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Wo steckst Du?


 

Wo steckst Du?

Verfasst von Peter Wiedekamm (TO) am 12. September
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Wird ein Segelboot mit seiner Mannschaft auf einem der großen Ozeane vermisst, fragen sich Angehörige und Freunde, ob da nicht etwas Schlimmes passiert sei. Je länger das Boot auf See überfällig ist, umso größer wird die Besorgnis an Land. Sie versuchen an Informationen zu kommen, benachrichtigen Behörden und fragen herum.

Solche Suchanfragen landen auch regelmäßig bei uns, bei Trans-Ocean e.V. in Cuxhaven. Nicht viele, vielleicht zwei, drei pro Jahr. Jeder Fall ist anders, mal sucht der Bruder, mal suchen Freunde. Nun ist unser Verein sicher kein spezialisierter Suchanbieter wie z.B. die Initiative www.boatwatch.org . Aber selbstverständlich versuchen wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen, in dem wir unsere Stützpunkte um Mithilfe bitten und unsere Fühler in alle Richtungen ausstrecken. Doch am Ende suchen wir ohne halbwegs aktuelle Positionsangaben nur die berühmte Stecknadel im Heuhaufen oder, um es etwas seemännischer auszudrücken, eine Nussschale im Ozean.

Zu Beginn der Coronakriese hing die Crew der BELLA auf den Marquesas fest und begann sich zu fragen, wo eigentlich ihr Segelfreund Fritz Erkelenz steckt. Die letzte Spur der Carpe Diem ist ein Blogeintrag bei Windpilot doch dann verliert sich leider jede Spur.

Anfang Mai meldete sich in unserem Forum der Bruder eines Soloseglers, der seit Wochen im Indischen Ozean überfällig war. Im März hatte er Phuket (Thailand) verlassen und seit dem verlor sich jede Spur. Unsere Geschäftsstelle konnte über ein in Asien gut vernetztes TO Mitglied die Spur aufnehmen und schließlich Ende Mai, nach Monaten(!), Entwarnung geben: Nach Auskunft des dortigen Honoarkonsuls erreichte das Boot Mauritius.

War es vor dreißig Jahren praktisch noch nahezu unmöglich, von Bord einer normalen Segelyacht auf hoher See täglich eine verlässliche Positionsnachricht an Land zu senden, ist es in diesen Tagen geradezu unglaublich einfach.

Zum einen bietet sich der Einsatz eines aktiven AIS Transponders an. AIS steht für „Automatic Identifiaction System“ und wurde ursprünglich für die Berufsseefahrt verpflichtend eingeführt, um Schiffskollisionen zu verhindern. Im Wesentlichen werden per AIS Schiffsname, Rufzeichen, Position, Kurs und Geschwindigkeit über UKW Funk an Fahrzeuge in der Umgebung gesendet und dort auf einem Bildschirm dargestellt.

Über spezialisierte Internetseiten wie zum Beispiel www.marinetraffic.com können diese Daten komfortabel von jedermann abgefragt werden, wenn man den Fahrzeugnamen oder noch besser, die MMSI („Maritime Mobile Service Identity“) kennt. Da mittlerweile die AIS Daten nicht nur von Landstationen, sondern auch von niedrig fliegenden Satelliten empfangen und weitergegeben werden können, funktioniert diese Methode der Bootsverfolgung auch weltweit. Eine einfache Abfrage ist in der Regel kostenlos.

Ein aktiver AIS Sender kostet bei der Anschaffung mehr Geld als ein einfacher AIS Empfänger. Ferner benötigt er permanent Strom, eine eigene GPS Antenne und muss sich die UKW Antenne mindestens mit dem Funkgerät teilen. Und schließlich gibt es immer noch eine Reihe von Segelnden, die den Einsatz dieser Schiffssicherheitstechnik schlicht ablehnen, weil sie sich überwacht fühlen.

Stimmt, es geht tatsächlich um Information und Überwachung. Der Sicherheit wegen. Der Einsatz eines AIS Senders an Bord von Sportbooten ist freiwillig. Und ja, damit können andere die eigene genommene Route jederzeit nachverfolgen. Doch zweifellos hat AIS die Sicherheit im internationalen Schiffsverkehr stark verbessert und auch wir Hochseeseglenden können durch deren Einsatz unseren Beitrag dazu leisten.

Aber auch der, der aus welchen Gründen auch immer den Einsatz eines aktiven AIS ablehnt, kann einfach und komfortabel seine aktuelle Position an Land übermitteln und, anders als beim öffentlichen AIS, bestimmen, wer Zugriff darauf bekommen soll.

Während AIS primär der Kollisionsverhütung dient, werden so genannte GPS-Tracker zunächst zur Positionsverfolgung verwendet. Diese kleinen Geräte werden irgendwo an Deck befestigt und senden in einstellbaren Intervallen die aktuelle Position, Kurs und Geschwindigkeit über Satellit an eine Erdfunkstation. Dort wird die Position automatisch auf einer individuellen Weltkarte im Internet weiter verarbeitet, auf die nur der zuvor eingestellte Personenkreis Zugriff hat.

Im Unterschied zu AIS kostet diese Art Positionsübermittlung Geld, in der Regel wenige Eurocent je Position.

Eigentlich ist es egal, welche Technologie man an Bord einsetzt. Selbst eine täglich manuell erzeugte E-Mail mit der aktuellen Position, Kurs und Geschwindigkeit würde reichen, um ein mögliches Suchgebiet auf See drastisch einzuschränken.

Kurs und Geschwindigkeit sind bei den Positionsmeldungen genauso wichtig wie die Position selbst. Nur damit kann man durch Fortschreibung („plotten“) zukünftige Positionen immerhin einigermaßen sicher vorhersagen.

Sehr schwierig, eigentlich unmöglich wird eine Suche jedoch, wenn das Boot über keine technische Ausrüstung diesbezüglich verfügt. Man könnte vielleicht die Anschaffungs- und Betriebskosten als Grund für den Verzicht anführen – doch es ist wie so häufig bei der Sicherheitsausrüstung an Bord: Man kauft und betreibt sie einzig in der Hoffnung, sie nie einsetzten zu müssen.

Auf Basis der gemachten Erfahrungen während der Trans-Ocean Rolling Home Team 2020 Aktion und der freundlichen Unterstützung durch Marinetraffic wollen wir prüfen, ob wir die AIS Positionsdaten der bei Trans-Ocean e.V. gemeldeten Boote automatisch in unsere Weltkarte übernehmen können. Das würde zum einen die manuelle Datenerfassung durch die Boote überflüssig machen und zum anderen die Aktualität der Weltkarte deutlich erhöhen.

Carsten, Peter


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