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Trinkwasser an Bord

Verfasst von Kirsten Panzer am 20. Juli 2020
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Stundenlang Wasserflaschen schleppen und an Bord in den hintersten Winkeln verstauen, das muss nicht sein. Und dann, wenn sie alle ausgetrunken sind, geht das gleiche mit den leeren Flaschen los - unnötig findet  Hanno Tobien und erklärt, wie er seine Trinkwasserversorgung an Bord regelt.

Grundsätzlich braucht der Mensch Wasser – es sollten 300 cm³ je 10 kg Körpergewicht pro Tag sein. Der 75kg schwere statistische Durchschnittsmensch braucht demnach 2,25 Liter Wasser, um Stoffwechsel und Hirnfunktion optimal zu erhalten. Wenn man das für einen Törn mit vier Personen für drei Wochen hochrechnet sind, das schon mal 189 Liter ohne Kaffee- oder Tee- oder Kochwasser, Bier und Wein nicht eingerechnet. Rechnet man 1,5 Liter je PET Flasche, so sind das 126 Flaschen oder rund 200 kg, die an Bord geschleppt werden müssen. Und was geschieht mit den leeren Flaschen? Die vernichten an Bord kostbaren Stauraum und dazu kommt, dass die regelgerechte Entsorgung auch häufig ein Problem ist.

Diese Gedanken ließen mich einfach nicht mehr los und ich war fieberhaft auf der Suche nach einer Lösung für dieses Problem. Was bieten sich nun aber für Alternativen?

Jeder Technik-Begeisterte wird mir gleich den Vorschlag machen: „Nimm doch eine Umkehr-Osmose-Anlage!“ Hiergegen spricht im Prinzip nichts, nur hat man dann ein Wasser das keinerlei Mineralien enthält, die für die Gesundheit auf Dauer aber notwendig sind, wie zum Beispiel Kalzium, Kalium, Magnesium und dann steht das Wasser auch wieder für ein paar Tage im Tank und wird von den Restbeständen des alten Tankwassers “kontaminiert“. Sicherlich eine Lösung, aber auch sehr energieaufwändig und wartungsintensiv und nicht wirklich gesundheitsbewusst.

Desinfektionsmittel in den Tank und man ist alle Sorgen los? In unserer Zeit, in der wir wirklich von Umweltgiften zugemüllt werden, halte ich es für unklug mein Hauptnahrungsmittel - nämlich das Wasser - mit zusätzlichen Chemikalien zu “vergiften“.

Irgendeinen Filter zwischen Tank und Wasserhahn setzen, der zwar die groben Verunreinigungen herausfiltert, aber eventuelle Keime oder Viren dann doch im Trinkwasser lässt, dass scheint mir auch nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein.

Nach langem Suchen kam ich dann auf einen ganz speziellen Filter, der all meine Kriterien an Reinheit und Keimfreiheit erfüllt und zudem auch noch erschwinglich ist. Es handelt sich um den „e-spring“ Wasserfilter, übrigens der weltweit meistverkaufte Wasserfilter, der von mehreren US-Organisationen wegen seiner exzellenten Filterergebnisse auch zertifiziert worden ist. Was ist nun das Besondere an diesem “Wunderwerk“?

Die Filterpatrone besteht aus einem hochverdichteten Aktivkohle-Filterblock, dessen benetzte Oberfläche ungefähr der Fläche von 60 Fußballfeldern entspricht. So hoch verdichtet, damit das durchgepresste, zu reinigende Wasser sich keine Kanäle schaffen kann, durch die es nur durchflutscht und zu wenig Kontakt mit der Oberfläche der Aktivkohle hat. 

Zusätzlich befindet sich noch im Inneren des Filters eine UV-Lampe, die sich nur bei Gebrauch einschaltet (energiesparend!) und die noch 99 Prozent aller eventuell durchgeschlüpften Keime abtötet und unschädlich macht. Die Filterpatrone – die übrigens für ein Jahr Gebrauch beziehungsweise für 5000 Liter ausgelegt ist – wird danach einfach ausgebaut und über den Hausmüll entsorgt. Die gepresste Aktivkohle sorgt dafür, dass mehr als 146 Schadstoffe wie Chlor, Schwermetalle, auch Quecksilber, Arzneimittelrückstände und Umweltgifte wie Pestizide, Herbizide, Fungizide etc. herausgefiltert werden.

Die Installation erfolgt recht einfach, vor dem normalen Wasserhahn wird zum Beispiel in der Pantry ein T-Stück eingesetzt, eventuell sogar mit Absperrvorrichtung. Von diesem T-Stück führt ein Schlauch zum mitgelieferten separaten Auslaufhahn, von dort führt ein weiterer Schlauch zum Filter (Zulauf zum Filter) und wieder ein Schlauch mit dem gefilterten Wasser zurück zum Auslaufhahn. Es wird nur das Trinkwasser aufbereitet, natürlich nicht das Wasch- oder Duschwasser.

Benötigt wird möglichst ein Druckwassersystem an Bord. Mit der Fußpumpe ist der Druckaufbau zum Durchpressen des Wassers durch den Filter doch etwas mühsam, aber durchaus auch machbar. Darüber hinaus ist noch ein Inverter notwendig, da der Filter für die Elektronik und die UV-Lampe, die ja nur bei Benutzung brennt, 220 Volt brauchen, die durch den mitgelieferten Trafo dann wieder auf 19 Volt Gleichstrom umgewandelt werden. Doch sicherlich sind hier nicht die Kosten das Entscheidende. 

Im ersten Jahr der Anschaffung kostet der Liter Trinkwasser bester Qualität etwa 0,23 Euro, anschließend in den Folgejahren nur noch rund 0,04 Euro pro Liter, da ja dann nur noch die Filterpatrone gewechselt werden muss, inklusive der durchschnittlichen Kosten für das Trinkwasser-Tanken in meinem Fahrtgebiet. Das Filterwechseln ist übrigens eine Leichtigkeit und an Einfachheit kaum zu überbieten. Auch sollte dies ja nur einmal im Jahr oder nach 5000 Litern geschehen. Ein einfacher Zugang zum Filter ist allerdings trotzdem sinnvoll, damit man einen gelegentlichen Blick auf das Display des Filters zur Beobachtung werfen kann. Hier wird angezeigt wie weit die Filterpatrone schon verbraucht ist.

Geschmacklich ist das Wasser optimal und wurde bisher von allen gelobt. Selbst noch so stark gechlortes Wasser weist keinen Chlor-Geschmack mehr auf. Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden mit dem Geschmack, dem Filterergebnis, den Kosten und vor allem aber auch mit der simplen Handhabung und bin mit meiner Entscheidung derart glücklich, dass ich mir das gleiche Modell daheim nochmals eingebaut habe. Da ja in unseren Leitungswassersystemen nicht alles eitel Sonnenschein ist und bis das geprüfte Leitungswasser aus dem Wasserwerk (es wird in Deutschland auf 46 Schadstoffe mit unterschiedlichen Grenzwerten getestet) bei mir am Wasserhahn hervorsprudelt, ist es doch durch viele alte Leitungen gelaufen, an vielen Stichleitungen und Lecks vorbei, bis es schließlich aus meinem Wasserhahn kommt. Nicht umsonst ist jetzt in Mehrfamilienhäusern die wiederkehrende Legionellen-Prüfung gesetzlich vorgeschrieben.

Übrigens wurde in meinem Heimat-Yachtclub, dem YLB Yachtclub Ludwigshafen Bodensee, auch dieser Filter an zentraler Stelle auf dem Steg eingebaut, da das Wasser in den langen toten Leitungen auf den Stegen und der gegebenenfalls langen Standzeiten bei hohen sommerlichen Temperaturen nicht mehr der Trinkwasserqualität entspricht, die man fordert und auch erhalten sollte. Somit können wir wenigstens an zentraler Stelle wirklich optimales Trinkwasser anbieten, an den anderen Entnahmestellen gibt es darum in meinem Club nur noch Brauchwasser.

Ich für meinen Teil habe eine Lösung des Problems gefunden und trage keine Wasserflaschen mehr an Bord und PET-Flaschen, die ja vom gesundheitlichen Standpunkt auch alles andere als unproblematisch sind, ganz bestimmt nicht. Auch das ist sicherlich ein guter Gedanke, um die Umwelt zu entlasten. Vielleicht konnte ich den einen oder anderen gesundheitsbewussten und auch umweltbewussten Segelkameraden doch auch für dieses Thema sensibilisieren, ganz zu schweigen von den etwas bequemeren Seglern, die nicht palettenweise Wasser schleppen und leere Flaschen entsorgen wollen. 

Für weitere Infos stehe ich natürlich gerne zur Verfügung. Das entsprechende Handbuch verschicke ich gerne bei Bedarf als PDF, hrtobien@yahoo.de.

Hanno Tobien, SY Happy 

 

 


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