Verstanden

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Wie funktioniert das mit der Energie

Verfasst von Kirsten Panzer am 4. Februar 2020
img

Für seine Segelyacht Infinity brauchte Martin Schiller ein neues Energiekonzept, da das der Voreigner für ihn nicht ausreichend war und diese damals beim Refit ihrer Yacht auch keinen Trenntransformator vorgesehen hatten. Es gab also viel zu tun - was alles erklaert Martin Schiller ausfuehrlich in seinem Bericht. 

Als ich meine Segelyacht Invinity übernommen hatte, stellte sich die Frage wie man ein vernünftiges Energiekonzept umsetzen kann. Der Voreigner hatte bei dem jahrelangen (1998 - 2015) Refit des Bootes einen Landanschluss vorgesehen. Der Generator war durch einen neuen ersetzt (Onan 10kW) worden. Der alte Generator versorgte bis dahin das Schiff mit 230 V, einen Landanschluss gab es damals nicht.

Bei dem von meinem Vorbesitzer neu eingebauten Landanschluss war jedoch kein Trenntransformator vorgesehen. Ich war froh, dass das Boot nach dem Refit nur zwischendurch einmal kurz im Wasser gewesen war. Die Zinkanoden sind zwar sehr großzügig ausgelegt und zusammen viele Kilogramm schwer. Man konnte jedoch die 12 Wochen im Wasser deutlich am Abtrag der Anoden erkennen. Ohne Trenntransformator hätte es früher oder später sicher Elektrolyse-Schäden am Rumpf gegeben. Beim Messen stellte ich 300 Milliampere Stromfluss zwischen dem Schutzleiter des Landanschlusses und dem Rumpf fest. Ein derartiger Stromfluss bedeutet, dass sich das ganze Boot wie eine große, kurzgeschlossene Batterie verhält. Zuerst werden die Zinkanoden aufgelöst und wenn diese nicht mehr vorhanden sind, löst sich das Aluminium des Rumpfes auf. 

Der Strom wird getrennt

Aus diesem Grund habe ich nach der Übernahme des Bootes, als zu allererst einen Trenntransformator eingebaut. Dieser trennt die interne Stromversorgung des Bootes vom Landstromanschluss galvanisch. Dadurch ist der obige Stromfluss nachhaltig unterbrochen und nicht mehr messbar. Ein Problem mit dem Trenntransformator hatte ich dann aber doch. Das Teil machte einen ziemlichen Krach. Das Brummen ging einem ziemlich auf die Nerven. Erst als ich es in die Backskiste verbant habe, wurde es erträglicher. Da Infinity aus Alu ist, hat sich das Brummen aber trotzdem auf den ganzen Rumpf übertragen. Erst als ich den Trenntrafo auf eine Aluplatte montiert habe und diese dann mit Gummidämpfern an den Rumpf geschraubt habe, war Ruhe im Schiff.

Im Hafen hat jetzt alles sehr gut funktioniert, solange der Landstrom genügend Power hatte und die Sicherung am Steg nicht rausflog. 
An Bord nutze ich kein Gas. In der Pantry ist alles auf 230 V ausgelegt. Der Glaskeramikherd benötigt ebenso wie die Mikrowellen- / Backofen-Kombination, der Wasserkocher und die Kaffeemaschine einen 230 V-Anschluss. Beim Segeln und in Häfen mit schwachem Landstrom musste immer der Generator gestartet werden. Der hat mit 10 kW Ausgangsleistung genügend Power für alle Verbraucher. Für einen Kaffee oder einen Tee jedes Mal den Generator zu starten, ist jedoch auf Dauer wirklich nervig. Auch ist das für den Generator nicht das Beste, wenn er nur für ein paar Minuten läuft und dann sofort wieder abgeschaltet wird.

Energiekonzept des 230 Volt Systems

Es musste also eine andere Lösung her. Von Victron Energy gibt es Lade- / Inverter-Kombinationen (MultiPlus Serie), die mehr als Ladegerät und Inverter in einem sind. Die Geräte können bei schwacher Absicherung am Steg, die nötige Energie aus den Batterien zuliefern. In der Praxis sieht das so aus, dass man an einem Bedienpanel einstellt, wie viel Ampere über den Landstrom zur Verfügung stehen und sobald man mehr Energiebedarf hat, wird über den integrierten Inverter der Rest dazu geliefert. Wenn man dann zum Beispiel mit dem Kochen fertig ist, wird automatisch die den Batterien entnommene Energie wieder zurück geladen. Der Generator muss bei uns seither am Steg nicht mehr gestartet werden. 

Ein weiterer großer Vorteil besteht darin, dass man immer 230 V im Schiff zur Verfügung hat. Sobald man nicht auf Landstrom zugreifen kann, liefert das Gerät bis zu 3000 Watt. Die Geräte laufen einfach weiter, ohne dass man was machen muss. Wir können jetzt auch beim Segeln jederzeit den Wasserkocher, die Kaffeemaschine oder sonst etwas nutzen, ohne den Generator starten zu müssen. Wenn die Batterien geladen werden müssen, kann das über den Landstromanschluss, den Generator oder die Lichtmaschinen der Hauptmaschine erfolgen. Als Notfall-Lösung ist an Bord noch ein mobiler Generator (Honda EU20i) mit 2 kW Leistung vorhanden.

Energiekonzept des 24 Volt Systems

Die Service-Batteriebank der Invinity besteht aus vier AMG-Batterien mit jeweils 260 Ah, die zu 24 v zusammengeschaltet sind. Das reicht, wenn wir vor Anker liegen für drei Tage. Dann sind den Batterien etwa 40 – 50 Prozent entnommen und sie sollten wieder aufgeladen werden. Mit dem Generator laden wir sie dann normalerweise wieder auf etwas über 80 Prozent ihrer Kapazität. Wenn wir einigermaßen sparsam mit der elektrischen Energie umgehen, bedeutet das, dass der Generator alle drei Tage zwei bis drei Stunden laufen muss. Die Batteriekapazität wird mit einem Batteriemonitor von Victron gemessen. Als besonderes Gadget hat der Batteriemonitor eine Bluetooth-Schnittstelle und man kann mit dem iPhone beziehungsweise dem iPad alle möglichen Parameter und die Historie der Batteriebank anschauen.

Das Bugstrahlruder und die Rollanlage haben eine eigene kleine Batteriebank (2x90Ah AMG), die über ein eigenes Ladegerät aufgeladen wird, das im 230V Bordnetz hängt.

Die Starterbatterien (2x140Ah) der Hauptmaschine werden über eine Lichtmaschine (1600Watt) aufgeladen, die über Trenndioden auch gleichzeitig die Servicebatterien auflädt. Am Hauptschaltpanel der Infinity gibt es einen Emergency Schalter, mit dem man die Service-Batteriebank mit den Starterbatterien der Hauptmaschine zusammen schalten kann. So kann man sich im Notfall selbst Starthilfe geben.
Die Starterbatterie (1x145Ah) des Generators wird über die Lichtmaschine des Generators aufgeladen und ist ansonsten völlig autark.

Alternative Energiequellen

Bis jetzt gibt es auf der Infinity keine alternativen Energiequellen. Aufgrund der Tatsache, dass der Bedarf des Bootes an elektrischer relativ hoch ist, ist mir nicht klar, wie viel zum Beispiel Solarzellen bringen würden.

Zusammenfassung

Das beschriebene Energiekonzept hat sich auf der Infinity in der Praxis bis jetzt sehr gut bewährt. Hier die gesammelten Erkenntnisse in einer kurzen Zusammenfassung.

•    Ein Trenntransformator für den Landstromanschluss ist bei einem Aluschiff unbedingt erforderlich
•    Damit man den Trenntransformator nicht hört, ist ein relativ hoher bautechnischer Aufwand nötig und der richtige Montageort wichtig.
•    Lade/Inverter-Kombinationen sind regelrechte eierlegende Wollmilchsäue.
◦    Man hat immer 230V zur Verfügung.
◦    Die Sicherungen am Steg fliegen nicht raus.
◦    Wenn kein Landstrom zur Verfügung steht, läuft der Generator nur noch alle 3 Tage für 2-3 Stunden bei guten Betriebsparametern.
•    Ein guter Batteriemonitor ist wichtig, damit man immer über den Zustand der Batteriebank informiert ist
•    Kochen, Backen, Kaffee und Tee machen funktioniert auch ohne Gas an Bord gut.

Alle Marken und Typangaben in diesem Beitrag dienen nur der Information. Es gibt sicher auch andere Marken und Typen, die ähnlich gut funktionieren. Ich kann hier jedoch nur das beschreiben, was in der Infinity tatsächlich verbaut ist, und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe.

Martin Schiller
 


print
  Kommentare

profile photo

Wir haben auf unserer KISU die selbe Einrichtung von Victron und sind sehr zufrieden. Anstelle eines Generators haben wir 6 Solarzellen die unsere Batterien (770Ah) laden. Bei kurzen Tagen (Äquatornähe) oder starker Bewölkung hilft uns unsere 200Ah Balmar Lichtmaschine.
Markus Pfäffli

Energiemanagement

By Markus & Gaby on 15.04.2020 00:16:37

Go to top