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TO-RHT Situationsbericht 01

Verfasst von Peter Wiedekamm (TO) am 19. Mai
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TO-RHT ist die Kurzform von „Trans-Ocean Rolling Home Team 2020“, unserer ge­mein­samen Unter­stüt­zungs­aktion für Karibiksegler in Zusam­men­arbeit mit dem Amateur­funk­ver­ein Intermar und dem Cruising Club Schweiz (CCS). Alle Details dazu findet ihr hier.

In diesen Beitrag möchten wir euch schildern, was sich in den ersten 20 Tagen so er­geben hat.

Die Rückreise über den Nord­atlantik von West nach Ost ist eine der anspruchs­voll­sten Segel­reisen für Lang­fahrt­segler. Wer hier­bei die teil­neh­men­den Yach­ten kom­pe­tent be­treu­en will, soll­te selber ein­mal auf dem At­lan­tik Tief­was­ser­er­fah­rung ge­sam­melt haben. Wir such­ten also nach einem her­vor­rage­nden Team von er­fah­renen Hoch­see­seg­lern für die Unters­tützung der Karibik­heim­kehrer und wurden in unserem Verein Trans-Ocean e.V. schnell fündig. Wie schrieb doch noch YACHT Chef­redak­teur Jochen Rieker Anfang Novem­ber 2019, kurz nach seinem Besuch auf unserem jähr­lichen Trans-Ocean Wochen­ende in Cux­haven: „Mit an Sicherheit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit gibt es im ganzen Land keinen Club­abend, an dem befah­renere Mit­glie­der das Saison­ende feiern.“

In einer ersten Rund­ab­frage unter unseren deutsch­sprachigen Treff­punk­ten und per­sön­lichen Kon­tak­ten fanden sich sofort über 30 Mit­glie­der, die be­reit waren zu un­ter­stüt­zen. Nach tele­fo­ni­scher Rück­sprache mit den Hel­fern durch un­se­ren Team­leiter Jo­han­nes Frost konnte das Team für die er­sten Auf­gaben fest­ge­legt werden.

RHT-ZertifikatDass es nun eine deutsch­spra­chige Aktion, orga­ni­siert von Trans-Ocean e.V., geben würde, hatte in Windes­eile im Insel­funk der Kari­bik die Runde ge­macht. Zu­erst muss­ten die An­mel­dun­gen der sich bereits früh­zeitig ge­mel­de­ten Boote re­gi­striert werden. Die Daten von je­dem teil­neh­men­den Boot wurde in Ver­wal­tungs­listen auf­ge­nom­men und ein Teil­nahme­zerti­fikat aus­ge­stellt. Rela­tiv schnell wichen wir an einer Stelle vom ur­sprüng­li­chen Kon­zept ab: Es er­schien sinn­vol­ler, jedem Boot von Anfang an einen festen „Boot Manager“ zu­zu­weisen. Zum einen, damit man sich gegen­seitig kennen­lernt, zum ande­ren, weil es bei einer Reise­dauer von 30 bis 50 Tagen sicher von Vor­teil ist, wenn man als Boot Manager alle wicht­igen Er­eig­nisse der Reise mit­er­lebt hat. Neben einer kur­zen Vor­stel­lung der Boot-Manager gegen­über den Teil­neh­mern wuch­sen die zusätz­lichen Infor­ma­tionen an die teil­neh­men­den Yach­ten auf mitt­ler­weile 3 Infor­ma­tions­schreiben an.

In anderen Zeiten hätte man sicherlich versucht, das ganze Team wenigstens einmal persön­lich zu­sam­men zu trom­meln um ent­spre­chend den Fähig­keiten die Zu­stän­dig­keiten und Auf­gaben­ver­tei­lung zu ver­ab­reden. Doch die durch das Corona­virus aus­ge­lösten Kontakt­be­schrän­kungen ließen das nicht zu. So wurde anfangs sehr viel tele­fo­niert, viel per E-Mail ge­schrie­ben und seit dem die ersten Boote unter­wegs sind hat Jo­han­nes ein wöchent­liches Team­mee­ting per Video­kon­ferenz etab­liert. Jeden Montag­abend versammelt er die Fun­ker, die Boot- und die Port Manager zu einem vir­tu­ellen Jour Fix. Die teil­neh­men­den Trans-Ocean Vor­stände sind sehr be­ein­druckt von der Ernst­haftig­keit und der Einsatz­freude des Rol­ling Home Teams!

Atlantik-Route der HeimkehrerDie ersten Probleme auf teil­neh­men­den Booten tra­ten rela­tiv schnell nach deren Ab­reise auf: Ein ver­lo­re­ner Mast und Rigg­schäden auf zwei anderen Yach­ten – inner­halb einer Woche! Ein Boot kehr­te wegen elekt­ris­cher Pro­bleme zurück, ein anderes wegen schwe­rem Wet­ter. Sicher, gut die Hälfte der teil­neh­men­den Boote ist nun auf ihrem lan­gen Weg zu den Azoren, doch die fünf Ab­bre­cher zeigen, dass eine At­lan­tik­über­que­rung schon be­son­dere An­sprü­che an Mann­schaft und Mate­rial stellt. Zum Glück konn­ten alle wohl­be­hal­ten auf die Ba­ha­mas, nach Guade­loupe und Mar­ti­ni­que zurück­keh­ren um mit ihren Re­pa­ra­tu­ren be­gin­nen.

Im Trans-Ocean Rolling Home Team 2020 nehmen unsere Freunde von Intermar eine be­son­dere Rolle ein. Sie stellen die Kom­mu­ni­ka­tion mit den Boo­ten per Kurz­wel­len­funk und E-Mail sicher. Wich­tig für die Boot-Manager sind die täg­li­chen Posi­tions­mel­dun­gen der Boo­te, wich­tig für die Boo­te sind ak­tu­elle Infor­ma­tio­nen über die Corona­lage in den Ziel­häfen und natürlich die täg­li­chen Wet­ter-Up­da­tes. Viele der teil­neh­men­den Boote haben zusätz­lich auch einen kom­mer­ziel­len Wet­ter­rou­ter ge­bucht, also je­man­den an Land, der täg­lich den auf das Wet­ter opti­mier­ten Kurs zum Ziel vor­gibt. Be­kannt­lich kann man auf See ja nie genug Wet­ter­infor­ma­tio­nen be­kom­men – außer man gehört zu den weni­gen See­leuten, die mal eben draußen nach­sehen, was für ein Wet­ter herrscht. Doch im Ernst: Wenn meh­rere Men­schen zu einer glei­chen Ein­schät­zung kom­men, dann wird es wohl so sein.

Wie zum Beispiel am vergangenen Wochenende, als sich ein großes Tief­druck­sys­tem auf seinen Weg über den At­lan­tik machte und mit Wind und Welle den Kurs der Boote be­ein­fluss­te. Die Rück­mel­dun­gen der Boote zeigen, dass sie sich gut be­treut fühlen.

Während die ersten Boote in diesen Tagen bereits die Azoren erreichen, sind andere noch in der Karibik unter­wegs. Ein teil­neh­men­des Boot saß lange in Ko­lum­bien fest. Dank einer von uns ini­tiier­ten Unter­stüt­zung der Schwei­zer und Deut­schen Bot­schaf­ten gelang es, die Aus­reise­ge­neh­mi­gung für die Yacht im Ha­fen von Puer­to Ve­le­ro (Ko­lum­bien) zu er­hal­ten. Vor dem Boot liegt nun ein lan­ger Weg bis zum er­sten Etap­pen­ziel den Ber­mudas.

HortaAuf den Azo­ren ver­fügt Trans-Ocean gleich über drei Stütz­punk­te. Auf Flores, Horta und Sao Miguel haben wir dire­kte An­sprech­part­ner und unser Port Manager im Trans-Ocean Rol­ling Home Team 2020 kann die an­kom­men­den Boote wie geplant vor­an­kün­di­gen und an­mel­den.

Wie ver­spro­chen ver­öffent­lichen wir seit einer Woche täg­lich auf der Trans-Ocean Web­seite die aktu­el­len Posi­tio­nen der teil­neh­men­den Yach­ten. Zu­nächst sind die An­ga­ben von Brei­ten- und Län­gen­graden ja nichts an­de­res als ein paar Zah­len, doch zu­sam­men mit Kurs, Ge­schwin­dig­keit und einer kur­zen Wetter­infor­ma­tion ergibt sich da­raus ein Schnapp­schuss der je­wei­li­gen Si­tua­tion an Bord.

Das eine Boot läuft mit opti­malem Segel­wind wunder­bare 9 Knoten, das an­de­re steht kurz vor dem Flau­ten­loch und läuft mit Rest­wind ge­ra­de noch 4 Kno­ten und wie­der ein an­der­es dampft mit der ei­ser­nen Un­ter­was­ser­genua bei Öko­speed mit­ten hin­durch. Die einen sam­meln Re­gen­was­ser, die an­de­ren ge­hen im noch war­men At­lan­tik­was­ser tief­see­baden. Inter­es­sant sind auch die ge­mel­de­ten Wel­len­höhen. Lum­mer­land Platt­was­ser oder drei Meter Welle. Alles dabei.

Das ist das, was eine Ozean­über­que­rung aus­macht: Nicht ein­fach nur 20 Tage Was­ser, son­dern jeden Tag einen an­de­ren Himm­el, an­de­re Wel­len, Wind, alle Va­ri­an­ten von Blau. Sonne, Niesel­regen, Regen.

Peter.


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