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Redundanz bei Kommunikationssystemen

Verfasst von Kirsten Panzer am 27. Dezember 2020
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Leider ist die Kurzwellenkommunikation in Phonie etwas in die Jahre gekommen und wir realisieren gerade, dass - ganz modern - digitaler Datentransfer vorwiegend als Satellitenkommunikation allerdings nur mit geringer Datenleistung an Bord vorhanden ist, ohne jegliche Redundanz.

Kommunikation findet natürlich im Internet statt. Zuhause gelingt der Internetzugriff sehr leicht via Smartphone, Tablet oder Laptop, wobei die erste Strecke drahtlos mittels WLAN zum Router oder im Mobilfunknetz unterschiedlicher Anbieter in der Qualität 4G überbrückt wird. Auch auf See ist Internetkommunikation fester Bestandteil bei der Steuerung der Berufsseeschifffahrt. Die Fahrpläne der Containerschiffe sind eng getaktet und Fracht wird online von der Reederei disponiert. Aufwendige Satellitensysteme mit hohem Datendurchsatz bilden die Luftschnittstelle zur Bodenstation und damit zum Internet.

Für den Segler stehen die SatCom Möglichkeiten nur eingeschränkt zur Verfügung. Nicht jeder hat die Möglichkeit wie Greta Thunberg bei der Atlantiküberquerung nach New York an Bord einer High-Tech Yacht tägliche Videobotschaften und Blogeinträge im Iridium Certus Marine System zu übertragen. Das hochelegante Bordnetzwerk „Thales - Vesselink®“ garantierte an Bord der SY Seaexplorer(ehemals Malizia II eine Datenübertragung vom rund 200 kB/s mit Iridium der zweiten Generation (Iridium next) zur Bodenstation mit Internetzugriff. Allerdings bewegt sich hier die Hardware Investition im Bereich von etwa 10 000 Euro und die Datenkosten können nur mit postpaid Vertrag abgerechnet werden.
Iridium Handys und der beliebte Hotspot Iridium Go können Iridium next leider nicht nutzen. So bleibt hier nur eine Datenrate von ca. 2.400 Bit/s im Idealfall mit Iridium der 1. Generation und liegt damit im Bereich von Pactor 3 bei Kurzwelle (2.744 Bit/s). Modernere Digimodes wie Pactor 4 (5.512 Bit/s) oder VARA-HF (5.802 Bit/s) sind dagegen stabiler und schneller.

Bei Kurzwelle ist die Ionosphäre und kein teures Satellitensystem der Reflektor bei der drahtlosen Datenübertragung zu einem bodengebundenem Internet Gateway der Infrastrukturen Sailmail für den Seefunk und Winlink des Amateurfunks. Leider stellen die Qualifikationsnachweise wie LRC oder Amateurfunklizenz eine gewisse Hürde dar; der Amateurfunker profitiert dann allerdings von dem kostenlosen, extensiven und redundantem Winlink 2000 System mit zahlreichen Digimodes, allen Fu-Frequenzen und weltweiten Internet Gateways. Sailmail für den Seefunk ist dagegen kostenpflichtig, ermöglicht auf Kurzwelle Betrieb nur mit Pactor 3 oder 4 und der Kontakt zu den wenigen Gateway-Stationen ist zeitlich limitiert. 

Der Vorteil des Amateurfunks ist neben der sehr preisgünstigen Ausrüstung vor allem die Teilnahme an der kostenlosen Infrastruktur Winlink. Die ebenfalls kostenfreie Software Winlink Express steuert neben Pactor 3 und 4 besonders sehr leistungsfähige Soundmodem basierte Betriebsarten wie Winmor, ARDOP oder VARA-HF, die keine teure Hardware, sondern lediglich ein externes Soundcardinterface (Preis ca: 150 €) benötigen. Auch ohne Winlink ist über zahlreiche Digimodes Verbindung nach Hause möglich, Chatbetrieb gelingt weltweit mit geringer Sendeleistung beispielsweise mit JS8Call, wobei die Software Signale weit unterhalb der Rauschgrenze decodieren kann. Vielfältige digitale Kommunikationsmöglichkeiten stehen dem Amateurfunker an Bord zur Verfügung.

Bei zahlreichen Arbeitsaufenthalten in Ghana hatte der Autor im Winlink System auch unter widrigen Bedingungen jederzeit Emailverbindung nach Europa unter Ausnutzung der gesamten Redundanz in Form der adäquaten Frequenzen, aller Digimodes und Internet Gateways in Lanzarote, Brasilien und Südafrika. Bessere Kurzwellenausbreitungen als auf See sind kaum realisierbar.

Redundanz an Bord ist selbstverständlich für die gesamte nautische Ausrüstung. Für die Kommunikation heißt das: nicht Kurzwelle oder Sat-Funk, sondern Beides! Besser Kurzwelle und als Backup SatCom (Iridium Handy oder Iridium Go).

Das TO-INTERMAR-Seminar „Kommunikationssysteme auf Yachten“ werden wir bei Bedarf nach Corona völlig überarbeiten und erneut ins Programm nehmen

Dr. Rüttger Clasen (Text und Fotos)


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