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Schiffsprofil

Die Socorro hat magische Kräfte



Die Socorro hat magische Kräfte

12. Mai 2026
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Die hübsche Ketsch von Christiane und Jochen Lührs zaubert den Betrachtern automatisch ein Lächeln ins Gesicht. Mit ihrem gepflegten Einzelbau waren sie schon in Brasilien, der Karibik und den USA. Zu ihren Lieblingsorten zählt die Bretagne, aber 2025 geht es erst einmal nach Finnland.

Was habt Ihr für ein Schiff?

Der noch nicht vollständig fertiggestellte Rumpf eines Altenwerder Kutters wurde 1951 auf der Werft von Henry W. Reese am Goldbekkanal in Hamburg Winterhude so ausgebaut, wie er heute noch besteht. Das ursprüngliche Rigg als Slup wurde in den 70er Jahren auf Ketsch mit Klüverbaum geändert. Damit sind wir sehr zufrieden. Sie ist 14,80 Meter lang und 3,20 Meter breit mit einem Tiefgang von 1,4 Metern und einer Verdrängung von 16 Tonnen.

Warum dieses Schiff?

Die „Socorro“ ist ein Familienerbstück, das mein Großvater als Utknieperschiff beim Ausbruch der Koreakrise bauen ließ. Mit meinen Eltern, Geschwistern und Dackel ging es für mich als Kind in den siebziger Jahren jedes Jahr auf Sommerreise, meistens nach Dänemark, aber auch nach Norwegen oder Westschottland. Mein Vater zog sich als Skipper jedoch früh zurück, und so hatte ich schon als Student ein seegängiges Schiff zur Verfügung. Das Fahrtgebiet wurde größer: Ostschweden, Norwegen, Shetlands und dann Englischer Kanal bis zu den Scillies und Ouessant - nur mit Kompass, Echolot und Funkpeilung.

Bei der Crewsuche lernte ich meine zukünftige Frau kennen. Weil unsere erste Karibikreise (1984/85) auf das Wintersemester begrenzt war, sind wir zehn Jahre später mit unserer kleinen Tochter Inka für drei Jahre richtig auf Langfahrt gegangen: Brasilien, Karibik und USA bis Maine.

Welche Ausstattung für Langfahrt habt Ihr an Bord?

Wichtig für unser Holzschiff war das Nachkalfatern und Nachschrauben der Planken, es hat trotzdem immer geleckt. Der Rumpf wurde weiß gestrichen und es wurden Seeschlagblenden für die großen Scheiben angefertigt. Viel Technik kam nicht an Bord: ein Weltempfänger und ein Windgenerator. Regenwasser kann mit einem Eimer unter dem Großbaum aufgefangen werden. Es wurde ein Sonnensegel und ein Windscoop genäht. Wichtig war uns immer ein gutes Beiboot. Unser Caribe (Hypalon) ist nach knapp 30 Jahren immer noch im Einsatz.

Elektrisch haben wir inzwischen auf eine große Batteriekapazität (960 Ah) und eine leistungsfähige Lichtmaschine mit externem Regler aufgerüstet. Geplant ist, den altehrwürdigen CQR-Anker gegen ein moderneres Exemplar auszutauschen

Wie heißt Euer Schiff?

„Socorro“ ist ein spanisches Wort und bedeutet Hilfe, Beistand, Zuflucht. Diese Bedeutung ist auf den ursprünglichen Zweck des Baus als „Fluchthelfer“ zurückzuführen. Der Schiffsname steht weithin lesbar an der Seite, so hatten wir uns bei unserem ersten Besuch in Spanien gleich erkundigt, ob dies als Hilferuf aufgefasst werden könnte. Socorro ist aber auch ein Mädchenname und wir haben immer wieder Freude mit spanisch oder auch portugiesisch sprechenden „Sehleuten“.

Seid Ihr mit dem Schiff zufrieden?

Wir haben es schon immer gehabt, es ist voller Erinnerungen und eben Teil unseres Lebens. Als sehr gepflegtes Holzschiff fällt es aus der Reihe der weißen GFK-Flotte heraus, und wir kommen sowohl in Häfen sehr schnell ins Gespräch als auch auf See, wo uns oft ein „Stegdaumen“ gezeigt wird. An Bord lebt es sich bequem, gerade auf See. Das Handling mit dem Ketschrigg ist für uns sehr einfach. Das Beste ist jedoch unser Deckshaus: ob es regnet, ob es kalt ist oder ob die Sonne brennt, hier sitzen immer schön geschützt und sehen dennoch was um uns herum los ist. Dies ist etwas, auf das wir auf keinen Fall verzichten würden.

Gibt es etwas, was sich verbessern lassen würde?

So schön ein Tiefgang von 1,4 Meter für kleine Häfen und flache Ankerbuchten ist, zum Kreuzen ist der nicht geeignet. Großartig wäre dafür ein Schwert. Aber die Rumpfform ist ohnehin nicht besonders schnittig. Also heißt es „Gentlemen never sail to windward“. Die Maschine ist top, ein DAF mit 120 PS, aber damit unnötigerweise völlig übermotorisiert.

Wo seid Ihr mit dem Boot gewesen und wo möchtet Ihr noch hin?

Wir haben über dreißig Länder besucht, hauptsächlich Skandinavien und Nordeuropa, aber eben auch mehrfach die Karibik. Wunderbar waren Guatemala und Belize. Auf der Ostsee waren wir bis zu den Ålands, aber noch nicht in Finnland. Da geht es in 2025 hin und dann wird es wieder die Südbretagne werden.

Welches war das schönste Erlebnis, welches das schlimmste?

Das Schönste: schwer zu sagen, aber ein Beispiel war die Ansteuerung der Insel Guanaja (Bay Islands, Honduras). Nach Tagen auf See öffnet sich aus der tiefblauen See der Pass durch das Riff. In zehn Meter Tiefe können wir im glasklaren Wasser jede Einzelheit erkennen. Danach zieht Socorro raumschots mit Höchstfahrt durch das glatte Wasser. Ein oder zwei Meilen später kommt uns der TO-Stützpunktleiter Hans Weller entgegen und zeigt uns den Ankerplatz vor seinem Strand. Weihnachten dort bleibt unvergesslich.

Schlimme gab es auch so einige, es werden aber weniger. Beim Auslaufen aus dem Orinoco kamen wir auf der Sandbarre fest - wir hatten keine Informationen zu Fahrwasser oder Tide, sondern folgten nur dem einlaufenden Track. Es dauerte Stunden, bis uns die Strömung dann quer hinüber gewälzt hatte. Die 25 Millimeter- Kielbolzen waren danach zum Teil verbogen.


Christiane und Jochen Lührs vor dem Leuchtturm auf Vinga (Schweden)

Welches ist Euer Lieblingsrevier und warum?

Seit Jahren segeln wir immer wieder in die Bretagne und haben dort auch schon überwintert - Schiff an Land, wir zu Hause. Es gibt so viel Abwechslung, anspruchsvolle Gezeiten, schöne Häfen, hübsche Inseln, gutes Essen und freundliche Menschen. Auch das Wetter hat uns bisher nicht enttäuscht.

Kirsten Kurze


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