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letzter Beitrag 29.03.12 um 06:47 von  Chris
Raymarine ST2000-Plus Pinnenpilot
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Autor Nachrichten
wijosef
Senator
Senator
Posts:206


--
25.03.12 um 20:06

    Vor kurzem habe ich von einem lieben Segelkameraden einen  Raymarine Pinnenpiloten ST2000-Plus erhalten.

    Mit den Worten, Du reparierst doch auch Pinnenpiloten. Hier, den schenke ich Dir. Er funktioniert manchmal und manchmal nicht.

    Natürlich repariere ich keine Pinnenpiloten, ich schraube nur gerne.

    An dieser Stelle möchte ich meine Erfahrungen mit diesem Gerät aufzeigen, in der Hoffnung, vielleicht dem ein oder anderen damit helfen zu können.

     

    Zur Betriebszeit:

     

    Das Gerät wurde in Amerika, bzw. der Karibik für ein Neunmeter Segelboot gekauft.

    Danach ging es zurück über die Azoren in die Adria.

    Da die Yacht über eine gut funktionierende Windsteueranlage verfügt, wurde das Gerät nur unter Motor eingesetzt.

    Laut Aussage des Eigners hatten sie viel Wind auf dem Atlantik. Im Mittelmeer musste vorwiegend  unter Motor gefahren werden.

    Über die genaue Motorlaufzeit ist mir nichts bekannt.

     

    Zum Aufbau des Gerätes:

     

    Nach dem Lösen der acht Kreuzschlitzschrauben in der Unterschale, kann die Oberschale mit dem Bedienfeld aus Gummi, das in die Oberschale eingeklebt ist, leicht entfernt werden.

    Der Innenbereich ist sehr übersichtlich. Obenauf die Steuerplatine mit den sechs Tastern und dem Display ( mit drei Kreuzschlitzschrauben an der Unterschale befestigt).

    Darunter die Schubeinheit mit Gewindeschubspindel, Getriebe und Elektromotor (sind in Schlitzen an der Ober- und Unterschale fixiert).

    Am hinteren Ende befindet sich cockpitseitig noch der Befestigungsstift (in die Unterschale eingelegt).

    Am vorderen  Ende, in einer kleinen Ausbuchtung der Unterschale, ist der Kompass mit zwei Kreuzschlitzschrauben befestigt.

     

    Zum Schadensbild:

     

    - Der Motor:

     

    Ein alter Bekannter , der kleine Chinese RS555SH, der in den Modellbaushops im Internet für ca. zehn Euro erhältlich ist. Diesen Motor verbaut Raymarine auch in der Schubstange Q047, die bei der Pinnensteuerung S1 und Smartpilot X 5 in der Standartversion zum Einsatz kommt.

    Die Gleitlager des Motors, wie auch der Motor, befanden sich, bis auf etwas Rost am Gehäuse, in guten Zustand.

    Nur die Kohlebürsten (es ist nicht möglich diese zu wechseln, da der Motor verpresst ist) waren bis auf einen kleinen Rest verschlissen.

    Der Kohlestaub der Kohlebürsten war im ganzen Gerät verteilt, was auf der Steuerplatine offensichtlich zu Fehlkontaktierungen geführt hatte  (Kohlenstoff ist ein sehr guter Leiter).

     

    - Das Getriebe:

     

    Besteht aus zwei Plastikformteilen mit jeweils einer winzigen, eingespritzten Gleitlagerbuchse. An einem Formteil ist  der Motor mit zwei Kreuzschlitzschrauben M3 befestigt. Am anderen ist die Schubspindel ebenfalls mit zwei M3 Schrauben angeflanscht.

     

     Die Funktionsweise des Getriebes:

     

    Vom Motor läuft ein winziger Riemen zu einer Zweifachriemenscheibe. Sie ist in den beiden Gleitlagerbuchsen der Plastikgetriebeformteile gelagert. Von der Abtriebsriemenseite der Zweifachriemenscheibe läuft ein weiterer winziger Riemen zur Gewindespindel der Schubstange.

    Das Getriebe befand sich in einem gutem Zustand. Nur die Gleitlagerbuchsen waren minimal in Zugrichtung der Riemen eingelaufen.

     

    - Die Schubeinheit:

     

    Besteht aus der Schubstange (Schubrohr mit Gewindebuchse) und Gewindespindel. An den beiden Seiten der Schubstange laufen noch parallel zwei Führungsstangen aus Alu mit ca. 8mm Durchmesser. Auf ihnen bewegt sich ein kleiner Schlitten aus Plastik  beim Ein- und Ausfahren der Schubstange vor und zurück. Dieser Schlitten verhindert, dass sich die Schubstange beim Vor- und Zurückdrehen der Gewindespindel mitdreht.

    Die beiden Führungsstangen sind am getriebeabtriebseitigen Plastikformteil durch zwei M3 Kreuzschlitzschrauben befestigt.

     

    Bei meinem Gerät waren beide Schrauben locker und teilweise herausgedreht.

     

    Die Schubstange ist durch ein Kugellager, das den Gegendruck, bzw. den Zug der Schubstange auffangen soll, an dem Getriebeplastikformteil befestigt.

    Hier ist das Plastikformteil durch ein Aluplättchen verstärkt.

     

    Bei meinem Gerät war das Kugellager eingelaufen und musste ersetzt werden.

     

    Da es sich um ein Zollkugellager  D ¾ Zoll d ¼ Zoll b 9/32 Zoll handelt, das nicht einfach in Deutschland erhältlich ist, hier mein Lieferant. www.sautershop.de.

    Bei ihm zahlte ich für zwei Kugellager mit Versand 17,65 Euro.

    Wäre ein handelsübliches Kugellager ähnlicher Größe verbaut worden, läge der Ladenpreis, beim Zubehörhändler um die Ecke, bei ca. 2 Euro für ein Lager.

     

    An der Austrittsseite der Schubstange wird diese durch ein weiteres Plastikformteil geführt. Es ist  ebenfalls durch ein Aluplättchen verstärkt und durch zwei M3 Schrauben an den Führungstangen befestigt.

     

    Bei meinem Gerät waren beide Schrauben locker und teilweise herausgedreht.

     

    In dem Plastikformteil der Schubstangenführung ist ein Simmering eingebaut, der die Schubstange gegen eindringendes Wasser abdichten soll.

     

    Bei meinem Gerät war dieser Simmering (ich konnte ihn nirgendwo erweben. Möglicherweise ist er bei Raymarine erhältlich) vollständig zerrieben. Teile davon fanden sich auf der Steuerplatine und unter dem Kompass, was diesen am freien pendeln hinderte.

    Außerdem war ein Befestigungslappen des Plastikformteils gebrochen.

    Seine Wandstärke misst auf einer Länge von ca. 2cm entlang der Einformung des Simmerings,  nur ca. 1 mm.

     

    Die Gummitastatur in der Gehäuseoberseite sollte  sehr pfleglich behandelt werden. Bei einer Beschädigung tropft das Wasser direkt auf die Steuerplatine.

     

    Liebe Grüße Josef

    Chris
    Segler
    Segler
    Posts:8


    --
    29.03.12 um 06:47
    hallo Josef
    super deine Beschreibung. vielen Dank! hast du s wieder in Gang gesetzt oder hast du auch ne Hassvitrine..
    Ich habe zwar kein solch ein "ding" mehr, aber in mir kam wieder die alte Hass-erinnerung an Aautohelm und später Raymarine hervor mit deren miesen-wirklich billigst zusammengeschusterten-geräten ich früher viele stunden und geld verpulverte. Englische elektronik taugt heute immer noch nicht viel..
    man muste immer alles doppelt und dreifach an Bord haben für ernsthafte Reisen..
    Weil schicken zum Reparieren/Garantie oder ersatzteile bestellen dauerte 2-3Monate früher in England. Zwischendurch streikte noch die Post...

    übrigens: Wer braucht noch einen alten Autohelm6000 Kurscomputer 24 volt und fluxgateKompass-beides "neue Ersatzteile", aber ca 20 Jahre alt..?)
    Herzlicher Gruss
    Christian
    (auf 2. Weltumsegelung..leider wieder ein schiff mit Raymarine gekauft.. bin selber blöd..)
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