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Reisebericht

Karibische Inseln - Verwirrung garantiert



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Karibische Inseln - Verwirrung garantiert

Verfasst von Kirsten Panzer am 22. März 2021
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Der Blick in die Karte hält während des karibischen Inselhüpfens so manche Überraschung bereit, findet Ralf Gerking von der SY Flora. Um das Inselwirrwarr aufzulösen, hat er sich nun einmal etwas tiefer in die Zugehörigkeiten der einzelnen Inseln und Inselgruppen vertieft und dabei auch gleich noch zum Zeichenstift gegriffen.

Ein Binnenmeer

Für mich war es (etwas peinlich) schon einmal eine Überraschung, dass das Karibische Meer auf der Karte fast so aussieht, als sei es ein Binnensee, lauter Land drumherum. Na gut, gerade bei den Kleinen Antillen ist ja die Beschriftung meist viel größer als die Insel.
Aber auch die Dimensionen und Verhältnisse erstaunen. Kuba, das wir wirklich gerne auf eigenem Kiel besuchen wollen, liegt nicht nur ziemlich weit weg von Antigua, vor allem wenn dazwischen auf der Route derzeit „geschlossene“ Ziele liegen. Kuba ist zudem auch ganz schön groß! Die größte Insel der Karibik, 1 250 Kilometer lang (675 Seemeilen,  was ungefähr der Luftlinie von der Elbmündung bis zu den Färöer Inseln entspricht. Und das heißt auch, dass es von der Südküste Kubas ein ziemlich langer und bei den vorherrschenden Winden nicht ganz einfacher Weg zu den Bahamas ist, unserer Station auf dem Weg zurück in die USA für den Sommer. Hm. Wieso kann uns das noch erstaunen? Wir sind doch schon vor einem Jahr in die Karibik gekommen. Na ja, aber für den Weg in die USA und zurück nach Antigua haben wir ja schließlich jeweils eine „Abkürzung“ genommen und die großen Antillen komplett ausgelassen.

Wie ist das nun mit den Inseln?

Und dann geben mir auch noch einige der Beschriftungen der Karten zu denken, beziehungsweise Anlass zum Nachschlagen. Karibik, diverse Antillen, was meint das überhaupt? Begrifflichkeiten und Zuordnungen sind hier ziemlich vielfältig, in meiner selbst gezeichneten Karte habe ich sie der Übersichtlichkeit halber erst einmal weggelassen.

In der Benennung zurückgehend auf den Stamm der Kariben, die zu Zeiten von Kolumbus die Kleinen Antillen bevölkerten, versteht man unter der Karibik (im engeren Sinne) zunächst die Anrainerküste und die Inseln des Karibischen Meeres. Das reicht von der mexikanischen Halbinsel Yucatán im Nordwesten bis zu der östlichen Inselkette der Kleinen Antillen, wird im Westen und Süden durch kontinentales Festland begrenzt und im Norden …

 

… tja, da wird’s schon schwierig. Nach der Karte ist man geneigt zu sagen: durch die nördlicheren Großen Antillen. Allerdings liegen sowohl die Bahamas als auch die Turks- und Caicos Inseln nicht im oder am Karibischen Meer. Sie zählen aber gleichwohl klar zur Karibik.
Und was sind dann nochmal die verschiedenen Antillen?

Es wird kompliziert

Also die Großen Antillen sind jedenfalls überwiegend genau das - groß. Zumeist mindestens so raumgreifend, dass die Beschriftung auf der Karte nicht wesentlich größer ist als die Insel . Das heißt, die Großen Antillen umfassen die Inseln von Kuba bis Puerto Rico (Insel) einschließlich Cayman Islands, Jamaica und der Insel Hispaniola, die sich Haiti und die Dominikanische Republik teilen.

Im Gegensatz dazu die Kleinen Antillen - Damit gemeint sind die wie mit einem tropfenden Füller im Halbkreis auf die Karte geklecksten Eilande von den noch zu Puerto Rico gehörenden Jungferninseln Isla de Vieques und Culebra, zu den US-Virgin Islands sowie den British Virgin Islands und weiter über Anguilla, Antigua und Barbuda im Nordosten über Guadeloupe, Dominica, Martinique, St. Lucia, St. Vincent und Grenada bis hinunter nach Trinidad und Tobago im Bogen und dann weiter herum wieder nach Westen bis zum westlich von Curaçao liegenden Aruba (die Aufzählung ist hier bei weitem nicht vollständig).

Und wo wir schon dabei sind, da gibt es auch noch die Niederländischen Antillen, aber die fallen aus der Reihe, weil sie nur historisch zugeordnet sind, wobei die Niederländischen Antillen als gemeinsames „Land des Königreiches der Niederlande“ nicht mehr existieren. Heute sind die Inseln teils autonome Länder im Königreich, teils "Besondere Gemeinden" des Königreiches. Gebildet werden sie aus zwei Inselgruppen, den ABC-Inseln Aruba, Bonaire und Curaçao vor der venezolanischen Küste und den SSS-Inseln im  Nordosten der Kleinen Antillen mit Saba, Sint Eustatius und der Teilinsel Sint Maarten.

Entsprechend gibt es auch die Französischen Antillen. Guadeloupe, Martinique, Saint-Barthélemy und Saint-Martin, alle sind Französische Überseegebiete. 

Immerhin ist ein Äquivalent für die (aktuell oder ehemalig) britischen Antilleninseln nicht gebräuchlich, zum Glück, denn dann würde es noch viel komplizierter. Zum einen, weil so viele Mächte irgendwann Anspruch auf mindestens eine Antilleninsel erhoben haben. So zum Beispiel auch Dänemark, Schweden und sogar das Herzogtum Kurland (gehört heute zu Lettland). Zum anderen deshalb, weil viele Inseln immer wieder den Besitzer wechselten, insbesondere zwischen England und Frankreich. Den Rekord hält wohl Tobago, dass zwischen 1498 und 1814 mindestens 33 mal den Besitzer wechselte, also im Schnitt alle neuneinhalb Jahre.

Als wäre es noch nicht genug der Begrifflichkeiten: Insbesondere die englischsprachigen Segler (und Revierführer/Cruising Guides) teilen die karibischen Inseln auch noch in Leeward Islands und Windward Islands auf. 

Mit  Leeward Islands ist dabei der nördliche Teil der Kleinen Antillen von den US-Virgin Islands bis hin zu Dominica gemeint. Die zu Puerto Rico gehörende Spanish-Virgin Islands Isla de Vieques und Culebra werden allerdings  nicht dazu gezählt.

Demgegenüber sind die Windward Islands der südliche Teil der kleinen Antillen von Martinique (manchmal sogar von Dominica) bis Grenada einschließlich des etwas weiter östlich liegenden Barbados. Die zu Trinidad und Tobago gehörenden Inseln werden ebenso wie die vor Venezuela liegenden Inseln und die ABC-Inseln nicht zu den Windward Islands gezählt.

Und ganz besonders gemein: Obwohl das sprachlich so nahe zu liegen scheint, ist der deutsche Begriff der Inseln über dem Winde wiederum anders definiert, er beinhaltet sowohl Leeward Islands als auch Windward Islands.

Es wird noch komplizierter

Sein Gegenbegriff sind vielmehr die Inseln unter dem Winde, nämlich die vor der Nordküste Venezuelas liegende Inseln von Isla Margarita im Osten bis Aruba im Westen. Trinidad und Tobago auch hier wieder nicht dazu gezählt, meist jedoch das viel weiter nördlich liegende (aber zu Venezuela gehörende) Aves. Um es komplett konfus zu machen, heißen diese Inseln auf Englisch „Leeward Antilles“, auch das wieder eine etwas unglückliche Abgrenzung gegenüber den Leeward Islands.

Demgegenüber entsprechen immerhin die „Greater Antilles“ den Großen Antillen“ und die „Lesser Antilles“ den kleinen Antillen.

Und dann sind da noch die Lucayen (Lucayan Archipelago), sie fassen die flachen Koralleneilande der nördlich der großen Antillen gelegenen Turks- und Caicos Inseln sowie der Bahamas zusammen und werden ebenfalls zur Karibik gezählt, obwohl der nördliche Teil der Bahamas schon jenseits des Wendekreises des Krebses und damit außerhalb der Tropen liegt.

Schließlich: Als Westindische Inseln oder englisch Westindies bezeichnet man die Kleinen und Großen Antillen plus Lucayen.

Verwirrt? Wir auch.

Wohin denn nun? Klar ist aber jedenfalls schon mal, dass die Karibik groß und vielfältig ist und wir noch viel zu entdecken haben. Sehr viel!

Ralf Gerking, SY Flora, www.syflora.blog
 


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  Kommentare

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Hallo Ralf,
10 Jahre im Ionischen Meer, jetzt aber mit einem anderem Schiff noch in Deutschland, verfolgen wir Eure FLORA schon länger. Du schreibst schön! Dieser Bericht ist dazu überaus informativ und gut recherchiert. Danke!
Dann hoffe ich mal, dass die hurricane-season sanft verläuft, sonst sind alle Inseln wieder durcheinander....

Gute Wache
Martin

Ein schöner Artikel

By Capt‘n Motylek on 23.03.2021 09:09:23

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