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Reisebericht

TO startet beim Golden Globe



TO startet beim Golden Globe

25. August 2022
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Nach der Neuauflage des Golden Globe 2018 starten am 4. September erneut 32 Skipper, um auf den Spuren von Sir Robin Knox-Johnston einhand die Welt zu umrunden. Einer von ihnen ist der österreichische Segler Michael Guggenberger. Mit ihm geht zum ersten Mal ein Mitglied des Trans-Ocean bei diesem herausfordernden Einhandrennen in Les Sables d’Olonne an den Start.

Der Kurs ist einfach: Erst nach Süden, dann werden die fünf großen Kaps von West nach Ost gerundet und nach der Rundung Kap Hoorns geht es wieder nach Norden, zurück an die französische Atlantikküste. Rund 30 000 Seemeilen ohne Boxenstopp, eine sowohl seglerische als auch mentale Herausforderung, der sich Michael Guggenberger bereits vor vier Jahren stellen wollte. Damals konnte der 47-Jährige Wiener sein Projekt noch nicht realisieren, doch dieses Mal hat er es geschafft. Ein Hauptsponsor ist gefunden, weitere sind allerdings immer noch herzlich willkommen. Unterstützung bekommt er natürlich auch von seinem Verein, Trans-Ocean. Schließlich haben Langstreckenregatten Tradition bei TO, der Teilnahme am Solo-Einhand-Race OSTAR über den Atlantik verdankt Trans-Ocean seine Gründung.

Segeln wie die Alten

Und nun also auf den Spuren der Vergangenheit um die Welt. Auf moderne Navigation, auf GPS, elektronische Seekarten müssen die Segler verzichten. Navigiert wird mit Papierkarten und Sextant. Das passt zu Michael Guggenberger. Die Bücher der Ikonen des Einhandsegelns hat er alle verschlungen - Moitessier, Knox-Johnston ihr Leben, ihre Abenteuer kennt er auswendig.

„Ich bin eben ein abenteuerliches Kerlchen und habe mich immer gefragt, ob ich das kann,“ sagt er nun zu seiner großen Herausforderung.

Anders als beim Regattasegeln in Jollenklassen wird es schon. Die Freude am nassen Segeln ist ihm aber ins Blut übergegangen und nass wird es in den Südmeeren unter Garantie, auch wenn seine Biscay 36 deutlich größer ist als die Jollen, mit denen er auf Seen segelte.

„Damit es aber auch wirklich machbar ist, habe ich nach Probeschlägen und -regatten meiner Nuri nun aber doch eine Rollanlage fürs Vorsegel verpasst. Segelwechseln mit Stagreitern, auf das zusätzlich nasse Abenteuer wollte ich dann doch lieber verzichten, das ist einhand Schwerstarbeit. Da musste ich einen Kompromiss finden. Das Vorsegel wird also nicht hundertzehnprozentig stehen, das ist der Rollvorrichtung geschuldet, aber dafür all die andren." Neun Segel hat er insgesamt an Bord. Bei der Ketsch mit all den zusätzlichen Stagsegeln kommt einiges an Segeltuch zusammen. Doppelt habe er aber keines seiner Segel eingepackt, es seien so schon genug, sagt der Golden Globe Segler, während er beim Aufzählen vor seinem Start schon fast nicht mehr hinterherkommt.

Die Kunst des Improvisierens

Und nicht nur Segel hat er genug, sondern auch Segelerfahrung. Gelernt bei einem Freund und sofort für immer mit dem Segelvirus infiziert hat er inzwischen über      10 000 Seemeilen im Kielwasser, davon mehr als 4 000 Seemeilen einhand. Seine vielen Berufe und Jobs vom Zimmermann bis hin zum Bauleiter, Heilmasseur, Musikveranstalter und Requisitenbauer konnten ihn nie lange halten. Das Segeln schon. Die Aus- und Weiterbildung auf See hat er strikt verfolgt. Und so kann er nicht nur auf (sehr) viele Seemeilen und damit Erfahrung zurückgreifen, sondern auch noch den RYA Yachtmaster Offshore sowie den Offshore-Sailing-Instructur YCA vorweisen. Dass sein „Landleben“ ihm  jetzt noch zusätzliche Sicherheit bietet, ist natürlich von Vorteil: „Meine Erfahrung als Requisitenbauer helfen mir auch, wenn was an Bord kaputt geht. Improvisieren kann ich bestens.“

„Damit kann ich umgehen. Ich freue mich einfach brutal auf das Rennen."

Und was ist mit der Angst – nicht nur im Schadensfall?  Angst habe er noch keine, sagte er vor dem Start, aber er wisse, dass die irgendwann da draußen allein auf dem Ozean käme. Mit mentalem Training, mit Achtsamkeit hat er sich selbst genauso umfassend vorbereitet wie sein Boot. Seine einzige Angst sei momentan, die, dass er den Start aus irgendeinem Grund verpasse. Doch die wird hoffentlich unbegründet sein.  

Jetzt ist es nicht mehr lange hin. Am 4. September wird  Michael Guggenberger die Startlinie überfahren und sich aufmachen – alleine, nonstop einmal um die Welt.

„Segeln ist das, was mich am längsten und immer noch hält,“ sagt der, der einfach nicht genug bekommen kann vom Segeln. Und wenn man schon von lang spricht, dann liegt es auf der Hand, warum Michael Guggenberger sich das Golden Globe Race ausgesucht hat. Lange unterwegs sein wird er diesmal, länger als jemals zuvor.

Kirsten Panzer

Hier geht es zum Live-Tracker des Golden Globe.

 

Wir werden versuchen, während des Golden Globe mit Michael Guggenberger eine Funk-Schalte hinzubekommen. 


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  Kommentare

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Hallo Frau Panzer,
Es sind nur 16 Skipper und keine 32 zur Teilnahme an dem Rennen eingeladen worden.

Zitat im Artikel:
"Der Kurs ist einfach:
Erst nach Süden, dann werden die fünf großen Kaps von West nach Ost gerundet und.... "
Naja, einer ist ja schon bei Fuerteventura eingeschlafen und ist auf den Felsen wieder aufgewacht. Sie haben ja so recht, so leicht ist der Kurs.
MfG
Skipper von "syamica44.com"

TO startet beim Golden Globe: 32 Skipper

By amica44 on 29.09.2022 01:16:20

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