Startschuss in La Rochelle

Verfasst von Kirsten Panzer am 1. Oktober
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Sie sind unterwegs - endlich ist der Augenblick gekommen, auf den die Minis sich jahrelang vorbe­reitet und auf den sie voller Vorfreude gewartet haben, auch die beiden TO-Segler Lina Rixgens und Andreas Deubel sowie mit Jörg Riechers und Oliver Tessloff zwei weitere Deutsche.

Am Nachmittag sind sie erfolgreich zur ihrer ersten Etappe von der französischen Atlantikküste in Richtung Kanaren gestartet. Das allerdings nicht unter den besten und auch nicht unter den schönsten Bedingungen. Nach sommerlichem Sonnenschein mit Partystimmung hat heute, genau wie so manches Familienmitglied, der Himmel geweint – Regen und dazu noch westlicher Wind. Es wehte also ziemlich feucht genau aus der Richtung, in die die 6,50 Meter langen Boote erst einmal segeln werden.

Von La Rochelle müssen sie zwischen der Île de Ré und der Île d'Oléron hindurch. Dann geht es weiter hinaus in die Biskaya, um anschließend die westlichste Ecke Spaniens, das Kap Finisterre zu runden und die Kanaren ansteuern zu können. 8 bis 11 Tage wird diese erste Etappe dauern. „Und sie wird taktisch die schwierigste von den beiden sein“, schätzt Jörg Riechers (49) am Tag vor dem Start die Anfangssituation des Rennens ein. Sein persönliches Ziel: „Das Podium natürlich!“ Und das Mindeste, was er von sich erwartet? „Der dritte Platz!“ Die Chancen stehen dabei für den Profisegler und einzigen Deutschen, der in der Klasse der Prototypen startet, ziemlich gut. Es ist bereits seine dritte Teilnahme am Minitransat.

„Doch an allererster Stelle steht das Ankommen“, relativiert Andreas Deubel (39) für sich die Ambitionen, das sei erst einmal das Wichtigste, es heil aus der Biskaya und über den Atlantik schaffen, an zweiter Stelle kommt dann das Ergebnis.

Für Lina Rixgens (23), eine von nur zehn Frauen, die ins Rennen gegangen sind und dazu noch drittjüngste Teilnehmerin von insgesamt 81 Startern, steht zumindest vor dem Start noch der Atlantik im Vordergrund: „Ich hoffe sehr, dass ich auch Zeit haben werde, den Atlantik so zu genießen, wie ich es als Schülerin bei meinen zwei Atlantiküberquerungen auf einem Zweimastschoner erlebt habe.“ Sie will das Atlantikgefühl zurück und das für sich alleine, aber dazu auch im Wettbewerb.

Wobei es Oliver Tessloff ein paar Stunden vor dem Start nicht mehr schnell genug gehen kann: „Ich will einfach nur los – endlich!“ Und dann: „Ich bin einfach nur froh, wenn wir dann heute Abend die Bucht verlassen haben, das ist im Moment für mich das Wichtigste und dann in der ersten Etappe nichts kaputt zu machen. Denn bei der ersten Etappe kann man nichts gewinnen, aber alles verlieren.“ 
Er spricht damit aus, was alle Minitransatsegler umtreibt. Dabei werden sie nicht nur die erste Etappe sondern die nächsten Wochen unter ständiger Anspannung im absoluten Regattamodus verbringen. „Du musst und willst ja auch permanent das Optimum aus Deinem Boot rausholen“, resümiert Wolfgang Quix am Steg in La Rochelle noch kurz vor dem Start und betont dabei immer wieder, dass aber das Durchkommen, das Ankommen das Allerwichtigste sei. Schließlich kann viel passieren auf dem Atlantik und das Wetter tut sein Übriges dazu auch schon beim Start in La Rochelle.

Zur Stimmung unseres Mini-Veteranen Wolfgang Quix, der das Ablegen der Minis und das anschließende Herausschleppen aus dem Hafen kaum ertragen konnte, passte es allerdings ausgezeichnet. Ob er mitwolle, wieder hinaus aufs Meer, wieder über den Atlantik segeln, hat er zwar verneint, doch verriet sein Blick, dass er nur vernünftig und altersgemäß antworten wollte und dass dem Regattasegeln, vor allem single und doublehanded, noch immer seine Leidenschaft gehört.

Seine Verabschiedung der TO-Segler, denen er vor allem eine gesunde Ankunft auf der anderen Seite des Atlantiks wünschte, war demensprechend berührend, auch für die heutigen Starter. Denn vor vierzig Jahren hat Wolfgang Quix bei der allerersten Minitransat (damals noch poor man‘s race) mit seiner nur 5,70 langen Waarwolf das geschafft, was Lina und Andreas noch vor sich haben, im Regattamodus alleine den Atlantik überquert!

Verfolgen kann man die Minis wie gewohnt im Internet.


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