht nicht ganz realistisch eingeschätzt, oder aber die Erwartungen an Arbeitsunterstützung zu positiv gesehen.

Aus dem einen ergibt sich das andere – die Sponsorensuche oder besser die Sponsorenfindung fiel nicht aus wie gedacht. Vielleicht war man da zu blauäugig, denn schließlich haben auch wesentlich hochkarätiger Projekte im Segelsport mit ihrer Finanzierung zu kämpfen. Vielleicht war es aber auch ein strukturelles Problem. Auf alle Fälle wurden nicht alle Ideen konsequent und zeitnah verfolgt. Was sicherlich auch an der Überbelastung lag. Hätte man das im Vorhinein absehen können? Wieder so eine Gretchenfrage. Der Wille allein genügt eben manchmal dann doch nicht und das Zahnfleisch, auf dem alle liefen, war schon deutlich zu sehen. Pläne, Tabellen, all das gab es, allein die Umsetzung klappte nicht wirklich. 

 

Zu früh, zu schnell?

Vielleicht hätte man sich mehr Zeitnehmen sollen. Schließlich war die Auslieferung der Minis erst für Ende der Saison geplant. Doch dann beschloss man, dass beide Mini Segler sich fürs Transat qualifizieren sollten. Man wollte auf Nummer sicher gehen, denn es könnte ja auch einmal einer ausfallen. Und wieder der ungeliebte Konjunktiv – Vielleicht wäre man mit der Finanzierung schon weiter gewesen, wenn sich die Planung bis zum Ende hätte durchziehen lassen. Dann hätte man rund acht Monate länger Zeit gehabt, am Sponsoring zu arbeiten. 

Neben Haupt- und Nebensponsoren war der Vorstand allerdings auch davon ausgegangen, dass sich Mitglieder mit Spenden an dem Projekt beteiligen würden, doch auch diese hielten sich sehr in Grenzen. Ganz einfach, man hatte mehr erwartet. 

Nun kann man, wie es auch im Netz kommuniziert oder dem Verein vorgehalten wurde, erst das Geld beschaffen und dann die Pläne aus der Wundertüte holen. Ja das kann man und vielleicht sollte man das auch, aber auf der anderen Seite, wollte man auch für die „die da draußen“ öffentlich kommunizieren und auf die Kampagne aufmerksam machen – je mehr Resonanz umso lohnenswerter wird ein solches Projekt auch für Sponsoren. Und außerdem war das Ziel dieser Kampagne ja auch, die Bekanntheit des Vereins zu steigern.- Dies ist nun gelungen, aber allerdings nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte!

 

Wassereinbruch

Und dann auch noch das – der Mini hat die 1 000 Seemeilen-Qualifikation auf der Nordsee nicht durchgehalten, technische Schäden traten auf. Nun kann man sagen, dass sei normal und das stimmt natürlich auch, gerade bei Regattaschiffen. Doch der Ausfall beziehungsweise der wohl überlegte Abbruch der Qualifikation sorgte für eine weitere Verunsicherung im Vorstand. Die offene Finanzierung, all die andere Arbeit, für die es kaum noch Kapazitäten gab und dann auch noch das. 

 

Der Konjunktiv

Hätte, wäre – ja, es hätte alles, oder vieles, anders laufen können, doch kann man sagen, dass alle mit Herzblut bei der Sache waren, viel investiert, viel geopfert haben, doch am Schluss musste eine Entscheidung fallen: Weiterhin volles Risiko laufen, auch auf die Gefahr hin, dass….? Oder besonnen bleiben (oder werden) und eine für den Verein seriöse und von allen tragbare Entscheidung treffen?

Diese ist nun gefallen, das Mini-Projekt des Trans-Ocean ist beendet. 

Doch „sag niemals nie“ oder „es wird einmal ein Wunder geschehen“ …
 


  Kommentare

Bisherige Kosten
Erstellt von S/Y Immigrant Song am 24.07.2019 16:58:41
In Anlehnung an ein anderes gescheitert es Projekt, die Pkw-Maut stellt sich die Frage nach den bisherigen Kosten für das Engagement.
- wie hoch waren die bisherigen Ausgaben für die Kampagne?
- Gibt es noch Folgekosten aus dem Abbruch?
- Welche Kosten sind durch Sponsorengelder abgedeckt?
- Können die Sponsoren geleistete Spenden nach dem Abbruch zurück fordern?

Und, letztlich, was hat das ganze am Ende den Verein gekostet?

Wie erwartet
Erstellt von S/Y Immigrant Song am 19.07.2019 13:48:01
Leider bestätigt dieser Beitrag sämtliche Bedenken die ich damals als Vorstand mit dem Projekt hatte. Die massive Selbstüberschätzung der zeitlichen Einsatzmöglichkeiten tragisch. Ohne Geschäftsführer sind solche Projekte nicht zu stemmen.

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